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Schastina_J_M_Deutschsprachige_Literatur_des_20_Jahrhunderts_Teil_I.doc
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☆

Vorsatz

Die Geschichte Hans Castorps, die wir erzählen wollen, - nicht um seinetwillen (denn der Leser wird einen einfachen, wenn auch ansprechenden jungen Menschen in ihm kennenlernen), sondern um der Geschichte willen, die uns in hohem Grade erzählenswert scheint (wobei zu Hans Castorps Gunsten denn doch erinnert werden sollte, daß es seine Geschichte ist, und daß nicht jedem jede Geschichte passiert): diese Geschichte ist sehr lange her, sie ist sozusagen schon ganz mit historischem Edelrost überzogen und unbedingt in der Zeitform der tiefsten Vergangenheit vorzutragen.

Das wäre kein Nachteil für eine Geschichte, sondern eher ein Vorteil; denn Geschichten müssen vergangen sein, und je vergangener, könnte man sagen, desto besser für sie in ihrer Eigenschaft als Geschichten und für den Erzähler, den raunenden Beschwörer des Imperfekts. Es steht jedoch so mit ihr, wie es heute auch mit den Menschen und unter diesen nicht zum wenigsten mit den Geschichtenerzählern steht: sie ist viel älter als ihre Jahre, ihre Betagtheit ist nicht nach Tagen, das Alter, das auf ihr liegt, nicht nach Sonnenumläufen zu berechnen; mit einem Worte: sie verdankt den Grad ihres Vergangenseins nicht eigentlich der Zeit, - eine Aussage, womit auf die Fragwürdigkeit und eigentümliche Zwienatur dieses geheimnisvollen Elementes im Vorbeigehen angespielt und hingewiesen sei.

Um aber einen klaren Sachverhalt nicht künstlich zu verdunkeln: die hochgradige Verflossenheit unserer Geschichte rührt daher, daß sie vor einer gewissen, Leben und Bewußsein tief zerklüftenden Wende und Grenze spielt ... Sie spielt, oder, um jedes Präsens geflissentlich zu vermeiden, sie spielte und hat gespielt vormals, ehedem, in den alten Tagen, der Welt vor dem großen Kriege, mit dessen Beginn so vieles begann, was zu beginnen wohl kaum schon aufgehört hat. Vorher also spielt sie, wenn auch nicht lange vorher. Aber ist der Vergangenheitscharakter einer Geschichte nicht desto tiefer, vollkommener und märchenhafter, je dichter „vorher“ sie spielt? Zudem könnte es sein, daß die unsrige mit dem Märchen auch sonst, ihrer inneren Natur nach, das eine und andre zu schaffen hat.

Wir werden sie ausführlich erzählen, genau und gründlich, - denn wann wäre je die Kurz- oder Langweiligkeit einer Geschichte abhängig gewesen von dem Raum und der Zeit, die sie in Anspruch nahm? Ohne Furcht vor dem Odium der Peinlichkeit, neigen wir vielmehr der Ansicht zu, daß nur das Gründliche wahrhaft unterhaltend sei.

Im Handumdrehen also wird der Erzähler mit Hansens Geschichte nicht fertig werden. Die sieben Tage einer Woche werden dazu nicht reichen und auch sieben Monate nicht. Am besten ist es, er macht sich im voraus nicht klar, wieviel Erdenzeit ihm verstreichen wird während sie ihn umsponnen hält. Es werden, in Gottes Namen, ja nicht geradezu sieben Jahre sein!

Und somit fangen wir an!

Erstes Kapitel

Ankunft

Ein einfacher junger Mensch reiste im Hochsommer von Hamburg, seiner Vaterstadt, nach Davos-Platz im Graubünischen. Er fuhr auf Besuch für drei Wochen.

Von Hamburg bis dort hinauf, das ist aber eine weite Reise; zu weit eigentlcih im Verhältnis zu einem so kurzen Aufenthalt. Es geht durch mehrerer Herren Länder, bergauf und bergab, von der süddeutschen Hochebene hinunter zum Gestade des Schwäbischen Meeres und zu Schiff über seine springenden Wellen hin, dahin über Schlünde, die früher für unergründlich galten.

Von da an verzettelt sich die Reise, die solange großzügig, in direkten Linien vonstatten ging. Es gibt Aufenthalte und Umständlichkeiten. Beim Orte Rorschach, auf schweizerischem Gebiet, vertraut man sich wieder der Eisenbahn, gelangt aber vorderhand nur bis Landquart, einer kleinen Alpenstation, wo man den Zug zu wechseln gezwungen ist. Es ist eine Schmalspurbahn, die man nach längerem Herumstehen in windiger und wenig reizvoller Gegend besteigt, und in dem Augenblick, wo die kleine, aber offenbar ungewöhnlich zugkräftige Maschine sich in Bewegung setzt, beginnt der eigentlich abenteuerliche Teil der Fahrt, ein jäher und zäher Aufstieg, der nicht enden zu wollen scheint. Denn Station Landquart liegt vergleichsweise noch in mäßiger Höhe; jetzt aber geht es auf wilder, drangvoller Felsenstraße allen Ernstes ins Hochgebirge.

Hans Castorp – dies der Name des jungen Mannes - befand sich allein mit seiner krokodilsledernen Handtasche, einem Geschenk seines Onkels und Pflegevaters, Konsul Tienappel, um auch diesen Namen hier gleich zu nennen - , seinem Wintermantel, der an einem Haken schaukelte, und seiner Plaidrolle in einem kleinen grau gepolsterten Abteil; er saß bei niedergelassenem Fenster, und da der Nachmittag sich mehr und mehr verkühlte, so hatte er, Familiensöhnchen und Zärtling, den Kragen seines modisch weiten, auf Seide gearbeiteten Sommerüberziehers aufgeschlagen. Neben ihm auf der Bank lag ein broschiertes Buch namens „Ocean steamships“, worin er zu Anfang der Reise bisweilen studiert hatte; jetzt aber lag es vernachlässigt da, indes der hereinstreichende Atem der schwer keuchenden Lokomotive seinen Umschlag mit Kohlenpartikeln verunreinigte.

