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Internationale Entwicklung Im Historischen Kont...docx
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8. Mai 2012, Felix Wemheuer:

Von Mao zum Markt: Chinesische Entwicklungsmodelle und die Bauern seit 1949

  • Ausgangslage 1949: China ist extrem arm, war lange unter fremder Herrschaft;

  • Paradigmen: China als sowjetischer Satellitstaat (nach dem Vorbild der UdSSR ausgerichtet, in den 50er Jahren), Maos Modell als demokratischer u. bauernfreundlicher Entwicklungsweg der 3. Welt (70er Jahre), Mao Ära als Fußnote der Geschichte, heute aber wieder mehr Forschung;

  • Entwicklungsmodelle:

  • I. Geuerilla-Sozialismus in roten Stützpunkten (1928-1949): schwer, das ganze Land zu einen, Kommunist_innen hatten schon einzelne Stützpunkte, um zu experimentieren (z.B. Bodenreform), „vermeide das Statische!“, Massenkampagnen (Massen sollen mobilisiert und miteinbezogen werden), „Autarkie“ durch Blockade der Kommunisten, zentrale Rolle der Armee in den 20 Jahren Bürgerkrieg, „Kriegskommunistische“ Verteilung, Güter wurden gemäß des Status verteilt, moderate Bodenreform (Bindung der Bauern an die Partei)

  • II. Neue Demokratie (1949-1953): klassenübergreifendes Bündnis (halb-kolonialer, halb-feudaler Charakter des Landes), Anerkennung verschiedener Eigentumsformen, geplant für 15 Jahre, Austausch zwischen Stadt und Land über den Markt (Problem Versorgung der Städte, beschränkter Zugriff auf den agrarischen Überschuss), Angst vor sozialer Spaltung auf dem Land → Transformation zur sozialistischen Planwirtschaft, „großer Bruder“ Sowjetunion; Primat der Schwerindustrie als Grundlage der Industrialisierung, auch Rüstung;

  • III. Sowjetisches Modell/technokratischer Stalinismus (1959-1957): Ausbeutung der Bauern u. Bäuerinnen, staatl. Getreidemonopol u. Kollektivierung, beschleunigt Urbanisierung, Beschränkung des Konsums (Rationalisierung durch Karten), zentrale Planung und staatl. Großprojekte (Prestigeprojekte), Getreideexporte/Importe von Industriegütern;

  • III. Sowjetisches Modell mit maoistischer Charakteristik (1958-1961): Maos Kritik am sowjetischen Modell: Vernachlässigung der Landwirtschaft u. Leichtindustrie, vollständige Urbanisierung u. Proletarisierung der Bauern u. Bäuerinnen sei in China keine Option, Volkskommune zur Abschaffung der drei Unterschiede, Kollektivierung ohne Traktoren, lokale Projekte, statt staatliche Investitionen, dezentraler Planung, weil traditionell nicht zentral regiert, Massenkampagnen gegen Bürokratisierung (permanente Revolution), die Gesellschaft soll nie zur Ruhe kommen; „großer Sprung nach Vorne“: Mobilisierung der Bauern u. Bäuerinnen zum Bau von Staudämmen, Stahlkampagne in Land und Stadt (GB überholen, USA einholen), Volksküchen sollen weibliche Arbeitskräfte freisetzen, um auch auf den Feldern u. in der Industrie arbeiten zu können; Duale Gesellschaft: Gesellschaft in der Stadt werden vom Staat subventioniert und versorgt, Bevölkerung am Land ist zum Großteil auf sich selbst gestellt; das Hukou, das Haushaltsregister, teilt die Bevölkerung bis heute in Land- u. Stadtbevölkerung, man hält sich aber nicht mehr so sehr daran; Scheitern des chinesischen Weges, Gründe für Hungersnot: Vernachlässigung der Landwirtschaft (Abzug der Arbeitskräfte f. Industrie), gefälschte Meldungen von Rekordernten (Resultat: höhere Quoten f. Bauern u. Bäuerinnen, anfänglicher Euphorismus), Verwaltungschaos u. Zusammenbruch der Arbeitsmoral, Bauern u. Bäuerinnen haben durch Volksküchen keine Subsitenzgrundlage mehr; Rationen der Bauern u. Bäuerinnen weden immer mehr gekürzt (Stadtbevölkerung wird bevorzugt!), Exporte weiter fortgesetzt u. Hilfe abgelehnt; priviligierte Schichten werden weiter voll versorgt (Parteikader, Intellektuelle,...); Massensterben (Verhungern) am Land;

