- •Vorlesung V, VI
- •1. Die zeitlichen Grenzen der mittelhochdeutschen Periode.
- •2. Gesellschaftliche Verhältnisse.
- •3. Erweiterung des deutschen Sprachraums durch die feudale Ostexpansion.
- •4. Die mittelhochdeutschen Territorialdialekte und ihre Entwicklungstendenzen.
- •Gliederung der mittelhochdeutschen Territorialdialekte.
- •Zwei Tendenzen in der Entwicklung der Territorialdialekte
- •Die Integration der Dialekte und der sprachliche Ausgleich in den Städten
- •6. Die Existenzformen der Sprache in der mittelhochdeutschen Zeit
- •5. Die Literatur des Mittelhochdeutschen.
4. Die mittelhochdeutschen Territorialdialekte und ihre Entwicklungstendenzen.
Die Entstehung von Kolonialdialekten
In den besetzten und kolonisierten östlichen Gebieten entwickelten sich neue Dialekte der deutschen Sprache. Diese neuen Dialekte unterscheiden sich von den altererbten deutschen Dialekten nicht nur durch ihren Ursprung, sondern auch durch ihre Beschaffenheit (структура, свойство) und werden deshalb als Kolonial- oder Siedlungsdialekte bezeichnet. Ihre Eigenart ist dadurch bedingt, dass die eroberten östliche Gebiete aus verschiedenen Gegenden des deutschsprachigen Stammlandes besiedelt wurden, was zur Integration der Dialekte (d.h. Mischung und Verschmelzung der Dialekte) führte.
Der Norden und Nordosten des besetzten Territoriums wurden vorwiegend aus dem Nordwesten, aus dem niederländischen Sprachraum besiedelt. Hier entwickelten sich entsprechend neue niederdeutsche Dialekte und zwar: ostniederdeutsche Dialekte: Mecklenburgisch, Brandenburgisch, Pommersch. Dem Niedersächsischen am nächsten steht das Mecklenburgisch. Dagegen weisen die anderen ostniederdeutschen Dialekte einen gemischten Charakter auf. So beteiligten sich an der Besiedlung der Markgrafschaft Brandenburg nicht nur Sachsen, sondern auch Niederländer (d.h. Träger der niederfränkischen Mundart) und Franken aus dem mitteldeutschen Westen. Deshalb verbinden sich im Brandenburgischen Charakterzüge verschiedener Dialekte, darunter auch hochdeutscher (mitteldeutscher). Auch das Pommersche und Preußische weisen trotz niederdeutscher Grundlage einige hochdeutsche Charakterzüge auf.
Das Pommersche, das Preußische und das Schlesische, die sich im behandelten Zeitalter östlich der Linie Oder – Neiße auf polnischem und baltischem Territorium entwickelt hatten, haben in der neuen Zeit ihre Selbständigkeit verloren, nachdem diese Territorien entsprechend den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz an ihre eigentlichen Besitzer zurückgegeben wurden.
Im Osten des neugewonnenen slawischen Territoriums (die Marken Meißen, Lausitz und Schlesien) entwickelten sich die ostmitteldeutschen Dialekte, denen sich auch das benachbarte Thüringen anschloss. Die Kernlandschaft des Ostmitteldeutschen war die Mark Meißen (späteres Obersachsen). Es wäre ein Irrtum, die ostmitteldeutschen Dialekte lediglich als Fortsetzung des Westmitteldeutschen zu betrachten. Die Besiedlung des ostmitteldeutschen Sprachraums erfolgte aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Obwohl die Grundlage des Ostmitteldeutschen die mitteldeutschen Dialekte bildeten, vereinigt es in sich auch mehrere niederdeutsche und oberdeutsche Charakterzüge. So vereinigten sich im meißnischen Dialekt die wichtigsten lautlichen Neuerungen, die sich um diese Zeit in verschiedenen deutschen Dialekten entwickelten.
Gliederung der mittelhochdeutschen Territorialdialekte.
Für das 13. –14. Jh. ergibt sich folgende Gliederung der deutschen Dialekte:
Niederdeutsche Dialekte
Niederfränkisch
Niedersächsisch
Ostniederdeutsch: Mecklenburgisch, Brandenburgisch (Märkisch), Pommersch, Preußisch
Mitteldeutsche Dialekte
Rheinfränkisch
Mittelfränkisch, Moselfränkisch, Ripuarisch
Hessisch
Ostmitteldeutsch: Meißnisch oder Obersächsisch, Thüringisch, Schlesisch
Oberdeutsche Dialekte
Schwäbisch-Alemannisch
Bairisch-Österreichisch
Südfränkisch
Ostfränkisch
