Schischyphusch*
Dabei
war mein Onkel natürlich kein Gastwirt. Aber er kannte einen
Kellner. Dieser Kellner verfolgte meinen Onkel so intensiv mit seiner
Treue und seiner Verehrung, dass wir immer sagten: Das ist sein
Kellner. Oder: Ach so, sein Kellner.
Als
sie sich kennen lernten, mein Onkel und der Kellner, war ich dabei.
Ich war damals gerade so groß, dass ich die Nase auf den Tisch legen
konnte. Das durfte ich aber nur, wenn sie sauber war. Und immer
konnte sie natürlich nicht sauber sein. Meine Mutter war auch nicht
viel älter. Etwas älter war sie wohl, aber wir waren beide noch so
jung, dass wir uns ganz entsetzlich schämten, als der Onkel und der
Kellner sich kennen lernten. Ja, meine Mutter und ich, wir waren
dabei.
Mein
Onkel natürlich auch, ebenso wie der Kellner, denn die beiden
sollten sich ja kennen lernen, und auf sie kam es an. Meine Mutter
und ich waren nur als Statisten dabei, und hinterher haben wir es
bitter verwünscht, das wir dabei waren, denn wir mussten uns
wirklich sehr schämen, als die Bekanntschaft der beiden begann. Es
kam dabei nämlich zu allerhand erschrecklichen Szenen mit
Beschimpfung, Beschwerden, Gelächter und Geschrei. Und beinahe hätte
es eine Schlägerei gegeben. Dass mein Onkel einen Zungenfehler
hatte, wäre beinahe der Anlass zu dieser Schlägerei geworden. Aber
dass er einbeinig war, hat die Schlägerei dann schließlich doch
verhindert.
(Nach
Wolfgang Borchert. Auszug.)
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Sisyphus (Сизиф)
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