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☆

2. Merkmale der Barockliteratur

Die Literatur war eingeteilt in ganz bestimmte Gattungen. Jede Gattung hatte verbindliche Inhalte und vorgeschriebene Formen. Die Regeln für diese Gattungen waren in so genannten Poetiken (Dichtungslehren) formuliert. Diese Poetiken stützten sich natürlich auf antike Vorbilder (Poetiken oder Rhetoriken [Redelehren]), die man übernahm, aber oft auch erweiterte. Große Bedeutung hatte z.B. die Lehre von den Stilebenen. Sie ordnete alle Dichtungen drei Stilen zu. Der hohe Stil war durch eine würdevolle, wohlklingende Sprache gekennzeichnet, der niedere durch eine einfache; die Sprache des mittleren Stils lag dazwischen. Dichtungen des hohen Stils durften nur erhabene, heroische, ernste Themen behandeln; komische Themen gehörten zum mittleren, derbe zum niederen Stil. Diese Einteilung in Stile war auch Ausdruck des ständischen Denkens der damaligen Zeit. Man teilte nämlich die Gesellschaft in drei Stände ein, die den Stilen entsprechen: Adel/Hof – Bürger/Stadt – Bauern/Land. Die wichtigsten Gattungen der Barockliteratur sind also:

■1.Lyrik in kleinen literarischen Formen – das Sonett, die Ode, das Epigramm;

■2.Romanübersetzungen – Schäferromane, Staatsromane (höfische oder heroische Romane mit Idealtypen aus der obersten Gesellschaftsschichten), Schelmen-oder Abenteuerromane;

■3.Drama –Jesuitendrama (meistens Lateinisch), protestantisches Schuldrama mit didaktischem Inhalt, Komödien und Tragödien aus dem Englischen;

Als Beispiel seien die Gedichte genommen, die wir heute als "Liebeslyrik" bezeichnen. Im Barock gab es eine solche Dichtungsart nicht, sondern drei klar getrennte Gattungen: die hohe Liebeslyrik, die erotische Dichtung des mittleren Stils und die obszöne Dichtung des niederen Stils. In der hohen Liebeslyrik preist das lyrische Ich die Schönheit und Tugend einer Geliebten. Diese ist für das lyrische Ich unerreichbar, weshalb die Grundstimmung eher elegisch, traurig ist. Dabei werden die charakterlichen Eigenschaften und die Körperteile der Dame bis einschließlich zum Busen mittels Vergleichen und Bildern geschildert. Die mittlere Liebeslyrik preist die sinnlich, erotische Liebe; das lyrische Ich versucht die nahe Geliebte zum körperlich-sexuellen Kontakt zu überreden. Dabei dienen zweideutige Naturbilder dazu, die einschlägigen Körperteile und Aktionen zu umschreiben. Der Grundton dieser Dichtung ist scherzhaft, heiter. In der niederen Liebesdichtung werden vorwiegend pervers-sexuelle Vorgänge sehr direkt, drastisch dargestellt. Die Form der hohen Liebesdichtung ist das Sonett. Mittlere und niedere Liebesdichtung kann in verschiedenen Formen vorkommen, allerdings nicht im Sonett.

Im Gegensatz zu unserem heutigen Verständnis von Dichtung kam es im Barock nicht darauf an, möglichst originell zu sein, sich von seinen Konkurrenten zu unterscheiden, etwas zu schaffen, was als "neu" und "einmalig" galt. Im Gegenteil, die getreue Einhaltung der Vorgaben war das, was man erwartete. Ein Leser des Barock wollte, wenn er ein Liebesgedicht des hohen Stils las, das wieder finden, was er gewohnt war (ähnlich wie ein Fan von Fernsehserien heutzutage). Der Wert eines Barockdichters maß sich daran, ob er fähig war, das vorgegebene Muster zu erfüllen. Dabei durfte und sollte er sich durchaus Variationen der Muster erlauben, z.B. einen neuenVergleich für die Wangen, die Augen einer schönen Frau in der hohen Liebeslyrik. Auf keinen Fall ging es darum, subjektive und einmalige Erlebnisse, ureigenste persönliche Anschauungen in ganz eigener Weise auszudrücken. Dies bedeutet nicht, dass ein Barockdichter nicht empfand oder glaubte, was er schrieb; dies galt v.a. bei geistlicher oder ernster Dichtung. Bei der Liebesdichtung jedoch sagt das Werk nichts über das subjektive Empfinden und ein eventuelles Erlebnis des Dichters aus.

3. Stilmerkmale:

Insistierende Nennung: Erweiterung einer Aussage durch wiederholte Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven, Variieren und Umkreisen einer Hauptidee.

Häufung: Wiederholung und Variation von Wörtern, Beispielen, Vergleichen, Bildern, Satzgliedern und Sätzen, ohne dass sich immer der Aussageinhalt verändert.

Besonderheiten des Satzbaus: Wegfall von Konjunktionen und bereits schon einmal genannter Satzglieder, verselanges Nichtnennen des Subjekts und Prädikats, die oft mehreren Sätzen gemeinsam sind.

Antithetik: Wörter, Versteile, Halbverse, ganze Verse und Strophen werden einander gegenübergestellt.

Emblematik: besondere Bildsprache des Barock. Die Embleme (wörtlich "Sinnbilder") waren allgemein bekannt, ihre Bedeutung festgelegt und durch Tradition verbürgt. Sie wurden in Büchern gesammelt und von dort in die Malerei und in die Literatur übernommen. Ein Emblem besteht aus drei Teilen: einer Überschrift (inscriptio), die eine Sentenz, ein Sprichwort, eine moralische Forderung enthält, einem Bild (pictura), das z.B. Pflanzen, Tiere, Geräte, Tätigkeiten, Vorgänge des menschlichen Lebens, eine mythologische, biblische, historische Figur oder Szene zeigt, und einer meist in Versen verfassten Erklärung (subscriptio).

