Добавил:
Upload Опубликованный материал нарушает ваши авторские права? Сообщите нам.
Вуз: Предмет: Файл:
история немецкого языка.docx
Скачиваний:
34
Добавлен:
12.08.2019
Размер:
141 Кб
Скачать
☆

Historische grammatik morphologie

Die indoeuropäische Grundsprache war eine flektierende Sprache mit ausgesprochen reichem Formbestand. Aufgrund der Festlegung des Wortakzents auf die erste Silbe im Germanischen wurden die Endsilben abgeschwächt und vereinfacht. Das führte auch zur Vereinfachung des germanischen morphologischen Systems. Der morphologische Bestand des indoeuropäischen Wortes ist dreiteilig: das Wort besteht aus der Wurzel, dem stammbildenden Element und der Endung. Im Althochdeutschen ist dieses System im Zerfall. Die stammbildenden Vokale sind schon meistens reduziert, sie bilden eine Einheit mit der Endung.

Substantiv

Deklination. Das althochdeutsche Substantiv besaß gleich dem indoeuropäischen drei Geschlechter, aber nur zwei Numeri und vier (bis fünf) Kasus im Vergleich zu den drei Numeri und acht Kasus des Indoeuropäischen. In den germanischen Sprachen starben in erster Linie jene Kasus ab, die eine konkrete Bedeutung hatten. In der starken Deklination ist im älteren Althochdeutsch der Instrumentalis Sing. noch vorhanden. Aber er starb schnell ab.

Im Althochdeutschen gab es mehr Deklinationstypen als im modernen Deutsch. Nach dem Stammauslaut unterscheidet man zwei Deklinationstypen: eine vokalische, die vom Indoeuropäischen ererbt war, und eine konsonantische, die sich so im Germanischen herausgebildet hatte. Der Stamm konnte auf verschiedene Vokale (a-Stamm, /-Stamm, ö-Stamm, w-Stamm) und Konsonanten (n- Stamm, er-Stamm, «/-Stamm) ausgehen. Aus der vokalischen Deklination entwickelte sich die starke Deklination (aus der ö-Deklination die weibliche), aus der konsonantischen «-Deklination die heutige schwache Deklination.

Zur vokalischen Deklination gehörten im Althochdeutschen die alten a- Stämme, d-Stämme, (-Stämme. Die «-Deklination war fast ganz zerfallen, die Substantive mit den «-Stämmen waren meist in die anderen Klassen übergegangen, hauptsächlich in die /-Deklination.

Zur a-Deklination gehörten viele Maskulina und die meisten Neutra. Diese Deklination bildete die Grundlage der heutigen starken Deklination. Die Substantive der a-Deklination hatten oft im Sing. fünf Kasus: die heutigen vier und den Instrumentalis (TBopHTejiLHUH). Diese Deklination umfaßte einige Untertypen: a-, ja-, wa-Stämme und eine Gruppe von Neutra, die im Plural auf ir ausgehen. Die stammbildenden Elemente kommen selten im Singular und viel öfter im Plural vor. Das Element -ir erscheint nur im Plural. Dabei rufen i und j des stammbildenden Elements den Primärumlaut hervor, wenn die Wurzel ein kurzes a hat: kalb - kelbir, gast -gesti, kraft - krefti.

Sing.

a-Stämme

/a-Stämme

wa-Stämme

/r-Stänune

(m, n)

(m,n)

(m,n)

(n)

Nom.

tag-

hirt-i

se-o

lamb-

Gen.

tag-es

hirt-es,-ies

si-wes

lamb-es

Dat.

tag-e

hirt-e,-ie

se-we

lamb-e

Akk.

tag-

hirt-i

s£-o

lamb-

Instr.

tag-u

hirt-u

lamb-u

PI.

Nom.

tag-a

hirt-a

se-wa

lemb-ir

Gen.

tag-o

hirt-o

se-wo

lemb-iro

Dat.

tag-om,-um

hirt-im, -um

se-wum

lemb-irum

Akk.

tag-a

hirt-a

se-wa

lemb-ir

Zur ö-Deklination gehörten nur Feminina. Sie ergab später die Grundlage der heutigen weiblichen Deklination. Die ö-Deklination hatte nur vier Kasus im Singular und Plural

Singular

Plural

Nom.

zal-a

zal-ä

Gen.

zal-a

zal-öno

Dat.

zal-u

zal-öm

Akk

zal-a

zal-ä

Die /-Deklination enthält einige Maskulina und Feminina, aber keine Neutra. Die beiden Geschlechter unterscheiden sich nur im Singular: die Maskulina haben sich im Singular den a-Stämmen angeglichen, sie haben immer fünf Kasus, nicht alle Feminina haben dagegen den Instrumentalis Sing. bewahrt. Im Plural gibt es nur vier Kasus für beide Geschlechter.

Maskulina

Feminina

Singular

Plural

Singular

Plural

Nom.

