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  1. Metonymie:

Die antike Rhetorik hat eine Reihe von Umschreibungen, genauer gesagt: von Wortersetzungen, unter dem Begriff der Metonymie (= Namensvertauschung), zusammengefasst. Solche Wortersetzungen sind auch heute noch üblich, und zwar Nennungen

1. des Autors für das Werk (z.B. Ich lese Schiller, statt: ich lese Schillers Werke);

2. der Wirkung für die Ursache (z.B. Er fügte ihm die Schmerzen zu);

3. des Materials für den Gegenstand (z.B. Er stieß ihm das Eisen = Dolch ins Herz);

4. der Person für die Sache (z.B. Feldherr für die Truppe: Cäsar zog an den Rhein; Besitzer für Besitz: Der Nachbar ist abgebrannt);

5. des Kollektivabstraktums für die einzelnen (z.B. Jugend = junge Leute; das ganze Dorf feierte mit = alle);

6. des Rahmens für den Inhalt (z.B. ein Glas [= Bier] trinken; England [= die Engländer] fürchtet; das 18. Jahrh. [= die Menschen im 18. Jahrh.] glaubte; der Himmel [= Gott] stehe ihm bei, er hat Köpfchen [= Verstand]; Traube [= Wein]; der Kreml [= die sowjetische Regierung]);

7. die Gottheit für ihren Bereich (z.B. Er hatte sich dem Bacchus ergeben = dem Wein);

Sonderformen der Metonymie

Synekdoche: Eine Abart der Umschreibung wie der Metonymie wird als Synekdoche bezeichnet. Dabei wird entweder ein weiterer Begriff durch einen engeren bezeichnet, z.B.

  • das Ganze durch einen Teil (pars pro toto, z.B. Ich rühre keinen Finger dafür = leiste keine Arbeit dafür);

  • das Ganze durch eine beliebige Zahl (z.B. einige Tausend Köpfe);

  • die Mehrzahl durch die Einzahl (z.B. das Korn steht eingesackt; edel sei der Mensch);

  • die Art für die Gattung oder ein Einzelnes für die Art (z.B. kein Hund = Lebewesen kann davon leben);

oder es wird ein engerer Begriff durch einen weiteren bezeichnet, z.B.

  • die Gattung für die Art: alle Sterblichen = alle Menschen;

  • das Ganze für einen Teil,

Antonomasie

Die Antonomasie ist eine Sonderform der Metonymie. Statt des einen Substantivbegriffs (immer Eigenname oder Personalpronomen) wird ein anderes Substantiv gesetzt: Jumbo (der Elefant), Donaumetropole (Wien), Kreml (russische Regierung), der alte Fritz (Friedrich der Große), der eiserne Kanzler (Otto Bismarck); die eiserne Lady (Margaret Thatscher), Schokoladenkönig (P.Poroschenko).

Bahuvrihi

Zu den Bahuvrihi gehören Substantive, die den Menschen anders nennen auf Grund der Kürperteile. Sie haben immer negative Konnotationen, sie bezeichnen Personen mit negativen Eigenschaften: Drehkopf, Betonkopf, Lügenmaul, Nörgelsack, Fresssack, Poltergeist, Plagegeist.

II. Mittel der Umschreibungen

Eine weitere Gruppe der mittelbaren Bildlichkeit bilden die Umschreibungen, in denen eine Information, eine Benennung nicht durch die passenden und ihr unmittelbar zugeordneten Wörter, sondern durch sinngleiche oder sinnähnliche (zuweilen auch nur sinnandeutende) Kennzeichnungen erfolgt. Es gibt verschiedene Arten von Umschreibungen, sie können in allen Stilformen verwendet werden, die nicht auf möglichst große Genauigkeit angewiesen sind (nicht also bei Bestellungen, Gesetztexten o.a.). Umschreibungen dienen vor allem der Ausdrucksvariation, aber auch der Informationsergänzung, indem sie bestimmte Eigenschaften oder Aspekte des Gemeinten ernsthaft oder ironisch hervorheben. So können z.B. Personen durch ihr Amt, ihre Eigenschaften, Funktionen, Herkunft, ihr Aussehen o.a. umschrieben werden (z.B. der nimmermüde Vorsitzende, der gebürtige Berliner, der Kleine).

Stilistische Periphrase

Zu den Mitteln der Umschreibung gehört vor allem die stilistische Periphrase. Darunter versteht man die sekundäre Nominierung eines Denotats entweder durch Hervorhebung charakteristischer Merkmale, Eigenschaften, Tätigkeiten, Wirkungen (Rom – die Stadt der sieben Hügel) oder durch Verbildlichung in uneigentlicher Rede (die Ostsee – das Meer des Friedens), d.h. die Umschreibung der üblichen Bezeichnung einer Sache, Person, eines Vorgangs oder einer Erscheinung durch ein anderes Wort oder eine Wendung, die wesentliche oder charakteristische Eigenschaften des betreffenden Gegenstandes ausdrücken: auf Schusters Rappen – zu Fuß.