Zwei Reisetage entfernen den Menschen – und gar den jungen, im Leben noch wenig fest wurzelnden Menschen – seiner Alltagswelt, all dem, was er seine Pflichten, Interessen, Sorgen, Aussichten nannte, viel mehr, als er sich auf der Droschkenfahrt zum Bahnhof wohl träumen ließ. Der Raum, der sich drehend und fliehend zwischen ihn und seine Pflanzstätte wälzt, bewährt Kräfte, die man gewöhnlich der Zeit vorbehalten glaubt; von Stunde zu Stunde stellt er innere Veränderungen her, die den von ihr bewirkten sehr ähnlich sind, aber sie in gewisser Weise übertreffen. Gleich ihr erzeugt er Vergessen, er tut es aber, indem er die Person des Menschen aus ihren Beziehungen löst und ihn in einen freien und urspründlichen Zustand versetzt, - ja, selbst aus dem Pedanten und Pfahlbürger macht er im Handumdrehen etwas wie einen Vagabunden. Zeit, sagt man, ist Lethe; aber auch Fernluft ist so ein Trank, und sollte sie weniger gründlich wirken, so tut sie es dafür desto rascher. Dergleichen erfuhr auch Hans Castorp. Er hatte nicht beabsichtigt, diese Reise sonderlich wichtig zu nehmen, sich innerlich auf sie einzulassen. Seine Meinung vielmehr war gewesen, sie rasch abzutun, weil sie abgetan werden mußte, ganz als derselbe zurückzukehren, als der er abgefahren war, und sein Leben genau dort wieder aufzunehmen, wo er es für einen Augenblick hatte liegenlassen müssen. Noch gestern war er völlig in dem gewohnten Gedankenkreise befangen gewesen, hatte sich mit dem jüngst Zurückliegenden, seinem Examen, und dem unmittelbar Bevorstehenden, seinem Eintritt in die Praxis bei Tunder & Wilms (Schiffswerft, Maschinenfabrik und Kesselschmiede), beschäftigt und über die nächsten drei Wochen mit soviel Ungeduld hinweggeblickt, als seine Gemütsart nur immer zuließ. Jetzt aber war ihm doch, als ob die Umstände seine volle Aufmerksamkeit erforderten, und als ob es nicht angehe, sie auf die leichte Achsel zu nehmen. Dieses Emporgehobenwerden in Regionen, wo er noch nie geatmet und wo, wie er wußte, völlig ungewohnte, eigentümlich dünne und spärliche Lebensbedingungen herrschten, - es fing an, ihn zu erregen, ihn mit einer gewissen Ängstlichkeit zu erfüllen. Heimat und Ordnung lagen nicht nur weit zurück, sie lagen hauptsächlich klaftertief unter ihm, und noch immer stieg er darüber hinaus. Schwebend zwischen ihnen und dem Unbekannten fragte er sich, wie es ihm dort oben ergehen werde. Vielleicht war es unklug und unzuträglich, daß er, geboren und gewohnt, nur ein paar Meter über dem Meeresspiegel zu atmen, sich plötzlich in diese extremen Gegenden befördern ließ, ohne wenigstens einige Tage an einem Platze von mittlerer Lage verweilt zu haben? Er wünschte, am Ziel zu sein, denn einmal oben, dachte er, würde man leben wie überall und nicht so wie jetzt im Klimmen daran erinnert sein, in welchen unangemessenen Sphären man sich befand. Er sah hinaus: der Zug wand sich gebogen auf schmalem Paß; man sah die vorderen Wagen, sah die Maschine, die in ihrer Mühe braune, grüne und schwarze Rauchmassen ausstieß, die verflatterten. Wasser rauschten in der Tiefe zur Rechten; links strebten dunkle Fichten zwischen Felsblöcken gegen einen steingrauen Himmel empor. Stockfinstere Tunnel kamen, und wenn es wieder Tag wurde, taten weitläufige Abgründe mit Ortschaften in der Tiefe sich auf. Sie schlossen sich, neue Engpässe folgten, mit Schneeresten in ihren Schründen und Spalten. Es gab Aufenthalte an armseligen Bahnhofshäuschen, Kopfstationen, die der Zug in entgegengesetzter Richtung verließ, was verwirrend wirkte, da man nicht mehr wußte, wie man fuhr, und sich der Himmelsgegenden nicht länger entsann. Großartige Fernblicke in die heilig-phantasmagorisch sich türmende Gipfelwelt des Hochgebirges, in das man hinan- und hineinstrebte, eröffneten sich und gingen dem ehrfürchtigen Auge durch Pfadbiegungen wieder verloren. Hans Castorp bedachte, daß er die Zone der Laubbäume unter sich gelassen habe, auch die der Singvögel wohl, wenn ihm recht war, und dieser Gedanke des Aufhörens und der Verarmung bewirkte, daß er, angewandelt von einem leichten Schwindel und Übelbefinden, für zwei Sekunden die Augen mit der Hand bedeckte. Das ging vorüber. Er sah, daß der Aufstieg ein Ende genommen hatte, die Paßhöhe überwunden war. Auf ebener Tahlsohle rollte der Zug nun bequemer dahin.

Es war gegen acht Uhr, noch hielt sich der Tag. Ein See erschien in landschaftlicher Ferne, seine Flut war grau, und schwarz stiegen Fichtenwälder neben seinen Ufern an den umgebenden Höhen hinan, wurden dünn weiter oben, verloren sich und ließen nebelig-kahles Gestein zurück. Man hielt an einer kleinen Station, es war Davos-Dorf, wie Hans Castorp draußen ausrufen hörte, er würde nun binnen kurzem am Ziele sein. Und plötzlich vernahm er neben sich Joachim Ziemßens Stimme, seines Vetters gemächliche Hamburger Stimme, die sagte: „Tag, du, nun steige nur aus“; und wie er hinaussah, stand unter seinem Fenster Joachim selbst auf dem Perron, in braunem Ulster, ganz ohne Kopfbedeckung und so gesund aussehend wie in seinem Leben noch nicht. Er lachte und sagte wieder:

„Komm nur heraus, du, geniere dich nicht!“

„Ich bin aber noch nicht da“, sagte Hans Castorp verdutzt und noch immer sitzend.

„Doch, du bist da. Dies ist das Dorf. Zum Sanatorium ist es näher von hier. Ich habe `nen Wagen mit. Gib mal deine Sachen her“.

Und lachend, verwirrt, in der Aufregung der Ankunft und des Wiedersehens reichte Hans Castorp ihm Handtasche und Wintermantel, die Plaidrolle mit Stock und Schirm und schließlich auch „Ocean steamships“ hinaus.

Aufgaben zum Text:

  1. Im „Vorsatz“ setzt sich der Autor schon mit der Doppelbödigkeit des Zeitbegriffes auseinander. Was können Sie in diesem Zusammenhang über die zeitliche Perspektive des Romans sagen?

  2. Wie erklären Sie den Wechsel der Zeitformen (vom Präteritum zum Präsens) im zweiten Absatz der „Ankunft“? Welche stilistische und welche inhaltliche Absicht verbirgt sich hinter diesem Kunstgriff?

  3. Untersuchen Sie die Beziehung zwischen der Bewegung in der Zeit und der Bewegung im Raum! Welche Übereinstimmungen stellen Sie fest?

  4. Beachten Sie die Besonderheiten der Syntax in diesem Auszug!

Heinrich Mann (1871-1950)

Er wurde wie sein Bruder Thomas in Lübeck geboren. Nach der Reifeprüfung und einer Buchhändlerlehre war er im S. Fischer Verlag tätig. In München und Berlin belegte er Vorlesungen, versuchte sich als Maler und schließlich als freischaffender Schriftsteller. 1893 besuchte er erstmals Frankreich, danach lebte er mit seinem Bruder Thomas mit Unterbrechungen bis 1898 in Italien. Nach dem ersten Weltkrieg wohnte er in München und Berlin. 1933 wurde H. Mann aus der Preußischen Dichterakademie ausgeschlossen, seine Bücher wurden verbrannt. Darauf ging er über Frankreich und Spanien nach Kalifornien ins Exil. 1949 wurde er zum ersten Präsidenten der Deutschen Akademie der Künste gewählt. Vor seiner Übersiedlung nach Ostberlin starb er in Santa Monica (Kalifornien). 1961 wurden seine sterblichen Überreste auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin beigesetzt.