Gen.

Dat.

Akk.

Instr.

gast-

gast-es

gast-e

gOSt-

gast-u

gest-i

gest-o

gest-im

gest-i

stat- kraft- stet-i kreft-i stet-i kreft-i stat- kraft stet-iu

stet-i kreft-i stet-io kreft-o stet-im kreft-im stet-i kreft-i

Die «-Deklination ist im Althochdeutschen so gut wie nicht erhalten. Die meisten früheren «-Stämme sind zur /-Deklination (skilt “Schild”, wirt, sun “Sohn”, zart, fuoz, hant u.a.) oder zur a-Deklination (tod, hungar, wald u.a.) übergetreten. Die einzelnen restlichen Substantive behielten nur teilweise die Endungen der «-Deklination.

U

21

nter den konsonantischen Stämmen sind besonders die n- Stämme hervorzuheben, aus welchen sich die schwache Deklination entwickelt hat. Im Althochdeutschen gehören zu diesem Typ Substantive aller drei Geschlechter, die Substantive können sowohl Personen als auch Gegenstände bezeichnen. Die «-Deklination hatte für alle drei Geschlechter vier Kasus im Singular und Plural.

Zahl Kasus

Maskulina

Neutra

Feminina

S

i

n

8-

Nom.

Gen.

Dat.

Akk.

nam-o nam-en, -in nam-en, -in nam-on,-un

oug-a

oug-en,-in

oug-en,-in

oug-a

zung-a

zung-ün

zung-ün

zung-ün

höh-t(n)

hdh-t(n)

höh-ifn)

höh-i(n)

P

1

u

r

a

1

Nom.

Gen.

Dat.

Akk.

nam-on,-un

nam-öno

nam-om

nam-on,-im

oug-un

oug-öno

oug-öm

oug-un

zung-ün

zung-öno

zung-öm

zung-ün

höh-ifn)

höh-tno

höh-im

höh-ifn)

6-406

Von den anderen konsonantischen Deklinationstypen sind im Althochdeutschen nur Reste erhalten: so zählt die er-Deklination nur fünf Substantive, die Verwandschaftsbegriffe ausdrücken (fater, bruoder, muoter, swester, tohter), die «/-Deklination nur zwei Substantive (substantivierte Partizipien I friunt, fiant); es gab außerdem einige Wurzelstänune ohne stammbildendes Element (naht, buoh, brust, bürg, man). Aber schon im Althochdeutschen sind die meisten dieser Substantive in die vokalische Deklination übergetreten Die Abschwächung der unbetonten Endsilben führte zu Beginn der mittelhochdeutschen Zeit zur Unifizierung der einzelnen Deklinationstypen. Das System der Kasusflexion der Substantive wird auf vier Endungen reduziert: -e, -er, -en, -es. Teilweise dringt der Sekundärumlaut in die Wurzeln der Substantive ein. Bei der Angleichung einzelner Deklinationstypen erfolgt ihre partielle Umgruppierung nach dem grammatischen Geschlecht. Im Mittelhochdeutschen sind nur vier Kasus geblieben, der Instrumentalis ist beim Substantiv völlig verschwunden. Man unterscheidet im Mittelhochdeutschen dieselben zwei Deklinationsklassen - die vokalische (auch die starke genannt) und die konsonantische (schwache). Innerhalb der vokalischen Deklination lassen sich noch die alten Typen unterscheiden. Die a-Deklination vereinigt wie im Althochdeutschen Maskulina und Neutra, die i- Deklination Feminina und Maskulina. Das Kennzeichen der /-Stämme ist der Umlaut im Plural und im Gen. und Dat. Sing. der Feminina. Zugleich erfolgt die Angleichung der Kasusformen des Singulars an die Feminina der anderen Deklinationstypen. Zur ö-Deklination gehören wie im Althochdeutschen nur die Feminina.

Bedeutende Unterschiede in den Kasusendungen bestehen nicht zwischen den einzelnen vokalischen Deklinationstypen, sondern zwischen den Maskulina und Neutra einerseits und Feminina andererseits: die Feminina haben keine s-Endung im Gen. Sing., die die übrigen vokalischen Stämme kennzeichnet. Auf der Grundlage der ö-Deklination bildet sich im Laufe des Mittelhochdeutschen und Frühneuhochdeutschen eine einheitliche weibliche Deklination heraus, die erst im 17. Jh. vollendet ist. Die «- Deklination enthielt auch im Mittelhochdeutschen alle drei Geschlechter, aber sie hat sich bedeutend vereinfacht.