4. Wichtige Autoren und Werke

Die meisten Romane und Dramen des Barock sind heute so gut wie unbekannt. Barocklyrik ist schon eher verbreitet.

Bedeutende Lyriker sind:

Christian Hofmann von Hofmannswaldau (1617-1679),

Andreas Gryphius (Greif) (1616 – 1664) auch Autor bedeutender Dramen und damals populärer Romane.

-Leben: Schwere Jugend, umfassende Bildung, Hauslehrer, seit 1639 hielt Vorlesungen in Philosophie. Naturwissenschaften und Geschichte. Als Dichter gekrönt.

-Schaffen: Oden, Sonette (14 Verse, in zwei Quartette und zwei Terzette gegliedert; Versmaß – Alexandriner), Tragödien gekennzeichnet von Weltverneinung; originelles Scherzspiel "Morribilicribrifax"

Einer der populärsten Barockdichter zur damaligen Zeit war Daniel Caspar von Lohenstein (1635-1683, der heute weitgehend unbekannt ist.

Paul Gerchardt (1610-1676) – Kirchenlieder)

Johann Scheffler als "Angelus Silesius“ bekannt (1624-1677), Mystiker

Paul Fleming (1609- 1649}', Gedichtsammlung "Teutsche Poemata", die Liebe als Hauptthema

Roman

- die meisten Romane – Nachahmungen und Übersetzungen, sind nicht mehr lesbar;

- Ausnahme: literarisches Zeitzeugnis, der erste deutsche Prosaroman von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622-1676) „Der abenteuerliche Simplizissimus“. Der Autor stammte aus einer protestantischer Bürgerfamile. Als 15-jähriger geriet unter die Soldaten des Dreißigjährigen Krieges, arbeitete später als Gutsverwalter.Burgvogt und Gastwirt, Seit 1667- Schultheiß (Gemeindevorsteher in Renchen). Der volle Titel des Romans ist Der abenteuerliche Simplizissimus Teutsch, das ist: Die Beschreibung deß Lebens eines seltzamen Vaganten genant Melchior Sternfels von Fuchshaim wo und welcher gestalt Er nemlich in diese Welt kommen was er darinn grsehen gelernet erfahren und außgestanden auch warumb er solche wieder freywillig quittirt...Er erschien in 5 Büchern in einer Mundart-Ausgabe 1668. Die Handlung spielt unter besitzlosen Schichten, unter Soldaten des Dreißigjährigen Krieges, die oft wenig ausgebildetes moralisches Empfinden haben. Der Roman ist in der Ich – Form geschrieben und berichtet von den Lebensumständen eines im Elend aufgewachsenen Menschen, der sich mit allen rechten und unrechten Mitteln seinen Weg durchs Leben bahnt. Der Held ist ein negativer Held, der Humor hat einen tragischen Zug. Der Einfältige, lateinisch Simplizissimus genannt, wächst bei einem Einsiedler heran. Der bringt dem Jungen Lesen und Schreiben bei. Nach dem Tode seines Lehrers geht Simplizius in die Welt und wird Soldat, besucht viele Länder, lernt die Schattenseiten des Lebens kennen. Die Glückskurve steigt auf und fällt nieder und am Ende des Lebens reist er wieder in den Schwarzwald, um hier als Einsiedler zu leben.

Ähnlich wichtig gilt Martin Opitz (1597-1639), der größte Theoretiker der Dichtkunst. Opitz besuchte die Lateinschule, dann das Gymnasium und studierte anschließend in Frankfurt (Oder) und in Heidelberg. 1625 wurde er zum Dichter gekrönt (poeta laureatus).Er unternahm viele Reisen, seit 1637 wurde er Hofhistoriograph, dann Sekretär des Königs von Polen in Danzig; wo er an der pest starb. 1624 verfasste er eine damals berühmte Poetik ("Buch von der deutschen Poeterey"). Hier entwickelte Opitz seine ästhetischen Ansichten und führte die noch heute gebräuchlichen Versmaße in die deutsche Sprache ein.

■ Grundregeln:

- Jeder Vers muß natürliche Betonung haben, die betonten und unbetonten Silben wechseln sich regelmäßig;

-Sprache muß hochdeutsch sein, nicht mehr lateinisch oder mundartlich;

- Fremdwörter müssen vermieden werden;

-Opitz führt Standesklausel in Tragödie (nur hochgestellte Persönlichkeiten als Helden) und in Komödie (nur einfache Leute) ein.

Andreas Gryphius

An die Welt

Mein oft bestürmtes Schiff, der grimmen Winde Spiel,

der frechen Wellen Ball, das schier die Flut getrennet,

Das ober Klipp auf Klipp und Schaum und Sand gerennet,

Kommt vor der Zeit an Port, den meine Seele will.

Oft, wenn uns schwarte Nacht im Mittag überfiel,

Hat der geschwinde Blitz die Segel schier verbrennet,

Wie oft hab ich den Wind und Nord und Sud verkennet!

Wie schadhaft ist der Mast, Steur, Ruder, Schwert und Kiel!

Steig aus, du müder Geist! Steig aus! Wir sind am Lande.

Was graut dir für dem Port? Itzt wirst du aller Bande

Und Angst und herber Pein und schwerer Schmerzen los.

Ade, verfluchte Welt! Du See voll rauher Stürme!

Glück zu mein Vaterland! Das stete Ruh im Schirme

Und Schutz und Frieden hält, du ewiglichtes Schloß!

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