Seine Werke u.a.:

Im Schlaraffenland (1900), Jagt nach Liebe (1903), Die Göttinnen oder die drei Romane der Herzogin von Assy (1903), Proffessor Unrat (1905), Die kleine Stadt (1909), Der Untertan (1914, erschien 1918), Die Armen (1917), Der Kopf (1925), Mutter Marie (1927), Eugenie oder die Bürgerzeit (1930), Die Jugend des Königs Henri Quatre (1935), Die Vollendung des Königs Henri Quatre (1938), Lidice (1943), Ein Zeitalter wird besichtigt (1946), Der Atem (1949).

Aus “Der Untertan“

Diederich Hessling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt. Ungern verließ er im Winter die warme Stube, im Sommer den engen Garten, der nach den Lumpen der Papierfabrik roch und über dessen Goldregen- und Fliederbäume das hölzerne Fachwerk der alten Häuser stand. Wenn Diederich vom Märchenbuch, dem geliebten Märchenbuch, aufsah, erschrak er manchmal sehr. Neben ihm auf der Bank hatte ganz deutlich eine Kröte gesessen, halb so groß wie er selbst! Oder an der Mauer dort drüben stak bis zum Bauch in der Erde ein Gno, und schielte her!

Fürchterlich als Gnom und Kröte war der Vater, und obendrein sollte man ihn lieben. Diederich liebte ihn. Wenn er genascht oder gelogen hatte, drückte er sich so lange schmatzend und scheu wedelnd am Schreibpult umher, bis Herr Hessling etwas merkte und den Stock von der Wand nahm. Jede nicht herausgekommene Untat mischte in Diederichs Ergebenheit und Vertrauen einen Zweifel. Als der Vater einmal mit seinem invaliden Bein die Treppe herunterfiel, klatschte der Sohn wie toll in die Hände – worauf er weglief.

Kam er nach einer Abstrafung mit gedundenem Gesicht und unter Geheul an der Werkstätte vorbei, dann lachten die Arbeiter. Sofort aber streckte Diederich nach ihnen die Zunge aus und stampfte. Er war sich bewusst: „Ich habe Prügel bekommen, aber von meinem Papa. Ihr wäret froh, wenn ihr auch Prügel von ihm bekommen könntet. Aber dafür seid ihr viel zuwenig“.

Er bewegte sich zwischen ihnen wie ein launenhafter Pascha; drohte ihnen bald, es dem Vater zu melden, dass sie sich Bier holten, und bald ließ er kokett aus sich die Stunde herausschmeicheln, zu der Herr Hessling zurückkehren sollte. Sie waren auf der Hut vor dem Prinzipal: er kannte sie, er hatte selbst gearbeitet. Er war Büttenschöpfer gewesen in den alten Mühlen, wo jeder Geld fand, eine Papiermaschine kaufen können- Ein Holländer und eine Scheidemaschine vervollständigten die Einrichtung- Er selbst zählte die Bogen nach. Die von den Lumpen abgetrennten Knöpfe durften ihm nicht entgehen. Sein kleiner Sohn ließ sich oft von den Frauen welche zustecken, dafür, das er die nicht angab, die einige mitnahmen. Eines Tages hatte er so viele beisammen, dass ihm der Gedanke kam, sie beim Krämer gegen Bonbons umzutauschen. Es gelang – aber am Abend kniete Diederich, indes er den letzten Malzzucker zerlutschte, sich ins Bett und betete, angstgeschüttelt, zu dem schrecklichen lieben Gott, er möge das Verbrechen unentdeckt lassen. Er brachte es dennoch an den Tag. Dem Vater, der immer nur methodisch, Ehrenfestigkeit und Pflicht auf dem verwitterten Unteroffiziersgesicht, den Stock geführt hatte, zuckte diesmal die Hand, und in die eine Bürste seines silberigen Kaiserbartes lief, über die Runzeln hupfend, eine Träne. „Mein Sohn hat gestohlen“, sagte er außer Atem, mit dumpfer Stimme und sah sich das Kind an wie einen verdächtigen Eindringling. „Du betrügst und stiehlst. Du brauchst nur noch einen Menschen totzuschlagen“.

Frau Hessling wollte Diederich nötigen, vor dem Vater hinzufallen und ihm um Verzeihung zu bitten, weil der Vater seinetwegen geweint habe! Aber Diederichs Instinkt sagte ihm, das dies den Vater nur noch mehr erbost haben würde. Mit der gefühlsseligen Art seiner Frau war Hessling durchaus nicht einverstanden. Sie verdarb das Kind fürs Leben. Übrigens ertappte er sie gerade so auf Lügen wie den Diedel. Kein Wunder, da sie Romane las! Am Sonnabend war nicht immer die Wochenarbeit getan, die ihr aufgegeben war. Sie klatschte, anstatt sich zu rühren, mit dem Mädchen ... . Und Hessling wusste noch nicht einmal, dass seine Frau auch naschte, gerade wie das Kind. Bei Tisch wagte sie sich nicht satt zu essen und schlich nachträglich an den Schrank. Hätte sie sich in die Werkstätte getraut, würde sie auch Knöpfe gestohlen haben.

Sie betete mit dem Kind „aus dem Herzen“, nicht nach Formeln, und bekam dabei gerötete Wangenknochen. Sie schlug es auch, aber Hals über Kopf und verzerrt von Rachsucht. Oft war sie dabei im Unrecht. Dann drohte Diederich, sie beim Vater zu verklagen; tut so, als ginge er ins Kontor, und freute sich irgendwo hinter einer Mauer, dass sie nun Angst hatte. Ihre zärtlichen Stunden nützte er aus; aber er fühlte gar keine Achtung vor seiner Mutter. Ihre Ähnlichkeit mit ihm selbst verbot es ihm. Denn er achtete sich selbst nicht, dafür ging er mit einem zu schlechten Gewissen durch sein Leben, das voe den Augen des Herrn nicht bestehen können.

Dennoch hatten die beiden von Gemüt überfließende Dämmerstunden. Aus den Festen pressten sie zusammen, vermittelst Gesang, Klavierspiel und Märchenerzählen, den letzten Tropfen Stimmung heraus. Als Diederich am Christkind zu zweifeln anfing, ließ er sich von der Mutter bewegen, noch ein Weilchen zu glauben, und er fühlte sich dadurch erleichert, treu und gut- Auch an ein Gespenst, droben auf der Burg, glaubte er hartnäckig, und der vater, der davon nichts hören wollte, schien ihm zu stolz, beinahe strafwürdig- Die Mutter näherte ihn mit Märchen. Sie teilte ihm ihre Angst mit vor den neuen; belebten Strassen und der Pferdebahn, die hindurchfuhr, und führte ihn über den Wall nach der Burg. Dort genossen sie das wohlige Grausen.