  • Reformen (1961-1982): Patt zwischen Staat u. Bauern; kleinere Volkskommunen mit gemischten Eigentumsformen, Bauern u. Bäuerinnen dürfen eigene Patzellen zur Selbstversorgung nutzen, moderate Besteuerung u. Getreidequoten, Stopp d. Urbanisierung (f. zwei Dekaden), Importe der Urbanisierung, Importe zur Ernährung d. Städte, Experimente mit „Familienverantwortlichkeitssystem“ (Boden gehört noch dem Staat, wird aber von mehreren Familien betreut und müssen gemeinsam d. Quoten erfüllen) werden 1962 gestoppt; Alltägliche Widerstandsformen: Unterschlagung von Getreide (um Getreide im Dorf zu behalten), Diebstahl, „grün essen“ (rohes u. unreifes Getreide wird direkt vom Feld gegessen u. gestohlen), Bummelei, niedrige Produktivität (Energien sparen, um dann am eigenen Land eigenes Gemüse anzubauen), Schwarzmarkt und schwarze Speicher; diese Formen d. Widerstandes machten das System erst überlebensfähig;

  • Sicherheitslage Chinas ändert sich, Spannungen mit d. UdSSR (Annäherung d. UdSSR an d. USA u. ihre Ablehnung des großen Sprungs nach vorne), 1962: Grenzkrieg mit Indien; dritte Verteidigungslinie (zentrales Projekt 1964-1972), Feinde sollen in das Land eingelassen werden u. dann innerhalb der Grenzen durch Guerrilla-Krieg verteidigen;

  • Kulturrevolution: keine radikale ökonomische Umwälzung, d. Produktion soll weiter gefördert werden; Fraktionskämpfe, Kompromiss mit Bauern u. Bäuerinnen bleibt bestehen, 16 Mill. städtischen Jugendliche auf das Land verschickt (Unterschiede zw. Land u. Stadt sollen abgebaut werden, eig. sollen aber auch die Widerstandsgruppen zerschlagen werden u. d. Versorgungssystem der Städte soll entlastet werden; 1971: Annerkennung durch die kapitalistische Welt (Konflikt mit d. Sowjetunion hat sich so sehr verschärft, dass auch China d. Näche d. USA sucht);

  • Erschöpfung der Gesellschaft durch ständige Massenkampagnen, Kader u. Intellektuelle waren ja eig. gegen die Kulturrevolution (weil ja Kritik erlaubt u. gefördert wurde), ideologische Desillusionierung (Tod Maos), niedriger Lebensstandard u. Konsumverzicht;

  • VI. Marktsozialismus (1983- heute): Tod Maos löst Fraktionskämpfe aus: Überbewertung der Rolle der Massen, stattdessen Betonung von Experten u. Intellektuellen, Kritik an Gleichmacherei: Unterschiede als Motor im Wettbewerb, Abschied vom Klassenkampf, Bauernsozialismus (Bauern sollen Unternehmer werden), GDP-ism (das wichtigste überhaupt ist, dass sich China wirtschaftlich entwickelt); Rückbesinnung auf Neue Demokratie, Auflösung der Volkskommunen (Widerstand von unten?), Einführung des Familienverantwortlichkeitssystem in ganz China, Bauern u. Bäuerinnen dürfen Produkte auf dem Markt verkaufen, Entwicklung der ländlichen kollektiven Gemeinindustrie, Erschließung d. ländlichen Arbeitskräfte (werden Niedrig-Arbeitskräfte, Wander/Bauernarbeiter_innen); Aufschwung d. Landwirtschaft (neg. Folgen: Zuusammenbruch der kollektiven Gesundheitsversorgung durch Abschaffung d. Volkskommunen), Experimente in Sonderwirtschaftszonen (Zugang zum Weltmarkt), ab 1985: Industriereform, Vorbilder: „Tigerstaaten“, Japan, Jugoslawien, Ungarn (starke kommunistische Volkswirtschaften), USA; Korruption (starker Staat + Marktwirtschaft), Widerstände: blutig am Platz des himmlischen Friedens niedergeschlagen; Beschleunigung d. Wirtschaftsreformen u. Privatisierung (Zunahme d. Korruption), auch d. Marktsozialismus beruht auf d. Ausbeutung d. Landbevölkerung;

  • Erfolge: Nation Building, Verteidigung d. demokratischen Revolution, Industrialisierung, Stellung d. Frau, Ausbau d. ländlichen Gesundheits- u. Bildungssystems; aber: hoher Preis für d. (ländliche) Bevölkerung, Modernisierung gegen d. Bauern u. Bäuerinnen nur bedingt möglich, Einzigartige Agrarordnung macht Übertragung auf andere Länder schwierig, große Lernfähigkeit d. KPCh nach Krisen (Kombinationen verschiedener Modelle);

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