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Interview: Wahlkampf

http://german.ruvr.ru/2013_09_20/Der-Wahlkampf-Partei-sucht-Wahler-3378/

STIMME RUSSLANDS Wie mobilisieren die Parteien eigentlich für den Wahlkampf? Worauf kommt es im Wahlkampf an und was bringen die einzelnen Werbemaßnahmen? Diese Fragen beantwortete Prof Dr. Thorsten Faas, Politikwissenschaftler an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz im Gespräch mit unserer Korrespondentin Daniela Hannemann

Herr Prof. Dr. Faas, formiert sich eine Wahlentscheidung beim Wähler tatsächlich durch einen gelungenen Wahlkampf, oder steht bei den meisten Menschen nicht schon vorher fest wo sie am Wahltag ihr Kreuzchen setzen werden?

"Wir sehen in der Tat, dass sich der Zeitpunkt der Wahlentscheidung bei vielen Menschen in den Wahlkampf hinein verlagert hat, bei einer erheblichen Zahl von Menschen tatsächlich auch bis zum Wahltag selber. Insofern lohnt es sich einfach auch für Kandidaten, wie auch Parteien insgesamt, mehr denn je, Wahlkampf zu führen, einen guten Wahlkampf zu führen."

Vor den Wahlen hat man immer das Gefühl, man läuft durch einen ganzen Wald von Wahlplakaten – kann es da nicht passieren dass die Wähler sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen, soll heißen, die Plakate einfach ignorieren, sind Plakate nicht mittlerweile unmodern?

"Aber sie erfüllen eine wichtige Funktion: Sie erinnern die Menschen nämlich daran, dass bald eine Wahl stattfindet, dass es um Kandidaten geht, und insofern schaffen diese Plakate so 'nen Erstkontakt zu Wählerinnen und Wählern – und sind damit nicht zu unterschätzen in ihrer Wirkung.

Gar nicht so sehr, dass sie überzeugen, jetzt genau diese Person, die ich da auf dem Plakat sehe, zu wählen – aber einfach, Menschen daran zu erinnern: Achtung, es kommt eine Wahl, und so langsam müsst ihr euch damit auseinandersetzen, welche Kandidaten und welche Partei ihr wählt, und da können Plakate tatsächlich eine wichtige Funktion erfüllen."

Wenn Plakate tatsächlich noch wichtig sind, konnten Sie auch nachweisen in welcher Weise? Haben Sie beispielsweise Hinweise darauf, ob es eine Rolle spielt wie ein Kandidat sich dort präsentiert?

"Wir finden schon bestimmte Hinweise darauf, dass attraktive Kandidatinnen und Kandidaten etwas besser abschneiden. Es gibt empirische, wissenschaftliche Ergebnisse, die zeigen, dass Attraktivität sich durchaus lohnt. Insofern ist es auch nachvollziehbar, dass Kandidatinnen und Kandidaten versuchen, sich von ihrer guten Seite auf diesen Plakaten zu zeigen, ähm, das ist durchaus 'ne richtige Strategie, da geht's aber letztlich nur um zwei, drei Prozentpunkte nach oben oder nach unten. Also niemand wird 'n Wahlergebnis umdrehen – aber so 'n bisschen vorteilhaft ist es schon, wenn man vorteilhaft aussieht."

Der Wahlkampf verlagert sich zunehmend auch ins Internet. Doch einige Politiker haben da Berührungsängste und sind eher zurückhaltend – oft auch aus Angst einen Shit-Storm auszulösen also in den Kommentaren der Leser wüsten Beschimpfungen ausgesetzt zu werden…

"Politik im Internet funktioniert unglaublich schnell und löst auch Grenzen auf. Insofern ist es heute gefährlicher denn je, dass man vielleicht auch mal was Falsches sagt, und dass daraus sehr schnell eine sehr heftige Reaktion passiert. Insofern müssen Kandidaten noch professioneller, vielleicht auch noch kontrollierter auftreten. Aber auf der anderen Seite – so viele Shit-Storms gibt es dann doch nicht, insofern sollten die Kandidaten durchaus auch mal bereit sein, ein bisschen lustig, vielleicht auch ein bisschen schriller zu sein. Dass wirklich ein großer Shit-Storm über sie hereinbricht, die Wahrscheinlichkeit ist eigentlich sehr gering."

Die gerade erwähnten Shit Storms werden ja vor allem bei den sozialen Netzwerken gerne losgetreten, immer mehr Kandidaten tummeln sich dort, aber bringt das eigentlich wirkliche Erfolge, zumal dort ja meist sowieso nur ein Webredakteur so ein Profil bearbeitet, sprich der Politiker nicht unbedingt etwas damit zu tun hat?

"Wenn es den Parteien gelingt, Social Media strategisch klug einzusetzen und nicht nur als ein digitales Wahlplakat zu sehen, dann kann man mit Social Media sicherlich in Bevölkerungskreise vordringen, die ansonsten schwer erreichbar sind – und dann kann sicherlich auch ein Social-Media-Wahlkampf am Ende dazu beitragen, dass man Menschen mobilisiert, und dass man über so eine Mobilisierung am Ende auch den Wahltag als Sieger verlässt." Weiterlesen: http://german.ruvr.ru/2013_09_20/Der-Wahlkampf-Partei-sucht-Wahler-3378/

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