Ecke der Meisestrasse hinwieder musste man an einem Polizisten vorüber, der, wenn er wollte, ins Gefängnis abführen konnte! Diederichs Herz klopfte beweglich; wie gern hätte er einen weiten Bogen gemacht! Aber dann würde der Polizist sein schlechtes Gewissen erkannt und ihn aufgegriffen haben. Es war vielmehr geboten, zu beweisen, dass man sich rein und ohne Schuld fühlte – und mit zitternder Stimme fragte Diederich den Schutzmann nach der Uhr.

Nach so vielen furchtbaren Gewalten, denen man unterworfen war, nach den Märchenkröten, dem Vater, dem lieben Gott, dem Burggespenst und der Polizei, nach dem Schornsteinfeger, der einen durch den ganzen Schlot schleifen konnte, bis man auch ein schwarzer Mann war, und dem Doktor, der einen im Hals pinseln durfte und schütteln, wenn man schrie – nach allen diesen Gewalten geriet nun Diederich unter eine noch furchtbarere, den Menschen auf einmal ganz verschlingende: die Schule. Diederich betrat sie heulend, und auch die Antworten, die er wusste, konnte er nicht geben, weil er heulen musste. Allmählich lernte er den Drang zum Weinen gerade dann auszunützen, wenn er nicht gelernt hatte – denn alle Angst machte ihn nicht fleißiger oder weniger träumerisch -, und vermied so, bis die Lehrer sein System durchschaut hatte, manche üblen Folgen. Dem ersten, der es durchschaute, schenkte er seine ganze Achtung; er war plötzlich still und sah ihn, über den gekrümmten und vors Gesicht gehaltenen Arm hinweg, voll scheuer Hingabe an. Immer blieb er den scharfen Lehrern ergeben und willfährig. Den gutmütigen spielte er kleine, schwer nachweisbare Streiche, deren er sich nicht rühmte. Mit viel größerer Genugtuung sprach er von einer Verehrung in den Zeugnissen, von einem riesigen Strafgericht. Bei Tisch berichtete er: „Heute hat Herr Behneke wieder drei durchgehauen“. Und wenn gefragt ward, wen: „Einer war ich“.

Denn Diederich war so beschaffen, dass die Zugehörigkeit zu einem unpersönlichen Ganzen, zu diesem unerbittlichen,menschenverachtenden, maschinellen Organismus, der das Gymnasium war, ihn beglückte, dass die Macht, die kalte Macht, an der er selbst, wenn auch nur leidend, teilhatte, sein Stolz war. Am Geburtstag des Ordinarius bekränzte man Katheder und Tafel. Diederich umwand sogar den Rohrstock.

Im Laufe der Jahre berührten zwei über Machthaber hereingebrochene Katastrophen ihn mit heiligem und süßem Schauder. Ein Hilfslehrer ward vor der Klasse vom Direktor heruntergemacht und entlassen. Ein Oberlehrer ward wahnsinnig. Noch höhere Gewalten, der Direktor und das Irrenhaus, waren hier grässlich mit denen abgefahren, die bis eben so hohe Gewalt hatten. Von unten, klein, aber unversehrt, durfte man die Leichen betrachten und aus ihnen eine die eigene Lage mildernde Lehre ziehen.

Die Macht, die ihn in ihrem Rädewerk hatte, vor seinen jüngeren Schwestern vertrat Diederich sie- Sie mussten nach seinem Diktat schreiben und künstlich noch immer Fehler machen, als ihnen von selbst gelangen, damit er mit roter Tinte wüten und Strafen austeilen konnte. Sie waren grausam. Die Kleinen schrieen – und dann war es an Diederich, sich zu demütigen, um nicht verraten zu werden.

Er hatte, den Machthaber nachzuahmen, keinen Menschen nötig; ihm genügten Tiere, sogar Dinge. Er stand am Rande des Holländers und sah die Trommel die Lumpen ausschlagen. „Den hast du weg! Untersteht euch noch mal! Infame Bande!“ murmelte Diederich, und in seinen blassen Augen glomm es. Plötzlich duckte er sich; fast fiel er in das Chlorbad. Der Schritt eines Arbeiters hatte ihn aufgestört aus seinem lästerlichen Genuss.

(Heinrich Mann: Der Untertan. Leipzig, 1971. S.5-9).

Aufgaben zum Text:

  1. Bestimmen Sie die inhaltlichen Probleme in diesem Auszug!

  2. Was können Sie über die Kindheitserlebnisse des jungen Haupthelden sagen? Können Sie vermuten, wie die beschriebenen Episoden auf die Entwicklung seiner Charaktereigenschaften einwirken?

  3. Wie sind die Beziehungen der Eltern und der Kinder zueinander in dieser Familie? Wie bewirken sie die Psyche des Kindes?

  4. Hessling befindet sich gleichzeitig in der realen Welt und in der Märchenwelt, was verursacht diese Zwiespältigkeit?

  5. Welche Rolle spielen im Tex die Oxymora?

Elias Canetti (1905-1994)

Elias Canetti wurde am 25. Juli 1905 im bulgarischen Rustschuk als Sohn sephardischer, im Mittelalter aus Spanien emigrierter Juden geboren. Seine Eltern entstammten einem traditionsbewußten, begüterten Kaufmannsgeschlecht. Spanisch und bulgarisch waren die ersten Sprachen, die Canetti beigebracht wurden. 1911 zog die Familie nach Manchester um, wo der sprachbegabte Schüler neben Englisch auch Französisch lernte. Ein Jahr später starb sein Vater; mit seiner Mutter und zwei Brüdern ging Canetti nach Wien. Erst jetzt, während eines längeren Zwischenaufenthaltes in der Schweiz, begann der lese- und wißbegierige Canetti, Deutsch zu lernen. Nach dem Abitur 1924 nahm er ein, ungeliebtes Studium der Chemie auf, das er dennoch mit einer Promotion abschloß. In Wien begeisterte er sich aber vor allem für die berühmten Vorlesungen des Publizisten Karl Kraus; während einer dieser Vorlesungen lernte er seine Frau, die Schriftstellerin Veza Canetti, kennen. Er führte in Wien das Leben eines freien Schriftstellers. In Wien beschäftigte er sich auch fortan mit dem Phänomen der Massen, dem zentralen Thema seines späteren Werks. Er hielt sich wiederholt in Berlin auf und hatte dort Kontakt zu den intellektuellen Kreisen um Bertolt Brecht und George Grosz. Canetti plante einen umfangreichen Romanzyklus, von dem er jedoch nur den Roman «Die Blendung» verwirklichte (1931/32 geschrieben, 1936 erstmals publiziert). In den folgenden Jahren entstanden auch seine beiden bedeutenden Dramen «Hochzeit» und «Komödie der Eitelkeit».

