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Datenvergleich hätte man nicht gebraucht
tagesschau.de: Die Telekom hat die Telefondaten eines Verdächtigen abgleichen lassen. Ist das in Ordnung?
Matschke: Den Datenabgleich hätte man gar nicht gebraucht, wenn man sich im Vorfeld in das Abenteuer des Nachdenkens begeben hätte. Es gibt viel bessere Methoden, zum Beispiel mit sogenannten Spielmaterial. Das können zum Beispiel Scheinpapiere sein. Scheinpapiere sind Manuskripte mit vermeintlichen Betriebsgeheimnissen. Die Papiere sind fast identisch und nur an unauffälligen Stellen abgewandelt. Man kann genau nachvollziehen, wer jetzt dieses Material an andere weitergibt. Das ist eigentlich die gängigste und häufigste Methode.
tagesschau.de: Die Unternehem sehen die Schuld auch bei den beauftragten Detekteien...
Matschke: Die Sicherheitsunternehmen werden das ausführen, wozu sie beauftragt sind. Sie bekommen einen klar umrissenen Auftrag und ziehen diese Dinge durch, ohne großartig nachzufragen. Dieses Nachfragen halte ich für wichtig. Bei vielen ist es so, dass sie froh sind, wenn sie solche Aufträge bekommen und Umsätze erzielen.
Interne Sicherheit muss Chefsache sein
tagesschau.de: Wer sollte Aufträge an Detekteien erteilen?
Matschke: Interne Sicherheit sollte generell Chefsache sein. Im Regelfall wird aber das Thema Sicherheit in der Personalabteilung oder bei irgendwelchen anderen Vorständen angesiedelt. Das finde ich falsch. Sicherheit ist das wichtigste Thema schlechthin, denn hier geht es um den Fortbestand der Firmen.
tagesschau.de: Schützen denn die Firmen ihre Betriebsgeheimnisse genug?
Matschke: Viele Mitarbeiter gehen sehr lax mit dem um, was sie im Zuge ihres Arbeitsverhältnisses mitbekommen. Sie kümmern sich recht wenig um den Fortbestand des Unternehmens. Ein Briefing der Mitarbeiter findet nicht statt. Das ist wiederum eine Sache der internen Kommunikation eines Unternehmens. Die Sicherheitskommunikation in den Firmen wird vernachlässigt und muss aufgebaut werden. Den Mitarbeitern muss klar werden: Es geht um den Erhalt des Unternehmens und darum, Arbeitsplätze zu sichern.
Artikel VI Der Krieg der britischen Kinder
Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Mordwaffen von Teenagern
Jugendgewalt ist ein Problem in ganz Europa. Großbritannien wird aber von einer Epidemie heimgesucht. Dutzende Teenager wurden erstochen. Das Land sucht noch immer nach Auswegen - und nach den Ursachen.
Bildunterschrift: Großansicht des Bildes mit der Bildunterschrift: Verblutet: Robert Knox mit seiner Mutter
Ein Messer steckt im Brustkorb, ein Schraubenzieher daneben, alles ist voller Blut: Die britische Regierung startete in der letzten Woche eine landesweite Schockkampagne. Drastisch werden auf Plakaten die Folgen des Gebrauchs von Messern vorgeführt, mit Fotos von echten Fällen. Angriffe, wie sie auch Rob Knox zum Verhängnis wurden. Der 18-jährige Schauspieler, zuletzt im neuen "Harry Potter"-Film zu sehen, wurde in Kent bei einem Streit vor einer Bar erstochen. Fünf weitere Teenager wurden mit Messerstichen verletzt. England ist entsetzt, mal wieder.
Das Problem ist in Großbritannien schmerzlich vertraut. Meldungen über Morde von Jugendlichen an Jugendlichen gibt es beinah täglich. 2007 starben bei Angriffen allein in London 26 Teenager. Die meisten wurden erstochen, neun von ihnen erschossen. Besonderes Entsetzen erregte der tödliche Schuss auf den elfjährigen Rhys Jones in Liverpool. In diesem Jahr mussten bereits 14 Teenager durch tätliche Angriffe ihr Leben lassen."Kinder töten Kinder", schreibt die "Sun". Von einem "Krieg der Teenager" ist in Medien die Rede, und von einer "Epidemie tödlicher Jugendgewalt".