Die Umschreibung eines Gegenstandes oder einer Erscheinung erfolgt entweder auf Grund direkter Wortbedeutung (sog. logische Periphrase) oder auf Grund übertragener Wortbedeutung (metaphorische und metonymische Periphrase).

Zahlreiche logische Periphrasen sind auf der Hervorhebung objektiver Merkmale begründet: Die Apenninenhalbinsel – Italien (wissenschaftlich-nüchtern) / das Land, wo die Zitronen blühn – Italien (poetisch-emotional); Stadt an der Elbe/Elbmetropole/Elb-Athen/Elb-Florenz – Dresden; die Stadt der Lieder – Wien; das Land der Pyramiden – Ägypten. Umfangreich ist die Gruppe logischer Periphrasen zur Umschreibung von Eigennamen: der Dichter der Ilias – Homer, der Dichter des Faust – Goethe, die häßliche Herzogin – Margarete Maultasch u. ä.

Metaphorische und metonymische Periphrasen entstehen auf Grundlage einer Merkmalshervorhebung, in der eine Metapher oder eine Metonymie eingeschlossen ist. In der bildlichen Periphrase wird das Wort, um dessen Umschreibung es sich handelt, nicht genannt. Und doch versteht man aus den lexischen Elementen der Periphrase, welchen Begriff sie in sich einschließt: Langfinger – Dieb.

Der Verbreitung nach können Periphrasen gemeinsprachlich und individuell sein. Wendungen wie Lenz des Lebens – Jugend, König der Lüfte – Adler, Beherrscher des Olymps/Olympier – Goethe sind gemeinsprachliche metaphorische Periphrasen. In all diesen Beispielen bestimmen die lexikalischen Elemente der Periphrase einen Begriff, der in der Umschreibung selbst nicht genannt ist.

Der pragmatischen und stilistischen Leistung nach unterscheidet man:

  1. Euphemismus (vom griech.: gut sprechen) – eine Periphrase, die den Zweck hat, etwas Unangenehmes angenehmer darzustellen, etwas Unhöfliches höflicher, etwas Schreckliches harmloser auszudrücken: Eier – Fliegerbomben, Eierlegen – Bombenabwurf, rollende Konservenbüchsen – allerlei Arten von schweren Panzern, der Schwarze – der Teufel. Der Euphemismus tritt häufig in Presse und Publizistik, im Diplomatenverkehr und in anderen Formen offizieller Rede auf: Arbeitswillige – Arbeitslose, Umschulungslager – KZ (in der Nazilügeterminologie). Die euphemistische Umschreibung wird in der Publizistik hauptsächlich zum Aufdecken des wahren Sachverhalts gebraucht, zur Entlarvung von Lüge. In der Dichtung wird der Euphemismus verwendet, um manche Härte des Inhalts und der Form zu verhüllen; oft wird aber durch seine Verwendung satirische Wirkung hervorgerufen und vertieft: vollschlank – dick; spinnen – dichten, lügen; mitnehmen – stehlen. Die Euphemismen sind Mittel zur Umgehung von Tabus. Unter Tabu versteht man gefährlich vermeidende Ausdrücke. Es gibt drei klassische Tabusphären: körperlicher Bereich – Krankheit – Tod.

2. Die Litotes (griech.: Schlichtheit) – eine Periphrase auf Grund von Verneinung verstärkt positiver Aussageabsicht (Ivleva): Das ist nicht übel – Das ist sehr gut, Diese Idee ist nicht so dumm! Sie ist gar nicht dumm! E. Riesel spricht aber auch über negative Aussageabsicht: Ich möchte nicht sagen, dass deine Leistungen auf der Höhe sind. Durch die Verneinung wird der Eindruck der Unzulässigkeit, der schlechten Arbeit stärker unterstrichen.

3. Die Hyperbel (griech.: Übertreibung) – die Darstellung des Sachverhalts in übertriebener Form: todmüde anstatt müde, es regnet in Strömen anstatt es regnet stark, eine Ewigkeit warten anstatt lange warten. Sehr häufig treten Übertreibungen in den sog. Zahlenhyperbeln auf: ich habe dir das schon tausendmal gesagt, bitte tausendmal um Entschuldigung, er kommt vom Hundersten ins Tausendste, der Tausendfuß / der Tausendfüßler – сороконіжка.

Die Volksdichtung enthält eine Reihe stehender (traditioneller) Hyperbeln: tausendschönes Mädchen, die marmorweiße Stirn. Besonders viel wird die Hyperbel in der Werbung verwendet. Die Ware wird angekündigt als: feinst, hochfein, extrafein, superfein, prima, extraprima usw.

Gegenstück der Übertreibung ist die sog. Untertreibung – Meiose, die den Sachverhalt unterspielt: Er hat nur zwei Worte zum Thema gesagt; Er wohnt einen Katzensprung von uns entfernt; Ich lade dich zu einem Butterbrot ein; Trinken wir einen Tropfen Wein!

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