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5. Grundlagen zur Bestimmung der Silbengrenzen im Deutschen. Phonetische und morphologische Silbengrenzung

Die Problematik der Silbengrenze gehört nach der Meinung von G. Mein­hold und E. Stock in den Bereich der Phonotaktik und ist somit phonologischer Natur. Es geht dabei um die Frage, welche Phoneme bei mehrsilbigen Wörtern dem Silbenauslaut oder dem Silbenanlaut der jeweils folgenden Silbe zuzuzählen sind.

Problematischer ist die Silbenzugehörigkeit einzelner Phoneme zwischen Kernphonemen nach Kurzvokal: kommen, Wette, Kasten, hatte, binde.

Laut der Energietheorie des Sprechens (V. Taranec) beginnt die Silbe mit der steigenden Spannung: hu-sten, er-stens, re-gnen.

Aber :1) in den Wörtern mit kurzem Vokal liegt die Grenze zwischen den Konsonanten, wie in kos-ten, Näch-te,

2) bei phonetischer Selbstständigkeit des Morphems und der Komposita liegt die Grenze zwischen den Morphemen (folg-lich, reis-te) oder zwischen den Komponenten der Komposita (Gottes-dienst).

Kennzeichnend für die deutsche Sprache ist, dass die Grenzen von Stäm­men und Präfixphonemen in der Regel mit den Grenzen der phonetischen Silben zusammenfallen: Aus-gleichs-ver-fahren, An-tritts-re-de be-kommen, ge-lingen, miss-verstehen, mit-fahren, unter-schreiben, miss-lingen, weg­setzen, er-fahren, zer-legen.

Auch die Suffixe können meistenteils durch Silbengrenzen vom Stamm getrennt sein. Also die Silbengrenze kann vor folgenden Suffixen liegen: -bar, -chen, -haft, -heit, -lein, -lieh, -ling, -lings, -los, -nis, -sal, -sam, -schüft, -sei, -tum, -wärts: Les-bar-keit, Frei-heit, mög-lich, spar-sam, Mäd-chen, Lehr-ling, Freund-schaft, rück-wärts, Reich-tum, Schick-sal.

Nur wenn der Stamm oder das erste Suffix an einen Konsonanten aus­lautet und das folgende Suffix an einen Vokal anlautet, fallen Silbengrenze und Morphemgrenze nicht zusammen: Leh-rer, Leh-re-rin.

Bedeutend kompliziert ist das Problem der phonetischen Silbengliederung in einem einfachen Wort.

Die phonetische Silbengrenze im einfachen deutschen Wort liegt:

  • nach dem langen Vokal und/oder einem Diphthong: ha-ben, pie-pen, Kü-ken, Lö-we, reisen, brau-che, wuschen, Bü-cher;

  • zwischen zwei silbischen Vokalen: Natri-um, The-ater, Mau-er;

  • vor Affrikaten: klo-pfen, Ka-tze, kla-tschen;

  • nach dem ersten Vokal der Verbindung V+K+V: Ah-le, Ma-ße.

  • zwischen den stimmlosen p, t, к und dem folgenden stimmhaften Konso­nanten: Welt-genie, ab-wärts;

  • vor dem Konsonanten [h]: ab-hauen;

  • vor den Konsonanten b, d, g, v, z: e-bnen, A-dler, pra-gma-tisch, Pilsner, re-gle, unsre.

Vor m, n, 1 liegt keine Silbengrenze: Sem-per, sen-den, Del-fin.

Es liegt auch keine phonetische Grenze nach folgenden Lauten i, у, и, о, b, d, g, v, z, h: Kalium, fasre, Magma, Redner.

Das Spannungsverhältnis zwischen С und V in der Silbe CV ist im Deu­tschen und im Ukrainischen unterschiedlich. Im Deutschen ist der Vokal in der Silbe am gespanntesten, im Ukrainischen kann auch der Konsonat den maximalen Anspannungswert erhalten. Das zeugt davon, dass diese Sprachen zu verschiedenen phonetischen Typen gehören: Die deutsche Sprache bildet vermutlich den vokalstarken Typ, die ukrainische Sprache den konsonanten­starken Typ.

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