"Große Sorgen"
Messerstechereien in England, brennende Banlieus in Frankreich, Jugendgewalt ist ein europäisches Problem. Selbst das vermeintlich idyllische Schweden hat in Städten wie Malmö ein erhebliches Problem mit Jugendkriminalität. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble bezeichnete es bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2007 am 22. Mai als eine "der großen Sorgen", dass die Gewaltkriminalität der Jugendlichen um 4,9 Prozent zunahm.
Jochen Kersten, Professor an der Hochschule der Polizei in Münster, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesem Phänomen Jugendgewalt. Ein generelles Ansteigen der Jugendgewalt kann er nicht belegen, ein Anstieg wie in Deutschland könne sich auch mit der gestiegenen Bereitschaft erklären, Taten anzuzeigen. "Wir sehen aber in einer Problemgruppe Dinge, die uns sehr beunruhigen", sagt Kersten. "Das ist das europäische Problem: Diese Gruppe ist überproportional mit männlichen Nachkommen von Zuwanderern besetzt." Für Gewaltbereitschaft gebe es in dieser Gruppierung natürlich ein ganzes Bündel von Ursachen, von Armut bis Diskriminierung. Zu beobachten sei aber auch ein "Verständnis von Ehre und Respekt, die sich von den Begriffen der Mehrheitsgesellschaft weitgehend abgelöst hat. Fehlender Respekt nach ihrem Verständnis wird eben mit Gewalt beantwortet."
Was tun?
Die toten Teenager haben in Großbritannien eine nationale Debatte losgetreten. Scotland-Yard sagt, dass die immer brutaleren Angriffe auf Jugendliche nicht allein von Polizisten eingedämmt werden könnten. Regierung und Opposition werfen sich gegenseitig vor, das Problem mit falschen Konzepten anzugehen. Die Tory-Opposition fordert, was Konservative immer fordern: Mehr Polizei, mehr Gefängnisse, law and order. Doch härteres Durchgreifen, wie Ausgangssperren für Teenager, wurde schon unter Tony Blair exerziert. Die Erfolge hielten sich in Grenzen. Die heutige Labour-Regierung setzt jetzt verstärkt auf Vorbeugung. Erziehungsminister Ed Ball machte rund 100 Millionen Euro zusätzlich für Präventions-Projekte frei.
Briten die unglücklichsten Teenager
Vielleicht schafft es Großbritannien dadurch, wieder zu einem lebenswerten Land für Jugendliche zu werden. Momentan ist dies definitiv nicht der Fall. Nach einer Studie des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) von 2007 sind britische Kinder und Teenager die unglücklichsten aller Industriestaaten. Sie trinken am meisten Alkohol, haben am frühesten Sex, hassen am häufigsten die Schule – und sind insgesamt am unzufriedensten mit ihrem Leben.
Oliver Samson
Stichwörter
heimsuchen – посещать, навещать, нагрянуть
erstechen (o, h.o) – закалывать, убивать
der Schraubenzieher – отвертка
drastisch – грубо, заметно ощутимо
vorführen – демонстрировать, выставлять напоказ
das Verhängnis, -se – рок, судьба, гибель
entsetzt – испуганный, объятый ужасом
der Schuss, Schüsse – выстрел , огнестрельная рана
sein Leben lassen = sterben – лишиться жизни
erheblich – значительный
belegen – подтверждать, доказывать
überproportional – непропорционально высокий
das Bündel – связка, узел
ablösen – отделять
eindämmen – локализовать, ограничивать
das Durchgreifen – наведение порядка
die Sperre, -n – блокировка
exerzieren – обучать строю, заниматься строевой подготовкой
die Vorbeugung – предупреждение, предотвращение
die Prävention - предупреждение, предотвращение
Informationsquellen:
www.deutschland-magazine.de
das Magazin “Internationale Politik”
