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0925114_33AF6_shpory_po_leksikologii_nemeckogo....docx
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3. Bereicherung des deutschen Wortschatzes durch Entlehnungen: Klassifikation der Entlehnungen.

Die Entlehnung der Lexik aus einer Sprache in die andere gehört zu den gesetzmäßigen Folgen der sprachlichen Kontakte auf ökonomischem, politischem, kulturellem, wissenschaftlichem und sportlichem Gebiet, die es in der Entwicklungsgeschichte einer jeden Sprache gibt.

Unter dem Terminus Entlehnung versteht man in der einschlägigen Literatur sowohl den Entlehnungsvorgang, d.h. die Übernahme frem­den Sprachgutes, als auch das Resultat dieses Prozesses — das entlehn­te fremde Sprachgut selbst.

Nach der Art der Entlehnung sind zu unterscheiden:

  1. Sach- und Wortentlehnung (Bei der Sach- und Wortentlehnung werden fremde Formative übernommen, deren Sachverhalte in der betreffenden Sprache neu oder unbekannt sind. Das sind in der deutschen Sprache genetisch lateinische Wörter: Mauer (murus), Ziegel (tegula). Oder Sach- und Wortentlehnungen aus der amerikanischen Variante der englischen Sprache nach 1945: Motel — Hotel an großen Autostraßen)

  2. Wortentlehnung (Bei Wortentlehnungen werden fremde Formative übernommen, deren Sachverhalte in der entlehnenden Sprache bereits durch eigene Wörter ausgedrückt sind. Es handelt sich hier um die Übernahme von Dubletten: Pläsier (aus dem Franz., 16. Jh.) für „Vergnügen, Spaß“)

Lehngut (nach Harmut Leng, 2003):

  1. Lexementlehnung:

- Fremdwort (aus einer fremden Sprache übernommenes Wort, das sich in Schreibung, Lautung und Flexion der aufnehmenden Sprache nicht angepasst hat (Journal, Bodybilding);

- Lehnwort (ein aus einer fremden Sprache übernommenes, in Phonetik, Morphologie und Orthographie der übernehmenden Sprache angepasstes Wort.

(Fenster – fenestra);

  1. Morphementlehnung:

- Schementlehnung (Handy, Hit);

- Internationalismen;

  1. Lehnbildung besteht in der Nachbildung des fremden Inhalts mit heimischen Mitteln. Man unterscheidet hier folgende Unterarten:

a) Lehnübersetzung – Nachbildung der morphematischen Struktur von Fremdwörtern oder fremden Wortgruppen: Wandzeitung (russ. стенгазета), Held der Arbeit (russ. Герой труда).

b) Lehnübertragung ist eine freie Wiedergabe der Morphemstruktur der entlehnten Wörter: patria – Vaterland, отличник – Bestarbeiter.

  1. Lehnbedeutung setzt voraus, dass für ein heimisches Wort die Bedeutung eines Fremdwortes übernommen wird: In der Bedeutungsstruktur des Wortes Norm ist neben der früheren „Regel“, „Richtmaß“ eine dem Russischen nachgebildete Neubedeutung „vorgeschriebene Arbeitsleistung“ (DDR) nach 1945 aufgekommen, in der semantischen Struktur des Wortes Pionier – die Bedeutung „Mitglied einer Pionierorganisation“.

4. Die Halbaffigierung als eine der Wortbildungsarten.

Unter Halbaffixen (Halbpräfixen und Halbsuffixen) werden Kompositionsglieder der Komposita verstanden, die nicht vereinzelt, sondern serienweise gebraucht werden, und somit die Funktion der Wortbildungsmittel erfüllen, ohne dabei ihre lautliche wie auch semantische Verbindungen mit den ihnen entsprechenden Lexemen zu verlieren. Die Halbaffixe werden auch „Affixoide“, „relative Affixe“ genannt. Einige Halbaffixe stehen den Komponenten der Zusammensetzung, die anderen den Affixen näher. Zu den Kriterien, nach denen die Halbaffixe ausgesondert werden, gehören:

1) der Seriencharakter der Lexeme, die sie erhalten;

2) ihre formelle Identität und etymologische Verwandschaft mit frei gebrauchten Wörtern;

3) semantische Verschiebung, denen sie als Wortbildungselemente unterliegen, ohne daß die semantische Verwandschaft mit freien Wurzelmorphemen vollständig verlorengeht.

Zu den Halbaffixen werden gezählt:

1) Halbsuffixe:

a) Halbsuffixe der Substantive: -mann (-leute, - männer), -frau, -bild, -person, -hans, -liese, - peter, -meier, - fritze, -stück, -werk, -zeug, -mut, -sinn, -lust, -sucht, -gier, -kunde, - wesen. Zum Beispiel: Buschwerk, Pelzwerk, Uhrwerk, Mundwerk, Zuckerwerk; Klatschliese, Gaffliese, Bummelliese; Gaffhans, Prahlhans; Bummelfritze; Fachmann, Landsmann, Staatsmann.

b) Halbsuffixe der Adverbien: -weise, -maßen, -dings, -willen, -seits, -weg. Zum Beispiel: haufenweise, schrittweise, probeweise, zeitweise, fallweise.

2) Halbpräfixe:

a) Halbpräfixe der Substantive und Adjektive: riese(n)-, mord(s)-, blitz-, grund-, stock-, hoch- (höchst-), über-, all-, ab-, vor-, neben-. Zum Beispiel: Grundwort, Grundstück, Grundfarbe, Grundfehler, Grundgehalt, Grundfläche, grundfalsch, grundgelehrt, grundhäßlich.

b) Halbpräfixe der Verben: ab-, an-, auf-, aus-, bei-, ein-, mit-, nach-, vor-, zu-, hinter-, über-, unter-, wider-. Zum Beispiel: widerfahren, widerhallen, widerklingen, widerlegen,widerrufen, widerraten, widersprechen.

Unter den Komponenten mit hoher Frequenz werden erste und zweite Komponenten der determinativen Komposita verstanden, die in großen Serien von Lexemen erscheinen, sich dabei von den Halbaffixen dadurch unterscheiden, daß sie keine oder eine nur geringe Bedeutungsverschiebung (изменение значения) aufweisen.

Zu den „frequenten Komponenten“ werden gezählt, zum Beispiel: -stelle, nicht-; frequente Komponenten bei den determinativen Verben:-halten, -heben, -stehen, -wollen, -legen, -bleiben. Zum Beispiel: Arbeitsstelle, Landungsstelle, Meldestelle, Annahmesstelle; Nichtfachmann, Nichtraucher, nichtrostend, nichtlinear; stehenbleiben, sitzenbleiben.