Mit der Einverleibung Österreichs in das nationalsozialistische Deutsche Reich wurde Canetti 1938 in die Emigration gezwungen, er ging nach London. Die nächsten zwanzig Jahre seines Lebens widmete er sich fast ausschließlich seinem Hauptwerk, der großen Studie «Masse und Macht», in der er die vielfältigen Erscheinungsformen und Strukturen von Massen in ihren Beziehungen zu Machtmechanismen als einer menschlichen Grundkonstante untersucht. Das Buch erschien 1960 und stieß in der literarischen Öffentlichkeit lange Zeit nur auf sehr geringe Resonanz. Erst allmählich entwickelte sich ein Bewußtsein für die Komplexität und treffende Zeitdiagnose von Canettis Werk. Auch «Die Blendung», obgleich schon 1948 neu aufgelegt, wurde eigentlich berühmt erst nach ihrer neuerlichen Publikation 1963. Dieser Roman gehört zu den Grundwerken dieses Jahrhunderts. Auch Canettis frühe Dramen wurden erst 1965 uraufgeführt. 1968 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis, 1972 den Georg-Büchner-Preis. In dieser Zeit begann er mit der Aufzeichnung seiner großen Autobiographie der Jahre 1905-1937, in der er seine vielfältigen Beziehungen zu Karl Kraus, Hermann Broch und anderen Zeitgenossen, besonders aber zu seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder auffächert. Die drei Bände der Autobiographie - «Die gerettete Zunge» - «Die Fackel im Ohr» - «Das Augenspiel» erschienen von 1977 bis 1985. Canetti schrieb Essays, Dramen und Aphorismen. 1981 wurde Canetti der Nobelpreis für Literatur zuerkannt.

Die letzten Jahre lebte er zurückgezogen in Zürich. Am 14. August 1994 ist der Schriftsteller Elias Canetti im Alter von 89 Jahren in Zürich gestorben.

Das Schlußkapitel aus dem Roman „Die Blendung“

Der rote Hahn

Peter sperrte hinter seinem Bruder die Wohnungstüre zu. Sie war durch drei komplizierte Schlösser und breite, schwere Eisenstäbe gesichert. Er rüttelte an ihnen, sie gaben um keinen Nagel nach. Wie aus einem einzigen Stück Stahl war die ganze Türe, hinter ihr war man wirklich zu Hause. Die Schlüssel paß­ten noch in ihre Schlösser, das Holz hatte eine verwaschene Farbe; es fühlte sich zerkratzt an. Der Rost auf den dunklen Stäben war alt, und man nahm nicht recht aus, wo denn die Türe repariert worden war. Der Hausbesorger hatte sie doch zersplit­tert, damals, als er in die Wohnung einbrach. Ein Tritt von ihm, und die Stäbe hatten sich wie Balken gebogen, der elende Lüg­ner, er log mit Fäusten und Füßen, auch die Wohnung trat er einfach ein. Es war einmal ein Monatserster, und der Herr Pfaff bekam kein Douceur. »Dem ist was geschehn!« Er tobte und stürzte nach der Geldquelle hinauf, sie war ihm ja plötzlich versiegt. Auf dem Wege erschlug er die Treppe. Unter seinen Faustschuhen wimmerte der Stein. Die Menschen traten vor ihre Höhlen, alle Untergebenen seines Hauses, und hielten sich die Nasen zu. »Es stinkt!« klagten sie alle. »Wo?« fragte drohend er. »Aus der Bibliothek.« »Ich stinke nichts!« Er konnte nicht ein­mal deutsch. Er hatte eine dicke Nase und riesige Nasenlöcher, aber der Schnurrbart darunter war gewichst und reichte in die Löcher hinein. So roch er nur immer die Pomade, und die Lei­che, die roch er nie. Sein Schnurrbart war steif und gefroren, tagtäglich strich er ihn an. Er hielt sich rote Pomade in tausend verschiedenen Tuben. Unterm Bett in seinem Kabinett war eine Kollektion von Salbentöpfen, rot in allen Nuancen, rot hier, rot dort, rot drüben. Sein Kopf war ja FEUERrot.

Kien löschte das Licht im Vorzimmer aus. Man hatte nur an einem Schalter zu drehen, und schon war es finster. Durch Rit­zen drang aus dem Arbeitszimmer ein schwacher Schimmer zu ihm und streifte zärtlich seine Hosen. Wieviel Hosen hatte er gesehen! Das Guckloch existierte nicht mehr. Der Rohling hatte es ausgebrochen. Nun lag die Mauer verödet. Morgen zog ein neuer Pfaff unten ein und mauerte die Wand zu. Hätte man sie gleich verbunden. Die Serviette starrte von Blut. Das Wasser im Becken war gefärbt wie nach einer Seeschlacht bei den Kanari­schen Inseln. Warum versteckten sie sich unters Bett? An der Wand war ja Platz genug. Vier Bauer hingen bereit. Sie aber sahen hochmütig über das niedere Volk hinweg. Die Fleisch­töpfe waren leer. Da zogen Wachtelvölker daher, und Israel hatte zu essen. Alle Vögel wurden umgebracht. Ganz kleine Kehlen haben sie, unter den gelben Federn. Wer sollte das glau­ben, die mächtige Stimme, und bis man die Kehlen findet! Hat man sie, so preßt man sie zu, der vierstimmige Gesang ist zu Ende, überall spritzt das Blut herum, dickes, warmes Blut, diese Vögel leben immer im Fieber, heißes Blut, es brennt einen, die Hosen brennen.

Kien wischte Blut und Schein von seinen Hosen weg. Statt ins Arbeitszimmer, aus dem das Licht über ihn hergefallen war, ging er durch den langen dunklen Korridor in die Küche. Auf dem Tisch lag ein Teller mit Gebäck. Der Stuhl davor war ver­rückt, als hätte noch eben jemand daraufgesessen. Er schob ihn unfreundlich weg. Er packte die gelben weichen Wecken, sie waren wie Vogelleichen, und füllte sie in die Brotbüchse. Die sah aus wie ein Krematorium. Das versteckte er im Küchenkasten. Auf dem Tisch blieb der Teller allein zurück, leuchtend und blendend weiß, ein Kissen. Darüber lagen die »Hosen«. Therese hatte es aufgeschlagen. Sie hielt erst auf Seite 20. Sie hatte Hand­schuhe an. »Ich lese jede Seite sechsmal.« Sie will ihn zur Unzucht verführen. Er will nur ein Glas Wasser. Sie holt es. »Ich verreise auf sechs Monate.« »Bitte, das darf nicht sein!« »Es ist notwendig.« »Ich erlaub' es nicht!« »Ich verreise aber doch.« »Dann sperr' ich die Wohnungstür zu!« »Die Schlüssel hab' ich.« »Bitte, wo?« »Hier!« »Und wenn ein brand ausbricht?«

