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LEKTIO10.RTF
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☆

Schischyphusch*

Dabei war mein Onkel natürlich kein Gastwirt. Aber er kannte einen Kellner. Dieser Kellner verfolgte meinen Onkel so intensiv mit seiner Treue und seiner Verehrung, dass wir immer sagten: Das ist sein Kellner. Oder: Ach so, sein Kellner.

Als sie sich kennen lernten, mein Onkel und der Kellner, war ich dabei. Ich war damals gerade so groß, dass ich die Nase auf den Tisch legen konnte. Das durfte ich aber nur, wenn sie sauber war. Und immer konnte sie natürlich nicht sauber sein. Meine Mutter war auch nicht viel älter. Etwas älter war sie wohl, aber wir waren beide noch so jung, dass wir uns ganz entsetzlich schämten, als der Onkel und der Kellner sich kennen lernten. Ja, meine Mutter und ich, wir waren dabei.

Mein Onkel natürlich auch, ebenso wie der Kellner, denn die beiden sollten sich ja kennen lernen, und auf sie kam es an. Meine Mutter und ich waren nur als Statisten dabei, und hinterher haben wir es bitter verwünscht, das wir dabei waren, denn wir mussten uns wirklich sehr schämen, als die Bekanntschaft der beiden begann. Es kam dabei nämlich zu allerhand erschrecklichen Szenen mit Beschimpfung, Beschwerden, Gelächter und Geschrei. Und beinahe hätte es eine Schlägerei gegeben. Dass mein Onkel einen Zungenfehler hatte, wäre beinahe der Anlass zu dieser Schlägerei geworden. Aber dass er einbeinig war, hat die Schlägerei dann schließlich doch verhindert.

(Nach Wolfgang Borchert. Auszug.)

* Sisyphus (Сизиф)

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