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  1. Epitheton

Epitheton ist jede Merkmalbestimmung eines Substantivs, durch die der betreffende Begriff konkretisiert oder emotional eingeschätzt wird. Im Stil der schönen Literatur dienen die Epitheta der Personencharakterisierung (Äußeres, Kleidung, Umgebung, Natur). So will der Verfasser die Zeit in ihren äußeren Formen, in feinsten Details nahe bringen. Es werden auch innere Merkmale hervorgehoben, das Soziale wird unterstrichen. Thomas Mann und Lion Feuchtwanger gelten als Freunde von Epitheta, während Voltaire – als Feind (statt alter Mann wird Greis gebraucht, statt geiziger Mensch - Geizkragen).

Epitheta können nach dem Inhalt unterschieden werden.

Konkretisierende (logisch-sachliche) Epitheta geben die sinnlich wahrnehmbaren Merkmale an (die Vorstellung von Farbe, Form, Klang, Geruch und anderen Sinnesempfindungen): Er schenkte ihr eine herrlich duftende gelbe Teerose; Auf dem Tisch stand eine hohe grüne Vase; Transistor mit Kurzwellen, bequem für Ausflüge, wird verkauft (Inserat). Im wissenschaftlichen und offiziellen Stil tragen Epitheta zur Verdeutlichung und näheren Erklärung des Gesagten bei: eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung, die obengenannten Beispiele, die anliegenden Dokumente.

Bewertende (emotionale) Epitheta offenbaren die persönliche Einstellung des Sprechenden zum Gegenstand der Darstellung. Im Stil der Wissenschaft kommen derartige Beiwörter selten vor. Sehr häufig werden die bewertenden Epitheta in der Publizistik verwendet: Man weiß, wie mit dem Aufkommen der großen Industrie eine ganz neue, grenzenlos unverschämte Exploitation der Arbeiterklasse durch die Fabrikbesitzer aufkam. Der Stil der Alltagsrede ist in der Regel von bewertenden Epitheta stark durchsetzt: ein entzückender Mensch, ein schrecklich interessanter Roman, mächtiges Glück. Besonders wichtig sind Epitheta in der schönen Literatur, weil sie die persönliche Einstellung des Sprechenden anzeigen. Sie offenbaren Sympathie und Antipathie zum Gegenstand der Rede, d. h. bewertende Epitheta können als positiv bewertende: ein bildhübsches Mädchen oder als negativ bewertende: diese schreckliche Stimme Epitheta betrachtet werden.

Die Epitheta treten in verschiedenen Erscheinungsformen mit verschiedenen Ausdruckswerten auf.

Stehende Epitheta bilden mit ihrem übergeordneten Begriff eine formelhafte Verbindung: grünes Gras, kühler Brunnen, tiefes Tal, feines Liebchen, böse (alte) Hexe, buckliges (winzliges) Männlein, stolzer (grausamer) König.

Den Gegensatz zu den stehenden bilden die sog. unerwarteten Epitheta. Das sind solche Beiwörter, die im Sprachgebrauch nicht üblich sind. Meist beruhen sie auf übertragener Bedeutung (metaphorische Epitheta): abstrakte Beine, mathematisches Gesicht, schlafende Schaufenster.

Ein Lieblingsepitheton der Österreicher ist seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts das Adjektiv fesch (Abkürzung des englischen Adjektivs fashionable – elegant, schick, flott): fesche Gestalt, fesche Kleidung. Im Allgemeinen haben die Lieblingsepitheta keine lange Dauer. Es sei aber ein Adjektiv erwähnt, das sich im Deutschen seit den ältesten Perioden der Sprache als Lieblingsepitheton erhalten hat, und zwar in allen Schichten der Bevölkerung und in den verschiedensten Stilarten. Es ist das Epitheton süß in übertragener Bedeutung: ein süßes Kind, süße Augen, ein süßes Ding.

Tautologische Epitheta sind solche Beiwörter, die von ihrem übergeordneten substantivischen Begriff ein Merkmal hervorheben, das ohnehin schon in ihm selbst enthalten ist: ein weißer Schimmel, ein Riese von ungeheuerer Gestalt, eine Tarnkape, die unsichtbar macht. Tautologische Epitheta können fast in allen Stilarten vorkommen. Im Amtsstil stoßen wir oft auf Fügungen wie: nach erfolgter Überprüfung der Akten …, die stattgefundene Erhebung hat bewiesen … Die Präpositionalgruppe nach der Überprüfung schließt schon die Erklärung ein, dass sie erfolgt; ebenso im nächsten Beispiel: sobald die Erhebung etwas bewiesen hat, ist es klar, dass sie auch stattgefunden hat.

Aufgabe für Seminar: Euphemismen für Krankheiten; Tod; Familie und Ehe; Geld; Wirtschaft; Polititik

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