Einsamkeit und Freiheit
1. Für Humboldt stellt das Leben an einer Universität eine grundsätzlich gleichberechtigt... Gelehrtengesellschaft von Professoren und Studenten dar, die auf der selbständig... und einsam... Lern-und Forschungstätigkeit beider beruht. 2. Im Prinzip kann die wissenschaftliche Tätigkeit des Professors und des Studenten nicht unterschieden werden: Beid... werden als selbständig... Individuen in sittlich... und geistig... Vervollkommnung vorgestellt, die durch ihr wissenschaftlich... Suchen sich selbst immer mehr zur Individualität steigern. 3. Daher kommt es Humboldt gar nicht auf das Maß an Wissen an, das jemand beherrscht, sondern auf diese Einstellung des wissenschaftlich... Suchens, auf den Drang zum Wissen, zur Erkenntnis, zur Wahrheit, darauf eben, dass man die Wissenschaft immer als ein noch nicht ganz... aufgelöst... Problem behandeln und daher immer im Forschen bleiben müsse. 4. Dieser Erkenntnisdrang aber kann und soll grundsätzlich bei Professoren und Studenten gleichmäßig vorhanden sein; er soll das sie auch sozial... Verbindend... darstellen, und diese Einheit und Gleichheit des Erkenntnisstrebens muss auch institutionell die Grundlage der Universitätsorganisation bilden. 5. Man muss Humboldt ernst nehmen, wenn er sagt, dass bei der Organisation der höher... wissenschaftlich... Anstalten alles darauf beruht, das Prinzip zu erhalten, die Wissenschaft als etwas noch nicht Gefunden... und nie ganz Aufzufindend... zu betrachten und unablässig sie als solche zu suchen. 6. Dieser Wissenschaftsbegriff führt zu der Konsequenz, dass in der Universität die Professoren und Studenten organisatorisch und sozial grundsätzlich als gleichrangig... zu behandeln sind, d.h. ihnen institutionell die gleich... Lebensform zu bieten und zu sichern ist.
7. Damit vollzieht Humboldt auch im Organisatorisch... der Universität die Abkehr von einem alt... Wissenschaftsbegriff, der in irgendein... Form von dem "Besitz der Wahrheit" bei den Lehrend... ausging und diese damit den Lernend... gegenüber in eine grundsätzlich sozial... und organisatorisch... Vorrangstellung brachte. 8. Was in den verschieden... traditionell... Formen der Wissensvermittlung den Priester vom Laien, den Lehrer vom Schüler, den Meister vom Lehrling, den Gebend... in der Tradition vom Nehmend... , den Anerkannt... und Besitzend... vom Anfänger und "Armen" in der Wahrheit schied, wird in dieser Universitätsorganisation grundsätzlich aufgehoben: die Vorrangstellung und die unmittelbar... Funktion des Lehrers. 9. Humboldt begreift die Universität als die Emanzipation vom eigentlich... Lehren, da der Universitätslehrer nur von fern das eigen... Lernen der Studenten leitet.
10. Diese Forderung der "Emanzipation vom eigentlich... Lehren" setzt die Universität natürlich vor all... von der Schule ab, ist aber bei Humboldt sehr rigoros gemeint: Jede Art der Verschulung der Universität verstößt für ihn fundamental gegen den Geist der Wissenschaft und gegen die grundsätzlich... bei Professoren und Studenten gleichartig... Lebensform des einsam und selbständig Lernend... . 11. Die Lernfreiheit, nicht die Lehrfreiheit, ist daher das primär... , Professoren und Studenten in sozial... Gleichheit vereinende, sozial... Grundgesetz der Humboldtschen Universität. 12. Als die den Professoren und Studenten gemeinsam... Lebensform, aus der auch zugleich die ganz... äußer... Organisation der Universitäten fließen müsse, hat Humboldt eine Existenz in "Einsamkeit und Freiheit" genannt (Nach: Schelsky H. Einsamkeit und Freiheit // Ebda. S. 127-129).
