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5. Funktionen des deutschen Wortakzentes

Die wichtigsten sprachlichen Funktionen der deutschen Wortbetonung sind:

  1. kulminative (gipfelbildende, organisierende);

  2. demarkative (abgrenzende);

  3. distinktive (differenzierende, semantische).

Die kulminative Funktion der Wortbetonung kommt zum Ausdruck da­durch, dass meistens nur eine Silbe die Hauptbetonung hat. Und um diese betonte Silbe herum sind die unbetonten organisiert. Es bedeutet, dass die nebenbetonten und unbetonten Silben ihr unterordnet sind.

Die beschriebene Eigenschaft ist mit der demarkativen Funktion ver­bunden. Sie äußert sich darin, dass die akzentuierte Silbe meistens am An­fang des Wortes steht und deshalb eine Grenze darstellt. Die akzenttragende Silbe kann auch am Ende des Wortes stehen, was vom Grenzsignal des Wort­auslautes zeugt.

Im Russischen und Ukrainischen ist die demarkative Funktion des Wort­akzents geringer ausgeprägt, weil die Betonung hier frei ist.

Die freie Betonung in beiden Sprachen ist dafür ein wichtiges distink­tives (bedeutungsunterscheidendes) Sprachmittel. Durch den Wortakzent unterscheidet man hier nicht nur Wortpaare, sondern auch grammatische Formen, z. B. (rass.): замок — замок, мука — мука, плачу - плачу, мою -мою, руки —руки; (ukr.): сестри — сестри, радій —радій, насипати -насипати, кури - кури, дорога - дорога, плакати - плакати.

Die deutschen Wörter können sich auch allein durch den Akzent un­terscheiden, z. B. Au'gust (Monatsname) - 'August (Personenname). Das ist mit der bedeutungsunterscheidenden (distinktiven, semantischen) Funk­tion des Wortakzents verbunden. Diese Funktion ist begrenzt, weil die Beto­nung in der deutschen Sprache unbeweglich ist.

Aber in den abgeleiteten und zusammengesetzten Wörtern spielt die Stelle des Wortakzents eine gewisse Rolle, weil sie die Bedeutung des Wortes bestimmt, z. B. über'setzen - 'übersetzen, wieder'holen - 'wiederholen, 'August - August, 'Passiv - pas'siv, 'Genus - Ge'nuss, 'alle - Al'lee, 'Kaffee — Ca'fe.

LEKTION №11.

SUPRASEGMENTALE PHONETIK DES DEUTSCHEN

Modifikation der Laute im Redefluss

Schwerpunkte für die Diskussion:

1. Ursache der Modifikation

  1. Reduktion, ihre Arten und Stufen

  2. Assimilation, ihre Arten und Richtungen

  3. Akkomodation, Dissimilation, Gemination

  4. Auslautgesetz

  5. Elision

1. Ursache der Modifikation

Bei einer genauen Analyse des Redeflusses kann man feststellen, dass die Phoneme meistens nicht in isolierter oder in der starken Position, sondern in ihren Schattierungen auftreten. Und diese Schattierungen stellen verschiedene Abweichungen von dem Hauptallophon des Phonems dar, die von mehreren Faktoren abhängen: von den Positionsbedingungen, von der Lautumgebung, von der Anfangs- und Endstellung der Phoneme, von ihrem Akzentgrad und von dem Zustand des Sprechenden.

Die wichtigste Aufgabe der Phonetik besteht in der Erklärung und in der präzisen Beschreibung verschiedener Schattierungen der Phoneme, weil sie einerseits reale Aussprache widerspiegeln, andererseits helfen auch Anfänge der neuen Phoneme zu erkennen.

Jede Sprache hat ihre eigenen Besonderheiten, nach denen die Einwirkung der Umgebung und die Einwirkung des Akzentgrades erfolgt. Gut ist die Aussprache erst dann, wenn der Sprechende diese Einflüsse berücksichtigt.

Die Ursache der Modifikation ist zumeist das unbewusste Bestreben, die Muskelarbeit beim Sprechen zu erleichtern.

Die Modifikation wird durch solche Bedingungen hervorgehoben, die man positionell-kombinatorische Veränderungen nennt.

Man unterscheidet 3 Arten von positionell-kombinatorischen Bedingungen:

  • die Einwirkung des Akzentgrades (positionelle Schattierungen)

  • die Einwirkung der Lautumgebung (kombinatorische Schattierungen)

  • die Einwirkung der Position des Lautes in der Silbe, im Wort (positionelle Schattierungen)

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