Kien trat zur Wasserleitung und drehte den Hahn ganz auf. Mit voller Wucht schoß der Strahl in die schwere Muschel hin­ein, es hätte sie fast gesprengt. Bald war sie mit Wasser gefüllt. Über den Küchenboden floß die Flut und löschte alle Gefahr. Er drehte den Hahn wieder zu. Auf den Steinfliesen glitt er aus. Er schlüpfte in die Kammer daneben. Sie war leer. Er lächelte sie an. Früher stand hier ein Bett und an der Wand gegenüber ein Koffer. Im Bett schlief die blaue Sieben. Im Koffer waren ihre Waffen versteckt: Röcke, Röcke und Röcke. Täglich verrichtete sie ihre Andacht vor dem Bügelbrett in der Ecke. Da legten sich die Falten hin, da standen sie gestärkt wieder auf. Später zog sie zu ihm hinüber und nahm sich die Möbel mit. Da erblaßten die Wände vor Freude. Seither sind sie weiß geblieben. Und was stellte Therese dagegen? Mehlsäcke, dicke Mehlsäcke! Sie mach­te die Kammer zur Vorratskammer, für die bösen mageren Jahre. Von der Decke hingen Schenkel herunter, geräuchert. Der Boden setzte sich steife Zuckerhüte auf. Brotlaibe rollten gegen Butterfässer. Milchkannen saugten sich hart. Mehlsäcke an den Mauern schützten die Stadt vor einem feindlichen Sturm. Für die Ewigkeit war hier gesorgt. Sie ließ sich beruhigt ein­sperren und pochte auf ihre Schlüssel. Eines Tages schloß sie die Kammer auf. In der Küche fand sich kein Brosam mehr, und was fand sich in der Kammer? Die Mehlsäcke waren nur noch Löcher. Statt der Schinken hingen Schnüre herunter. Ausgeron­nen waren die Milchkannen und die Zuckerhüte bloß blaues Papier. Der Boden hatte das Brot geschluckt und sich alle Ritzen mit Butter verschmiert. Wer? Wer? Ratten! Ratten tauchen plötz­lich auf, in Häusern, die nie welche hatten, man weiß nicht, woher sie kommen, aber sie sind da, sie fressen alles zusammen, gute gesegnete Ratten und lassen für hungrige Weiber einen Haufen Zeitungen zurück, da liegen sie noch, sonst nichts. Zei­tungen schmecken ihnen nicht. Ratten hassen Zellulose. Im Dunkeln wühlen sie wohl, aber Termiten sind sie nicht. Termi­ten fressen Holz und Bücher. Liebesaufruhr im Termitenstock. BRAND IN DER BIBLIOTHEK.

Kien griff, so eilig sein Arm ihm gehorchte, nach einem Zei­tungsblatt. Er mußte sich nur wenig bücken, der Stoß reichte bis über seine Knie. Er drückte ihn heftig zur Seite. Der Boden vor dem Fenster in seiner ganzen Breite war von Zeitungen einge­nommen; hier wurden die alten Blätter seit Jahren aufgestapelt. Er neigte sich zum Fenster hinaus. Im Hofe unten war es dunkel. Von den Sternen drang Licht bis zu ihm. Für die Zeitung war es nicht genug. Vielleicht hielt er sie zu weit weg. Er näherte sie den Augen, seine Nase berührte das Papier und saugte den Ge­ruch nach Petroleum gierig und angstvoll ein. Da bebte das Papier und knisterte. Aus seinen Nüstern kam der Wind, unter dem das Blatt sich bog, und seine Nägel krallten sich ein. Aber die Augen fahndeten nach einer Überschrift, so groß, daß sie sich lesen ließe. Hatte er an einer solchen Halt, so las er die Zeitung bei Sternenlicht aus. Als erstes nahm er aus: ein großes M. Von Mord war also die Rede. Gleich dahinter kam wirklich ein O. Diese Überschrift, fett und schwarz, füllte ein Sechstel des Blattes aus. So bauschte man seine Tat auf! Jetzt war er das Stadtgespräch, er, der Ruhe und Einsamkeit liebte. Und Georg bekam noch eine Nummer zur Hand, bevor er die Grenze über­schritt. Jetzt wußte auch er schon vom Mord. Gäbe es eine gelehrte Zensur, dann wäre das Blatt halb weiß. Dann fänden die Leute weiter unten weniger Blaues zu lesen. Die zweite Über­schrift begann mit einem B und gleich danach kam ein R: brand. Mord und Brand verheert die Blätter, das Land und die Köpfe, nichts interessiert sie sosehr, folgt auf den Mord kein Brand, so fehlt ihnen was am Behagen, am liebsten würden sie ihn selber legen, zum Morden fehlt ihnen der Mut, feig sind sie, man sollte keine Zeitungen lesen, dann würden sie von selber eingehen, am allgemeinen Boykott.

Kien warf das Blatt auf den Haufen der übrigen zurück. Die Zeitung, auf die er abonniert war, mußte er abbestellen, schleu­nigst. Er verließ die häßliche Kammer. Aber es ist doch Nacht, sagte er laut auf dem Gang. Wie soll ich sie jetzt abbestellen? Um weiterzulesen, zog er seine Uhr. Sie bot ihm nur ein Zifferblatt. Die Zeit ließ sich nicht entziffern. mord und brand waren weniger spröde. In der Bibliothek drüben war ja Licht. Es brannte ihn, die Zeit zu wissen. Er betrat sein Arbeitszimmer.

Es war gerade elf. Doch keine Kirchglocke schlug. Damals war es hellichter Tag. Gegenüber die gelbe Kirche. Auf dem kleinen Platz die Menschen schlichen aufgeregt hin und her. Der bucklige Zwerg hieß Fischerle. Er heulte zum Steinerweichen. Pflastersteine hüpften auf und nieder. DasTheresianum war von Polizei umstellt. Die Operationen litt ein Major. Den Verhaft­befehl trug er in der Tasche. Der Zwerg hatte ihn selbst durchschaut. Bis ins Stiegenhaus hatten sich Feinde verkrochen. Oben amtierte das Schwein. Bücher gewissenlosen Bestien wehrlos ausgeliefert! Das Schwein stellte ein Kochbuch zusam­men mit hundertunddrei Rezepten. Von seinem Bauche hieß es, er sei eckig. Und warum war Kien ein Verbrecher? Weil er den Ärmsten der Armen half. Denn schon bevor sie von der Leiche hörte, erließ die Polizei einen Haftbefehl. Gegen ihn das unge­heure Aufgebot. Mannschaft zu Fuß und zu Pferd. Funkeinagelneue Revolver, Karabiner, Maschinengewehre, Stacheldraht und Panzerwagen - aber gegen ihn ist alles umsonst, sie hängen ihn nicht, sie hätten ihn denn! Unter den Beinen schlüpft man in die Rosen, er und sein getreuer Zwerg. Und nun sind sie ihm auf den Fersen, und er hört das Keuchen und Schnaufen, und der Fleischerhund will ihm an die Kehle. Aber ach, es gibt größeres Elend. Im sechsten Stock des Theresianums, da sagen sich die Bestien gute Nacht, da hält man Tausende von Büchern wider­rechtlich verhaftet, Zehntausende, gegen ihren freien Willen, schuldlos, was können sie für das Schwein, vom Erdboden ab­geschnitten, hart am schwelenden Dachboden, ausgehungert, verurteilt, verurteilt zum feuerfrass.

Kien hörte Hilferufe. Verzweifelt zog er an der Schnur, wel­che zum Oberfenster führte, und die Klappen über ihm flogen auf. Er lauschte. Die Hilferufe schwollen an. Er mißtraute ih­nen. Er lief ins nächste Zimmer und zog auch hier an der Schnur. Hier tönten die Hilferufe leiser. Der dritte Raum widerhallte gellend, im vierten hörte er sie kaum. Er lief durch die Zimmer zurück. Er lief und lauschte. In Wellen schlugen die Hilferufe auf und ab. Er preßte die Hände gegen die Ohren und hob sie rasch wieder weg, preßte und hob sie weg. Genauso klang auch das oben. Ach, ihn verwirrten seine Ohren. Er zerrte die Leiter, ihrer widerstrebenden Schiene zum Trotz, bis in die Mitte des Arbeitszimmers und stieg auf die höchste Sprosse. Sein Ober­körper ragte übers Dach, an den Scheiben hielt er sich fest. Da hörte er die wilden Rufe; es waren schreiende Bücher. In der Richtung des Theresianums gewahrte er einen rötlichen Schein. Zögernd kroch es über den schwarzen klaffenden Himmel da­her. Petroleumgeruch war in seiner Nase. Feuerschein, Schreie, Gestank: das Theresianum brannte!

