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Ein einmaliges stück
»Dieser Rubin ist wunderbar. Er ist einmalig. Er ist mein wertvollstes Stück«, sagte der Juwelier Bender leise.
»Oh«, antwortete die junge Frau. Sie war sehr elegant angezogen.
»Gefällt dir der Anhänger, Liebling?«, fragte der Mann an ihrer Seite und sah sie an.
»Gefallen?«, fragte sie voll Erstaunen. »Gefallen? Dieser Rubin ist wirklich wunderbar. So etwas habe ich noch nie gesehen...«
»Was kostet der Anhänger?«, fragte der Kunde.
Hermann Bender war ziemlich aufgeregt. Er war es nicht gewohnt, dass jemand so schnell zur Sache kam. Gewöhnlich kamen ein- bis zweimal im Jahr Kunden, die sich für diesen Stein interessierten. Und er führte jedes Mal lange Gespräche. Oft dauerten sie mehrere Tage und Wochen. Aber bisher war es ihm nicht gelungen, ihn zu verkaufen. Der Preis war einfach zu hoch.
»Das Stück ist natürlich nicht gerade billig«, sagte Hermann Bender jetzt vorsichtig.
»Das ist klar«, sagte der Mann kurz. »Wie viel?«
Juwelier Bender holte tief Luft. »50 000«, sagte er dann kurz entschlossen. Einen Augenblick lang sagte niemand im Raum etwas. Dann öffnete die junge Frau wie protestierend den Mund und sah den Mann erschreckt an. Aber der ließ sie erst gar nicht protestieren.
»Nehmen Sie einen Scheck?«, fragte er kurz.
Hermann Bender sagte einen Augenblick lang nichts. Er war völlig überrascht. Auch die beiden Verkäuferinnen, die hinten im Geschäft standen, konnten kaum glauben, was sie soeben gehört hatten.
»Nun?«, fragte der Kunde etwas ärgerlich. »Sie werden nicht erwarten, dass ich die 50 000 in der Brieftasche habe.«
Der Juwelier sah ihn an. »Selbstverständlich nicht«, sagte er freundlich. »Aber Sie werden es sicher verstehen, dass wir uns absichern müssen. Wir erledigen alles so schnell wie möglich. Bitte, nehmen Sie doch so lange Platz.«
Juwelier Bender bat das Paar in einen Nebenraum. Der Käufer zog einen Scheck aus seiner Brieftasche, füllte ihn aus und gab ihn dem Juwelier.
Hermann Bender warf nur einen kurzen Blick auf den Scheck und gab ihn sofort an seine Verkäuferin weiter. Mit »Karl Schürmann« hatte der Kunde den Scheck unterschrieben.
Zehn Minuten später wusste Juwelier Bender, dass der Scheck in Ordnung war. Und nach weiteren fünf Minuten hatten Karl Schürmann und seine junge Frau den Laden mit dem Rubin verlassen.
Hermann Bender setzte sich zufrieden hin. Er atmete tief durch. Dann fing er an, leise vor sich hin zu lachen. So ein Geschäft machte selbst er nicht alle Tage. Der Rubin war wertvoll, zweifellos. Und eine wunderschöne Arbeit. Aber dennoch war dieser herrliche Rubin nicht ganz in Ordnung. Ein ganz kleiner Fehler machte ihn sehr viel weniger wertvoll. Aber diesen Fehler konnte nur ein Fachmann bemerken. Dieser hatte ihn damals darauf aufmerksam gemacht, als er ihn bat, den Stein zu untersuchen.
Daher gab es eigentlich überhaupt keinen Grund für ihn, dass er dem richtigen Verkaufspreis noch einmal 20 000 Euro hinzugefügt hatte. Wenn er nur 30 000 Euro genommen hätte, wäre dies auch noch ein guter Preis gewesen. Aber es hatte ja sicher keinen Armen getroffen.
Einige Wochen später öffnete sich die Tür des Juweliergeschäfts, und herein trat mit entschlossenem Gesicht Karl Schürmann. Hermann Bender erkannte ihn sofort wieder. Er wurde sehr nervös.
»Guten Tag, Herr Schürmann!«, sagte er lächelnd. »Ich freue mich, Sie hier wieder begrüßen zu dürfen. Was kann ich für Sie tun?«
Der junge Mann griff mit kaltem Blick in seine Tasche. Einen kurzen Augenblick lang bekam Hermann Bender Angst.
Karl Schürmann suchte eine Karte heraus und gab sie dem Juwelier. »Dies«, sagte er, »ist ab nächster Woche unsere neue Adresse. Es geht um Folgendes. Meine Frau ist mit ihrem Rubinanhänger nicht nur nach wie vor sehr zufrieden, sondern sie redet auch von morgens bis abends nur noch von diesem Rubin. Es wird schwer, wenn nicht unmöglich für mich sein, jemals ein noch schöneres Geschenk für sie zu finden. Deshalb möchte ich ihr bei der nächsten Gelegenheit wenigstens ein gleichwertiges Geschenk machen. Ich habe mir vorgestellt, dass sich meine Frau sicher sehr freuen würde, wenn ich ihr demnächst zum Geburtstag noch so einen Rubin schenken würde. Dann aber mal in ein Armband eingearbeitet.«
»Sie meinen, es sollte möglichst ein Rubin von gleicher Größe und gleichem Wert sein?«
»Ja«, antwortete Schürmann lächelnd.
