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17_12_2012_Funktionalstile.doc
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Charakteristik der funktionalen Stile

  1. Der Stil der Wissenschaft

Bereich:

die Wissenschaft als Sphäre der menschlichen Tätigkeit erforscht die Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung der Natur, Gesellschaft, des Denkens, der Sprache usw. Die Ergebnisse werden systematisiert, verallgemeinert und in neuen Begriffen verankert.

Aufgabe, Zweck, Funktion:

  • Vermittlung von Erkenntnissen als Resultate der Untersuchungen von verschiedenen wissenschaftlichen Sachverhalten;

  • Erörterung von wissenschaftlichen Hypothesen, Darlegung von Beweisen und Auseinandersetzung mit verschiedenen Problemen.

Substile:

  • der akademisch-wissenschaftliche Stil,

  • der populär-wissenschaftliche Stil.

Innerhalb jedes Substils gibt es verschiedene Zweige der Wissenschaft: Erdkunde, Linguistik, Philosophie, Mathematik usw.

Genres:

  • Rezension

  • Vortrag

  • Artikel

  • These

  • Referat

  • Lexikonartikel

  • Jahresarbeit

  • Monographie

  • Dissertationsschrift

  • Lehrbuch

  • Vorlesung

Stilzüge:

Die wissenschaftlichen Texte appellieren an die Ratio, nicht an die Emotion. Der Zweck dieses Stils erfordert objektive logische Darlegung des Inhalts und verleiht dem Text besondere Merkmale (= Stilzüge).

primär: Abstraktheit (Begrifflichkeit): man abstrahiert sich von den Einzelheiten, um zu verallgemeinern.

sekundär:

  • Klarheit: bedeutet Deutlichkeit, Verständlichkeit der Darlegung

  • Präzision (Genauigkeit): das Dargelegte stimmt exakt.

  • Objektivität: man stellt den Sachverhalt ohne Beteiligung des Textproduzenten (des Subjekts) dar.

  • Sachlichkeit: man verzichtet auf die Mittel der Emotionalität, stellt den Sachverhalt ohne Wertung dar.

  • Folgerichtigkeit: die überzeugende Beweisführung wird erreicht durch besondere Architektonik der Darlegung und durch besondere sprachliche Ausformung.

  • Dichte: auf eine Einheit des Textes kommt viel Information zu (diese Texte sind schwer für das Verständnis)

  • Unpersönlichkeit: das subjektive Ich ist in solchem Text unangebracht.

Sprachliche Realisierung:

    • phonetische Ebene: keine Synkopen, Apokopen, Aphäresen, keine individuellen Besonderheiten der Aussprache, keinen dialektalen Beiklang; also die volltönige Rede.

    • lexische Ebene:

  • Wörter mit dem linguostilistischen Modell n1 – n2 – n3 (allgemein gebräuchlich – allgemein verständlich – nicht expressiv);

  • die meisten Wörter werden im direkten Sinne gebraucht;

  • Abstrakta dominieren;

  • Abkürzungen (z. B. ebd. = ebenda);

  • Termini gelten als höchste Stufe der begrifflichen Abstraktion; jeder Terminus ist objektiv, kurz, präzis;

  • Komposita ersetzen ganze Nebensätze (z. B. Bankgebühren, Breitwandfilm);

  • Substantive mit den Suffixen -ung, -heit, -keit (d.h. Nominalisierungen); sie sind fähig Substantive im Genitiv und Präpositionalgruppen als Attribute an sich anzuschließen (das verdichtet den Gedanken und tritt als Mittel der Kürze auf);

  • Adjektive mit dem Suffix -bar (ersetzen ganze Nebensätze);

  • Epitheta (Adjektive, Attributsätze); sie dienen der Präzision der Aussage;

  • das Fehlen von expressiven Ausdrücken (keine Tropen, keine bewertenden Wörter, keine charakterologische Lexik).

    • grammatische Ebene

Morphologie:

  • Passiv als Ausdruck der Unpersönlichkeit;

  • Präsens als Ausdruck etwas Allgemeingültigen, was im Redemoment geschieht;

  • Partizip I und II treten als Attribute auf. Sie ersetzen ganze Nebensätze;

  • man-Sätze.

Syntax:

  • grammatische (nicht expressive!) Wortfolge: Thema – Rhema als Ausdruck der Sachlichkeit und Objektivität;

  • das Satzgefüge dominiert, weil das eine argumentierte Darlegung des komplizierten Inhalts verlangt;

  • Nebensätze: weil, wenn (Konditionalsätze), obwohl, damit – als Ausdruck der Folgerichtigkeit, Attributsätze als Ausdruck der Deutlichkeit und Klarheit;

  • Aussagesätze dominieren + rhetorische Fragen;

  • Attribute ausgedrückt durch Genitiv-Substantive und Präpositionalgruppen (= die sog. Rechtsattribute);

  • das erweiterte Attribut (Mittel der Kürze);

  • Parenthesen haben einen erläuternden Charakter, dienen der logischen Anschaulichkeit;

  • Aufzählungen als Ausdruck der Knappheit;

  • Infinitivgruppen – ein Mittel der Kürze und auch der Unpersönlichkeit.