Geblendet schloß er die Augen. Er neigte den glühenden Schädel. Auf seinen Nacken klatschten Tropfen. Es regnete. Er warf den Schädel zurück und bot dem Regen sein Gesicht. So kühl war das fremde Wasser. Selbst die Wolken hatten Erbar­men. Vielleicht löschten sie den Brand. Da bekam er gegen die Lider einen eisigen Schlag. Ihn fror. Jemand knipste. Man zog ihn splitternackt aus. Man durchsuchte alle seine Taschen. Man beließ ihm das Hemd am Leib. Im Spiegelchen sah er sich selbst. Er war sehr mager. Rote Früchte, dick und geschwollen, wuch­sen rings um ihn her. Der Hausbesorger war darunter. Die Leiche versuchte zu reden. Er hörte sie nicht an. Immer sagte sie bitte. Er verstopfte sich die Ohren. Sie klopfte auf den blauen Rock. Er kehrte ihr den Rücken. Vor ihm saß eine Uniform ohne Nase. »Sie heißen?« »Dr. Peter Kien.« »Beruf?« »Der größte lebende Sinologe.« »Unmöglich.« »Ich schwöre.« »Sie schwören falsch!« »Nein!« »Verbrecher!« »Ich bin bei Verstand. Ich geste­he. Bei vollem Bewußtsein. Ich habe sie umgebracht. Ich bin geistesgesund. Mein Bruder weiß es nicht. Schonen Sie ihn! Er ist berühmt. Ich habe ihn belogen.« »Wo ist das Geld?« »Geld?« »Sie haben gestohlen.« »Ich bin kein Dieb!« »Raubmörder!« »Mörder.« »Raubmörder!« »Mörder! Mörder!« »Sie sind verhaf­tet, Sie bleiben hier!« »Aber mein Bruder kommt. Lassen Sie mich solange frei! Er darf nichts wissen. Ich beschwöre Sie!« Und der Hausbesorger tritt vor, noch ist er sein Freund, und erwirkt ihm wenige Tage Freiheit. Er bringt ihn nach Hause und bewacht ihn, er läßt ihn nicht aus dem Kabinett. Da hat ihn Georg gefunden, im Elend, aber nicht als Verbrecher. Jetzt ist der wieder auf der Bahn, wäre er doch hier geblieben! Er hätte ihm vor Gericht geholfen! Ein Mörder soll sich wohl stellen? Aber er will nicht. Er bleibt hier. Er bewacht das brennende Theresianum.

Langsam hob er die Lider. Der Regen hatte nachgelassen. Jener rötliche Schein war verblaßt, und die Feuerwehr an Ort und Stelle, endlich. Der Himmel klagte nicht mehr. Kien stieg von der Leiter hinunter. Die Hilferufe in allen Zimmern waren verstummt. Um sie nicht zu überhören, falls sie wieder begän­nen, ließ er die Oberfenster weit offen. In der Mitte des Zimmers hing die Leiter bereit. Stieg die Not aufs höchste, so verhalf sie zur Flucht. Wohin? Ins Theresianum. Das Schwein lag unter Balken verkohlt. Dort unerkannt in der Menge gab es jetzt viel zu tun. Verlaß das Haus! Vorsicht! Panzerautos durchfahren die Straßen. Mit Mann und Roß und Wagen. Die glauben, sie haben ihn schon. Der Herr wird sie grimmig schlagen und er, der Mörder, entwischt. Aber vorher verwischt er die Spuren.

Er kniet vor dem Schreibtisch nieder. Er fährt mit der Hand über den Teppich. Da ist die Leiche gelegen. Ob man das Blut noch sieht? Man sieht nichts. Er bohrt seine Finger tief in die Nasenlöcher hinein. Sie riechen nur ein wenig nach Staub. Kein Blut. Man muß genauer hinsehen. Das Licht ist schlecht. Es hängt zu hoch. Die Schnur der Tischlampe reicht nicht so weit. Auf dem Schreibtisch liegen Streichhölzer. Er zündet gleich sechs auf einmal an, sechs Monate, und legt sich über den Tep­pich. Von ganz nahem leuchtet er ihn ab, nach Blutspuren. Die roten Streifen gehören zum Muster. Sie waren schon immer da. Man muß sie vertilgen. Die Polizei hält sie für Blut. Man muß sie ausbrennen. Er drückt die Streichhölzer in den Teppich. Sie erlöschen. Er wirft sie weg. Er zündet sechs neue an. Leise führt er sie über einen der roten Streifen und drückt sie gelinde hinein. Sie hinterlassen eine braune Spur. Bald erlöschen sie. Er ent­flammt neue. Er verbraucht eine ganze Schachtel. Der Teppich bleibt kühl. Er überzieht sich mit braunen Strichen. Glimmende Reste liegen umher. Jetzt kann man ihm nichts beweisen. Ach, warum hat er gestanden? Vor dreizehn Zeugen. Die Leiche war dabei und der rote Kater mit den Augen bei Nacht. Raubmörder mit Weib und Kind. Es klopft. Polizei steht vor der Tür. Es klopft.

Kien öffnet nicht. Er hält sich die Ohren zu. Er versteckt sich hinter ein Buch. Auf dem Schreibtisch liegt es. Er will darin lesen. Die Buchstaben tanzen auf und ab. Kein Wort ist zu ent­ziffern. Ich bitte um Ruhe! Vor seinen Augen flimmert es glutrot. Das macht der ungeheure Schrecken, nachträglich, über den Brand, wer wäre nicht erschrocken, wenn das Theresianum brennt, unzähligezählige Bücher stehen in Flammen. Er steht. Wie kann man da lesen? Das Buch liegt ja viel zu tief. Setz dich! Er sitzt. Sitzt. Nein, zu Hause, der Schreibtisch, die Bibliothek. Hier hält alles zu ihm. Nichts ist bereits verbrannt. Lesen darf er, wann er will. Aber das Buch ist ja gar nicht offen. Er hat ver­gessen, es aufzuschlagen. Dummheit verdient Schläge. Er schlägt es auf. Er schlägt die Hand drauf. Es schlägt elf. Jetzt hab' ich dich. Lies! Laß! Nein. Pack! Au! Aus der ersten Zeile löst sich ein Stab und schlägt ihm eine um die Ohren. Blei. Das tut weh. Schlag! Schlag! Noch einer. Noch einer. Eine Fußnote tritt ihn mit Füßen. Immer mehr. Er taumelt. Zeilen und ganze Seiten, alles fällt über ihn her. Die schütteln und schlagen ihn, die beuteln ihn, die schleudern ihn einander zu. Blut. Laßt mich los! Verdammtes Gesindel! Zu Hilfe! Georg! Zu Hilfe! Zu Hilfe! Georg!