»Das ist praktisch unmöglich«, entschied Hermann Bender schwer atmend. »Ich glaube kaum, dass es einen Stein von gleicher Qualität noch ein zweites Mal gibt.«
»Schade«, antwortete Karl Schürmann traurig. »Es war nur so eine Idee von mir. Auf das Geld käme es mir dabei nicht an. Überlegen Sie sich den Auftrag. Haben Sie noch Informationen über Rubinanhänger da?«
»Doch, doch, mein Herr, wir haben alles da.« Hermann Bender wusste gar nicht, was er sagen sollte.
»Gut. Dann rufen Sie mich bitte an, wenn Sie einen passenden Rubin gefunden haben.«
»Helen und Karl Schürmann« stand auf der Karte. Und darunter war die Adresse eines der teuersten Hotels angegeben.
Zunächst ließ der Juwelier in den USA nach einem passenden Rubin suchen. Sechs Wochen später versuchte er es in Kanada, Mittelamerika, Südamerika und Europa. Er ließ bekannte und weniger bekannte Versteigerungen beobachten, schrieb allen wichtigen Werkstätten und stand mit Hunderten von Juwelieren in Verbindung. Er hatte schon Monate vergeblich nach einem zweiten Rubin gesucht, als ein Mann aus Fernost bekannt gab, er habe in Rangun einen Rubin gefunden, der wahrscheinlich die gewünschten Qualitäten habe. Leider sei der Besitzer noch nicht bereit zu verkaufen.
»Zahlen Sie so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig«, sagte Schürmann, als Bender ihn anrief.
Wenige Tage später saß Hermann Bender dem Besitzer des Rubins gegenüber, einem dicken und steinreichen Geschäftsmann, von dem man nicht einmal genau wusste, wie er überhaupt an so viel Geld gekommen war. Auf ehrlichem Wege auf jeden Fall nicht - so hieß es.
»Sagen Sie mir«, erklärte er, »sagen Sie mir bitte, weshalb ich den Stein verkaufen soll. Ich habe genug Geld. Ich brauche kein Geld. Aber ich brauche diesen kleinen wunderschönen Stein, denn ich liebe diesen Stein.« Er zeigte auf den Rubin.
Hermann Bender sah auf den ersten Blick, dass der Stein wahrscheinlich nur wenig überarbeitet zu werden brauchte, um dem anderen Rubin ähnlich zu sehen.
Der Juwelier brauchte genau eine Woche und danach ein weiteres Telefongespräch mit Karl Schürmann.
»Der Rubin ist wunderbar. Einmalig!«, rief Hermann Bender in den Telefonapparat. »Aber das Ganze ist verrückt. Der Mann will 175000 Euro für den Stein haben. Dazu käme noch das Geld, das es mich gekostet hat, diesen Stein zu besorgen.«
Einen kurzen Augenblick schien sich Schürmann alles noch einmal zu überlegen. Dann wurde seine Stimme wieder fest. »Geht in Ordnung«, sagte er kurz. »Kaufen Sie.«
Hermann Bender ging zur Bank, packte das viele Geld in einen Koffer und brachte es dem Geschäftsmann. Denn der hatte es so verlangt. Er wollte keine Schecks. Wieder zu Hause, sah sich der Juwelier sofort den Rubin an. Er war wunderschön. Es war wohl das wertvollste Stück, das er jemals gesehen hatte. Aber er sah fast genauso aus wie der Stein, den die Schürmanns schon besaßen. Eduard Klinger, der Fachmann für diese Art Steine, kam zu ihm in den Laden und wollte sich den Rubin ganz genau ansehen.
»Na«, rief er laut, als der Juwelier ihm den Stein zeigte. »Ich denke, es war dir gelungen, diesen Stein zu verkaufen?«
»Du irrst dich!«, antwortete Hermann Bender. »Der, den du meinst, ist ja schon lange verkauft. Dies ist der andere. Der neue. Aber der ist auch schon verkauft!«
Der Experte untersuchte den Rubin. »Genaues kann ich erst nach ein paar Tagen sagen. Ich nehme den Stein mit und untersuche ihn noch einmal ganz genau. Aber der Rubin damals hatte an einer ganz bestimmten Stelle einen kleinen Fehler. Es scheint, dass dieser Stein an der gleichen Stelle auch einen kleinen Fehler hat - und wenn das stimmt, dann ist es mit Sicherheit derselbe Rubin!«
Hermann Bender wurde ganz blass. Er war jetzt sehr aufgeregt, lief schnell ans Telefon und wählte die Nummer des Hotels der Schürmanns.
»Es tut mir leid«, sagte eine Frauenstimme am Telefon, »aber Herr und Frau Schürmann sind vor zwei Tagen abgereist. Sie haben uns keine Adresse hinterlassen.«
