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III. Die Oppositionsverhältnisse im System der Wortarten.

Im System der Wortarten besteht eine bestimmte Rangierung. Einige Wortarten werden zu Wortartkomplexen vereinigt und den anderen Wortartkomplexen gegenübergestellt. Einige Sprachforscher unterscheiden sog. höhere und niedere Wortarten (Brinkman, Erben). Z.B. Erben spricht von drei höheren Wortarten; er meint damit Aussagewort (= Verb); Nennwort (= Substantiv) und Beiwort (= Ajektiv, Adverb).

Nicht nur zahlenmäßig unterscheiden sie sich von den anderen, sondern auch durch ihre Bedeutungsweise.

Der größte sovjetische Sprachforscher V.W. Winogradow verwendet den Terminus „strukturell-semantischer Typ"' von Wörtern. Der Verfasser gebraucht diesen Terminus bei der Gruppierung der Wortarten zu Wortartkomplexen. Er unterscheidet die Wortarten im eigentlichen Sinne oder die Autosemantika und Funktionswörter oder die Synsemantika (im Gegensat zu der Autosemantika).

0.I. Moskalskaja schlägt folgendes Schema der Oppositionsverhältnisse zwischen den Wortarten vor. System der Wortarten im Deutschen:

1. Eigentliche Wortarten (Autosemantika)

a) benennende oder nominative

1. Substantiv; 2. Verb; 3. Adjektiv (qualitative Adverbien); 4. Adverbiale

  1. verweisende 5. Pronomen

  2. zählende 6. Numerale

II. Funktionswörter (Synsemantika)

  1. mit syntaktischer Funktion 7. Pröposition; 8. Konjunktion; 9. Kopula; 10. Partikel

  2. mit morphologischer Funktion 11. Artikel; 12. Hilfsverb

III. 13. Modalwort

IV. 14. Interjektion.

Das Verb

  1. Paradigmatik des Verbs.

  2. Strukturell-semantische Subklassen der Verben. Die Valenz der Verben.

  3. Die grammatischen Kategorien des Verbs (die Kategorie der Person und des Numerus).

  4. Das Tempussystem.

  5. Die Modi.

  6. Die Genera Verbi.

Literatur

  1. Moskalskaja O.I. Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. - M., 1983.

  2. Admoni W.G. Der deutsche Sprachbau. - M., 1984.

  3. Zerebkov V.A. Das Verb. – M., 1977.

I. Paradigmatik des Verbs.

Das Verb ist zahlenmäßig die größte Wortklasse, es macht etwa ein Viertel des Gesamtwortschatzes aus. Das Verb ist auch die bedeutendste Wortklasse in grammatischer Hinsicht.

  1. Das Verb spielt die zentrale Rolle im Satz. Die Verben liefern den Aussagekern (Erben). Die finiten Formen des Verbs sind nach Glinz „das Leitglied des Satzes". Das Verb ist „das satzbildende Wort" (Glinz). Die satzbildende Kraft der finiten Formen des Verbs erklärt sich durch die Valenz des Verbs. Die Valenz des Verbs bestimmt den Bau des Satzes.

  2. Als strukturelles Zentrum des Satzes besitzt das Verb ein System von grammatischen Kategorien: die Kategorien der Person, des Numerus, der Zeit, des Modus, des Genus Verbi. Das Zusammenspiel dieser Kategorien ergibt die große Zahl von Wortformen. Das Paradigma des Verbs ist das größte unter allen anderen Wortarten, z.B. Das Paradigma eines persöhnlichen intransitiven Verbs besteht aus 91 Wortformen, das Paradigma eines persöhnlichen transitiven aus 177.

(Erinnern Sie sich daran, was man unter Paradigma versteht. Unter Paradigma einer Wortart versteht man die Gesamtheit aller Wortformen eines Wortes. Unter Opposition versteht man die antonymische Beziehung der Gegenglieder im Rahmen einer grammatischen Bedeutung, die die betrefenden Wortformen unterscheiden lässt.)

Die paradigmatischen Beziehungen sind assoziative Beziehungen. Die morphologischen Paradigmen sind exakt und streng systemhaft. Die morphologischen Paradigmen sind Beziehungen zwischen Wortformen auf Grund der Beziehungen zwischen Morphemen.

Das Paradigma des Verbs beruht auf dem Zusammenspiel mehrerer Oppositionen. Im verbalen Paradigma stehen vor allem 2 Gruppen von Wortformen einander gegenüber: die konjugierbaren Verben (finite Verben) und die nichtkonjugierbaren Formen (infinite Verben) oder die Nominalformen des Verbs. Zu den finiten Formen gehören:

  • 3 Personalformen im Singular und im Plural;

  • 6 Zeitformen: Präsens, Präteritum. Perfekt, Plusquamperfekt, Futurum I, Futurum II;

  • 3 Genera: Aktiv, Passiv, Stativ;

  • 3 Modi: Indikativ, Konjunktiv, Imperativ.

Zu den Nominalformen gehören Infinitiv I und Infinitiv II Aktiv, Infinitiv I und

Infinitiv II Passiv (Stativ), Partizip I, Partizip II.

Z.B. Finite Formen des Verbs - die infiniten Formen (sie sind einander auf Grund der Opposition: auf eine Person bezogen / allgemein gegenübergestellt).