Zu Beginn der neuhochdeutschen Zeit bildet sich infolge eines Ausgleichs der früheren a-, ja- und wa- Deklinationen die starke Deklination heraus. In die starke Deklination gehen auch die Maskulina der /-Deklination, viele Maskulina und Neutra der «-Deklination, alle maskulinen er- Stämme und die «/-Stämme über. Die weibliche Deklination entwickelt sich aus der d-Deklination und der der femininen /-Stämme. Alle Feminina der «-Deklination gehen in die weibliche Deklination über, aber im Laufe der frühneuhochdeutschen Zeit bestehen Unterschiede in der Deklination der ehemaligen o-Stämme und der femininen «-Stämme, bei den letzteren existieren bis zum 18. Jh. Parallelformen. Die schwache Deklination, die sich aus der «-Deklination entwickelt hat, geht allmählich zurück. Alle Feminina, Neutra und die meisten Maskulina der ehemaligen «-Deklination sind in die starke oder weibliche Deklination übergegangen, in der schwachen Deklination sind nur Bezeichnungen der männlichen Lebewesen geblieben. Dazu sind noch einige Substantive aus der ehemaligen ya-Deklination in diesen Deklinationstyp übergegangen (Hirt, Riese). Gegenwärtig wird diese Deklination einigermaßen durch einen unbedeutenden Zufluß von Fremdwörtern - maskulinen Personenbezeichnungen mit bestimmten Suffixen - unterstüzt.

Pluralbildung. Das althochdeutsche Substantiv besaß kein besonderes Morphem zum Ausdruck des Numerus, jede Kasusendung bezeichnete sowohl den Kasus als auch den Numerus. Die heutigen Pluralsuffixe der Substantive beginnen sich im Mittelhochdeutschen zu entwickeln. Ihre Herausbildung ist das Resultat der Abschwächung der Endsilbenvokale und der Verschiebung der Morphemgrenzen. Das Pluralsuffix -e entstand durch die Abschwächung und Unifizierung verschiedener althochdeutscher Kasusendungen der a- und /-Deklination, die infolgedessen ihre kasusunterscheidende Funktion immer mehr einbüßten. Dieses aus den Kasusendungen entstandene -e erschien regelmäßig nur im Plural und diente deswegen als Pluralmerkmal. Die ehemalige Kasusendung -em im Dat. PI. verwandelt sich in -en und wird als Verbindung des Pluralsuffixes -e mit der Kasusendung -« gedeutet, spaltet sich also in zwei Morpheme (tag-en > tag-e-n). Die ehemaligen /-Stämme behielten dabei den Umlaut des Wurzelvokals, der ursprünglich durch das stammbildendes Suffix -/- hervorgerufen worden war. Nach der Analogie zu den ehemaligen /-Stämmen bekommen auch viele andere umlautsfahige Maskulina den Umlaut.

Das Pluralsuffix -er entwickelt sich im Frühneuhochdeutschen aus dem stammbildenden Element Dieser Pluralbildungstyp war zuerst auf

eine kleine Gruppe der ehemaligen /r-Stämme beschränkt, später dehnt sich das Pluralsufifix -er auf die meisten Neutra aus. Dieses Suffix wird immer vom Umlaut der umlautbaren Wurzelvokale begleitet.

Das Pluralsuffix -en entwickelte sich im späten Mittelhochdeutschen und Frühneuhochdeutschen infolge der gegenseitigen Angleichung der 6- Deklination und der «-Deklination. Bei einigen Maskulina und Neutra, die aus der schwachen in die starke Deklination übergehen, ist die schwache Kasusendung -en als Pluralsuffix erhalten (das Auge - die Augen, der Schmerz - die Schmerzen).Das Pluralsuffix -s hat sich bei deutschen Wörtern unter dem Einfluß des Niederdeutschen entwickelt

(Kerls, Mädels, Jungens).

A r t i k e 1. Der bestimmte Artikel wird seit dem ausgehenden althochdeutschen Zeitalter regelmäßig gebraucht, der unbestimmte - seit Beginn der mittelhochdeutschen Zeit. Der regelmäßige Gebrauch des Artikels hängt mit der Abschwächung der Kasusendungen des Substantivs zusammen, da er zum wichtigsten Ausdrucksmittel des Genus, Numerus und Kasus wird. Die Entwicklung des Artikels beginnt im Althochdeutschen, als bestimmter Artikel ther, thiu, thaz dient ein Demonstrativpronomen, als unbestimmter Artikel das Zahlwort ein. Im Althochdeutschen wird der bestimmte Artikel nur mit konkreten Substantiven gebraucht, um einen einzelnen besimmten Gegenstand zu bezeichnen. Bei der Bezeichnung eines unbekannten, unbestimmten Gegenstands oder beim generalisierenden Gebrauch des Substantivs fehlt noch der Artikel. Gegen Ende der althochdeutschen Zeit erweitert sich der Gebrauch des Artikels: der bestimmte Artikel kommt schon oft vor Abstrakta, vor Stoffhamen und in der generalisierenden Bedeutung vor. Der regelmäßige Gebrauch des bestimmten und unbestimmten Artikels fuhrt zur Entwicklung der grammatischen Kategorie der Bestimmtheit und Unbestimmtheit beim deutschen Substantiv.