- •Vorlesung 1 Grammatik und ihr Gegenstand. Morphologie und Syntax. Wechselbeziehungen zwischen Grammatik, Lexik, Phonetik und Stilistik
- •2. Morphologie und Syntax
- •3. Wechselbeziehungen zwischen Grammatik, Lexik, Phonetik und Stilistik
- •Vorlesung 2 Die grammatische Bedeutung, grammatische Form und grammatische Kategorie
- •Vorlesung 3 Die grammatischen Formen des Wortes. Der morphologische Formenbestand des Wortes
- •1. Die grammatischen Formen des Wortes
- •2. Der morphologische Formenbestand des Wortes
- •Vorlesung 4 Die Wortarten (Redeteile)
- •1. Die Wortarten
- •2. Die Begriffswörter
- •3. Die Hilfswörter
- •4. Konversion
2. Der morphologische Formenbestand des Wortes
Das Wort stellt vom Standpunkt seines morphologischen Baus keine unteilbare Einheit dar. Es läßt sich in Morpheme gliedern.
Das Morphem ist der kleinste Bestandteil des Wortes, der eine eigene (grammatische oder semantische) Bedeutung hat.
Zu den Morphemen gehören: die Wurzel, das Suffix, das Präfix, die Endung.
Die Wurzel ist der Hauptträger der semantischen Bedeutung eines Wortes, vgl.: lehr-en, Lehr-er, Lehr-ling, Lehr-e, be-lehr-end.
Das Suffix steht hinter der Wurzel bzw. zwischen Wurzel und Endung und dient zur Bildung: l) von Wörtern (wortbildende Suffixe): Freund - Freundschaft, Freund-in, freundlich; 2) verschiedener grammatischer Formen (formenbildende Suffixe): schön - schöner - (am) schönsten; lachen - lachend - gelacht; das Jahr - die Jahre; die Schwester - die Schwestern.
Das Präfix steht vor der Wurzel und dient hauptsächlich zur Bildung von Wörtern: schreiben - beschreiben, umschreiben; der Berg - das Gebirge; der Wald - der Urwald; deutlich - undeutlich. Nur das Präfix ge- kann als formenbildendes Morphem auftreten; es dient, wie gesagt, zur Bildung des Partizips II: leben - gelebt, schreiben - geschrieben.
Die Endung dient zur Veränderung der Wortform je nach der syntaktischen Funktion des Wortes im Satz. Sie ist somit nur für deklinierbare und konjugierbare Wortarten kennzeichnend (Substantive, Verben, Adjektive, Zahlwörter, Pronomen): der Tag - des Tages; ich schreibe - du schreibst; wir kämen; ein großer Garten; der zweite Preis; dieses Buch.
Die Endung wird an den Stamm des Wortes angehängt. Die Wurzel bildet mit den Suffixen und Präfixen den Stamm des Wortes: freundlich (freund-lich}, Arbeiterin (Arbeit-er--in), unklar (un+klar), bearbeiten (be-arbeit-en), bearbeitet (be-arbeit-et). Oft fallen Wurzel und Stamm zusammen: des Fisch-es, dem Mensch-en, ich sag-e.
Vorlesung 4 Die Wortarten (Redeteile)
1. Die Wortarten
Die Wörter einer Sprache stehen nicht einzeln, abgesondert da, sondern lassen sich zu bestimmten Gruppen zusammenfassen. Dabei ist nicht der konkrete semantische Inhalt eines Wortes entscheidend, sondern dessen abstrakte grammatische Bedeutung. Solche Wortgruppen nennt man Wortarten (Redeteile).
Eine Wortart faßt Wörter zusammen, die durch bestimmte gemeinsame Merkmale gekennzeichnet sind. Diese Merkmale sind:
l) die gemeinsame grammatische Bedeutung;
2) die gleichen grammatischen Kategorien;
3) die gleichen syntaktischen Funktionen;
4) die Art der Wortbildung (Ableitungsmöglichkeiten mit Hilfe von den bestimmten Suffixen).
Die gemeinsame grammatische Bedeutung der Substantive äußert sich zum Beispiel darin, daß jedes Substantiv, selbst eines mit völlig abstrakter Bedeutung, im Satz in dieselben grammatischen Beziehungen zu anderen Wörtern tritt wie die Benennung eines "richtigen" Dinges, eines konkreten Gegenstandes.
Die gemeinsame grammatische Bedeutung aller Wörter einer Wortart ist auch damit verbunden, daß ihnen allen gleiche grammatische Kategorien eigen sind. So ist das Substantiv durch die grammatischen Kategorien des Geschlechts, des Kasus und der Zahl gekennzeichnet, das Verb durch die grammatischen Kategorien der Zeit, der Person, der Zahl, des Modus usw.
Die Wörter ein und derselben Wortart erfüllen im Satz die gleichen syntaktischen Funktionen: für die Verben die Funktion des Prädikats, für die Adjektive die des Attributs oder des Prädikativs, für die Adverbien vor allem die der Adverbialbestimmung usw.
Jede Wortart ist durch bestimmte Arten der Wortbildung sowie durch ein bestimmtes System der wortbildenden Mittel gekennzeichnet. Für die Substantive sind zum Beispiel die Zusammensetzung und die Ableitung von besonderer Wichtigkeit, für die Verben, Adjektive und Adverbien die Ableitung usw. (Dabei hat bei den Substantiven, Adjektiven und Adverbien die Ableitung durch Suffixe größere Verbreitung gefunden (zur Bildung von Substantiven dienen z. B. die Suffixe -heit, -ling, -schaft, -turn, -ung u. a., zur Bildung von Adjektiven und Adverbien die Suffixe -bar, -haft, -ig, -lich, -sam u. a.). Bei den Verben überwiegt dagegen die Ableitung durch Präfixe (zur Bildung von Verben dienen die Präfixe an-, bе-, -ent-, er-, ge-, mit-, zu- u. a.).
In der deutschen Sprache unterscheidet man folgende Wortarten:
l) das Substantiv (Hauptwort, Dingwort); 2) das Adjektiv (Eigenschafts-wort); 3) das Numerale (Zahlwort); 4) das Pronomen (Fürwort); 5) das Verb (Zeitwort, Tätigkeitswort); 6) das Adverb (Umstandswort); 7) das Modalwort; 8) die Präposition (Verhältniswort, Vorwort); 9) die Konjunktion (Bindewort); 10) die Partikel; 11) die Interjektion (Empfindungswort); 12) den Artikel (Geschlechtswort).
Unter den Wortarten unterscheidet man solche, die im Satz selbständig als Satzglieder auftreten (Substantiv, Adjektiv, Numerale, Pronomen, Verb), und solche, die im Satz die Funktion von Hilfswörtern haben (Präposition, Konjunktion, Partikel). Dementsprechend kann man alle Wortarten in zwei Gruppen einteilen: in Begriffswörter und in Hilfswörter.
Der Artikel kann nur bedingt als Wortart bezeichnet werden, denn er hat keinen semantischen Inhalt und stellt keine Wortklasse (d. h. keine Gesamtheit von Wörtern) dar. Anderseits aber steht der Artikel seiner morphologischen und semantisch-syntaktischen Funktion nach den Hilfswörtern nahe.
Eine Sonderstellung unter den Wortarten nimmt die Interjektion ein.