Aber Georg ist fort. Peter springt auf. Mit gewaltiger Kraft packt er das Buch und klappt es zu. Da hat er die Buchstaben gefangen, alle, und läßt sie gewiß nicht mehr frei. Nie! Er ist frei. Er steht. Er steht allein. Georg ist fort. Den hat er überli­stet. Was weiß der vom Mord. Irrenarzt. Dummkopf. Weitbreite Seele. Aber Bücher stiehlt er gern. Bald sterben soll man ihm. Dann hat er die Bibliothek. Kriegt sie nicht. Geduld! »Was willst du oben?« »Überblick.« »Übernahme!« Ja, könnt' dir passen. Schuster bleib bei deinen Trotteln. Er kommt ja wieder. In sechs Monaten. Dann hat er mehr Glück. Testament? Nicht nötig. Der einzige Erbe nimmt sich, was er will. Sonderzug nach Paris. Bibliothek Kien. Ihr Schöpfer? Der Psychiater Georges Kien! Natürlich, wer sonst? Und der Bruder, der Sinologe? Irrtum, das ist kein Bruder, Namensgleichheit, Zufall, ein Mörder, der Mör­der seiner Frau, mord und brand, über allen Zeitungen, zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt - lebenslänglich - todes­länglich - Totentanz - Goldkalb - Millionenerbschaft - wer wagt gewinnt - weint - Abschied - nein - vereint - vereint bis in den Tod feuertod - Not feuersnot - Brunst feuersbrunst -FEUER FEUER FEUER.

Kien ergreift das Buch auf dem Tisch und droht damit seinem Bruder. Der will ihn bestehlen, auf Testamente sind alle aus, jeder rechnet mit dem Tod seines Nächsten. Zum Sterben ist ein Bruder gut genug, Räuberhölle Welt, Menschen fressen und rauben Bücher. Und alle wollen was, und keiner bleibt, und keiner kann es erwarten. Früher wurde die Habe mit dem Toten verbrannt, ein Testament war nirgends, und übrig, übrig blieben die Knochen. Buchstaben klappern im Buch. Sind gefangen und können nicht heraus. Blutig haben sie ihn geschlagen. Er droht ihnen mit dem Feuertod. So rächt er sich an allen Feinden! Die Frau hat er umgebracht, das Schwein liegt verkohlt, Georg be­kommt keine Bücher. Und die Polizei bekommt ihn nicht. Ohnmächtig pochen die Buchstaben. Draußen pocht laut Poli­zei. »Öffnen Sie!« »Nie!« »Im Namen des Gesetzes!« »Schwat­zes.« »Machen Sie auf!« »Lauf!« »Sofort!« »Fort!« »Sie werden erschossen!« »Possen.« »Wir räuchern Sie aus!« »Laus.« Die wol­len seine Tür erschlagen. Das glückt ihnen nicht so leicht. Seine Türe ist stark und feurig. Krach. Krach. Krach. Schwerer wer­den die Schläge. Man hört sie bis zu ihm hinein. Seine Tür ist mit Eisen beschlagen. Und wenn der Rost es zerfrißt? Kein Metall ist allmächtig. Krach! Krach! Schweine stehen vor der Tür und berennen sie mit eckigen Bäuchen. Sicher splittert das Holz. Es sieht ja so alt aus. Sie nahmen die feindlichen Schanzen. Verschanzen! Ho - ruck - krach! Ho - ruck - krach! Geklingel. Um elf läuten die Glocken. Theresianum. Buckel. Ziehen ab mit langen Nasen. Hab' ich nicht recht - ho ruck! Hab' ich nicht recht - ho ruck!

Von den Regalen stürzen sich Bücher zu Boden. Er fängt sie mit langen Armen auf. Sehr leise, damit man ihn von außen nicht höre, trägt er Stoß um Stoß in den Vorraum hinüber. An der eisernen Türe schichtet er sie hoch. Und noch während der wüste Lärm sein Hirn zerfetzt, baut er aus Büchern eine mäch­tige Schanze. Der Vorraum füllt sich mit Bänden und Bänden. Er holt sich die Leiter zu Hilfe. Bald hat er die Decke erreicht. Er kehrt in sein Zimmer zurück. Regale gähnen ihn an. Vor dem Schreibtisch der Teppich brennt lichterloh. Er geht in die Kam­mer neben der Küche und schleppt die alten Zeitungen sämtlich heraus. Er blättert sie auf und zerknüllt sie, ballt sie und wirft sie in alle Ecken. Er stellt die Leiter in die Mitte des Zimmers, wo sie früher stand. Er steigt auf die sechste Stufe, bewacht das Feuer und wartet. Als ihn die Flammen endlich erreichen, lacht er so laut, wie er in seinem ganzen Leben nie gelacht hat.

(E.Canetti. Die Blendung. F.a.M.Fischer Taschenbuch Verlag. S.502-510).

Aufgaben zum Text:

  1. Äußern Sie sich zum Titel dieses Kapitels.

  2. Beachten Sie die Besonderheiten der Syntax in diesem Auszug.

  3. Was symbolisiert das Feuer?

  4. Worin besteht die Aussagekraft der Umgangssprache? Beweisen Sie das mit dem Kontext.

Quellen- und Literaturangaben

Grabert W., Mulot A. Geschichte der deutschen Literatur. München: Bayerischer Schulbuch-Verlag. 1973. 497 S.

Gutenberg-De 2001. Klassische Literatur in deutscher Sprache. Klassiker – von Aesop bis Zola. Texte von mehr als 350 Autoren, darunter 1100 Romane, 4500 Gedichte, 4000 Märchen, Sagen, Fabeln. Autorenbiographien und Autorenbilder. Vollständiges Kopie des Internetarchivs http://gutenberg aol.de (Stand: März 2001).

Illustrierte Geschichte der deutschen Literatur in 6 Bänden von A.Salzer und E.von Tunk. Neubearbeitung und Aktualisierung von C.Heinrich, J.Münster-Holzlar. Köln: Naumann&Göbel Verlagsgesellschaft.

Koch R., Koch U. Kleine Literaturgeschichte. Max Rein Verlag. Mannheim. 1987. 120 S.

Krusche D. Mit der Zeit. Gedichte in ihren Epochen ausgewählt für den Unterricht. Deutsch als Fremdsprache. Teil 2. Erläuterungen und Materialien. 1990. Bonn: Inter Nationes. 124 S.

Lese-Zeit: deutschsprachige Literatur des 20. Jahrhunderts. Ein Lese- und Arbeitsbuch. Herausgegeben von J.Skiba, L.Volkova, S.Zaripova. Projektleitung und Koordination: Werner Jung. Aisthesis Verlag. Bielefeld 2005. 308 S.

Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Germanistik. Berlin. 1997.

Menschheitsdämmerung. Ein Dokument des Expressionismus. Mit Biographien und Bibliographien neu herausgegeben von Kurt Pinthus. Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1920. cop. 1955. 384 S.

Zeitgenössische Literatur. Panorama der deutschen Literatur. 2 CD. Bayerischer Rundfunk. Cornelsen Verlag. 2002.

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