Im Bereich der finiten Formen gibt es die Gegenüberstellung der 1., 2. und der 3. Person. (Dieser Gegenüberstellung liegt folgende Opposition zugrunde: sprechend / angesprochen / besprochen). Diese Gegenüberstellung tritt niemals getrennt von der Gegenüberstellung zwischen Singularform und Pluralform auf. (Opposition: Einheit / Mehrheit). Die Kombination der Oppositionen nach Person und Numerus bildet die Grundlage der einzelnen Mikroparadigmen im Rahmen der Konjugation des Verbs: z.B. Die Mikroparadigmen des Präsens, Präteritums, Perfekts u.s.w.

Die einzelnen Mikroparadigmen bilden das Gesamt- oder Makroparadigma. Z.B. das Makroparadigma der Konjugation.

Die infiniten Formen des Verbs stehen einerseits in der Opposition zu den finiten Formen und andererseits bilden sie auch 2 Mikroparadigmen für sich.

  1. Partizip I Partizip II

  2. erwachend erwacht

III. (Opposition: geschehend / vollzogen)

IV. liebend geliebt

V. (Opposition: aktivisch - passivisch)

  1. Infinitiv 1 Infinitiv II

  2. fragen gefragt haben

VIII. (Opposition: allgemein / vorvergangen)

IX. gefragt werden gefragt worden sein

X. (Opposition: aktivisch / passivisch)

Das Paradigma des deutschen Verbs vereinigt in sich synthetische und analytische Wortformen. Nach der morphologischen Klassifikation unterscheidet man:

  1. die schwachen Verben (malen - malte - gemalt);

  2. die starken Verben (streiten - stritt - gestritten);

  3. die Präterito - Präsentia (Modalverben: dürfen, können, wollen, mögen, müssen, sollen, wissen);

  4. die unregelmäßigen Verben. Diese Gruppe umfaßt 7 Verben: sein, haben, werden, stehen, gehen, tun, bringen. Z.B. das Verb „sein" bildet seine Grundformen nach dem Muster der starken Konjugation, aber mit Hilfe suppletiver Wurzeln.

Die produktive Gruppe ist die Gruppe der schwachen Verben. Das Hauptmerkmal der schwachen Verben ist die Invariabilität des Wurzelmorphems (machen - machte; mache, machst, macht). Das Hauptcharakteristikum der starken Verben ist die Variabilität des Wurzelmorphems. Das Wurzelmorphem eines starken Verbs weist einige Varianten (oder Allomorphe des Wurzelmorphems) auf (helfen, hilf, half...).

Das Wurzelmorphem der starken Verben hat einen synkretischen Charakter, d.h. es ist nicht nur Träger der lexikalischen Bedeutung des Wortes, sondern beteiligt es sich auch an der Bildung der Wortformen im Paradigma. Die analytischen Formen treten als lexikalische und grammatische Einheiten auf. Sie sind idiomatisch (in grammatischer Hinsicht), d.h. die Gesamtbedeutung kann nicht von den Bedeutungen der Komponenten abgeleitet werden. Die analytischen Formen sind ein Teil des Verbalparadigmas, sie werden den anderen Wortformen des Verbalparadigmas gegenübergestellt: z.B. (ich) gehe / ging / werde gehen; (er) geht / wird gehen.

Die verbalen Wortgruppen, z.B. will gehen, beginnt zu sprechen, hat zu arbeiten können nicht als Formen eines Wortes betrachtet werden. Sie weisen kein Oppositionsverhältnis zu den Wortformen des Verbs auf. Vergleichen Sie: er arbeitet / er arbeitete. Aber nicht: er arbeitet / er hat zu arbeiten.

Im System der starken Verben der deutschen Gegenwartssprache bleibt bis heute die historische Klassifikation nach dem Ablaut. Man unterscheidet 7 Ablautreihen. Jede Reihe zeichnet sich durch ihre phonetischen Besonderheiten aus.

  1. Ablautreihe: ei - i(ie) – i(ie): streiten - stritt - gestritten, schweigen - schwieg – geschwiegen.

  2. Ablautreihe: ī – ō (ŏ) - ō (ŏ): fliegen - flog - geflogen, schließen – schloß – geschlossen.

  1. Ablautreihe: ĕ – ă – ŏ / ē – ā – ō: helfen - half - geholfen, befehlen - befahl – befohlen.

  2. Ablautreihe: ĭ – ă – ŭ / ĭ – ă – ō/ ĕ – ŏ – ŏ: binden - band - gebunden, beginnen — begann — begonnen, schmelzen — schmolz — geschmolzen.

  3. Ablautreihe: ē (ĕ) – ā – ē (ĕ): geben - gab - gegeben, essen - aß - gegessen.

6. Ablautreihe: ā (ă) – ū – ā (ă): fahren - fuhr - gefahren, wachsen – wuchs – gewachsen.

7. Ablautreihe: ā, ō, ū, au – ei – ī – ā, ō, ū, au, ei / ă – ĭ – ă: schlafen – schlief - geschlafen, fangen - fing - gefangen.

Einige Sprachforscher versuchen diese Klassifikation zu modifizieren. Sehr verbreitet ist die Einteilung der starken Verben in zwei Gruppen:

1. Verben mit verschiedenen Stammvokalen in allen Grundformen: finden - fand – gefunden;

2. Verben mit gleichem Stammvokal im Präteritum und Partizip II: schreiben - schrieb – geschrieben.

(Becker, Jung, Grebe, Heidolph, Flämig, Motsch)

Man gruppiert die starken Verben auch nach dem Stammvokal des Präteritums.

Brinkmann nennt 4 Klassen von starken Verben:

  1. - a helfen

  2. - о fließen

  3. - i reiten

  4. - u fahren

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