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Text 6. Die Versicherung in der brd

Krankenversicherung

Zur Krankenversicherung bei der Krankenkasse sind alle Bürger bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze verpflichtet. Bürger mit einem hohen Einkommen können zur privaten Krankenversicherung gehen. Die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zahlen je zur Hälfte die Versicherten und die Arbeitgeber. Durchschnittlich sind es 12,5 % des Bruttoeinkommens.

Die Krankenversicherung besteht aus Krankenhilfe, Mutterschaftshilfe, Sterbegeld, Familienhilfe u.a. Bis zu 6 Wochen bekommt jeder Arbeitnehmer im Krankheitsfall seinen Lohn oder sein Gehalt vom Arbeitgeber. Danach zahlen die Krankenkassen bis zu 78 Wochen lang das Krankengeld, etwa 80 % des Lohnes. Die Mutterschaftshilfe umfasst die bezahlte Mutterschaftsfrist 6 Wochen vor der Geburt und 2 Monate danach u.a.

Arbeitslosenversicherung

Wer arbeitslos wird, kann Arbeitslosengeld bekommen. Man muss aber in den drei Jahren vor der Arbeitslosigkeit mindestens zwölf Monate berufstätig gewesen sein und Arbeitslosenversicherung gezahlt haben.

Ein verheirateter Arbeitsloser mit einem Kind erhält 67 % des letzten Netto-Lohns oder Gehalts. Arbeitslose ohne Kinder bekommen 60 %. Für die Zeit der Arbeitslosigkeit läuft die Kranken- und Rentenversicherung weiter. Das Arbeitslosengeld wird ein Jahr lang ausgezahlt. Danach kann man Arbeitslosenhilfe beantragen, das von 53 % bis 58 % des früheren durchschnittlichen Netto-Lohnes beträgt. Arbeitslosenhilfe kann man für unbegrenzte Zeit bis zum 65. Lebensjahr bekommen. Man muss sie jedes Jahr neu beantragen.

Rentenversicherung

Nach der Vollendung des 65. Lebensjahres bekommt jeder Bürger eine Rente. Die Beiträge zur Rentenversicherung betragen im Durchschnitt 17.5 % und werden je zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen. Viele Unternehmen garantieren ihren Mitarbeitern eine zusätzliche Betriebsrente.

Aufgabe 11. Lesen Sie und übersetzen Sie den nachstehenden Text über Ludwig Erhard (1897–1977), den «Vater des deutschen Wirtschaftswunders», ins Russische. Was bedeutet der Ausdruck „Wirtschaftswunder“?

Text 7. Die Mark und der Markt

Prof. Ludwig Erhard wird «Vater des deutschen Wirtschaftswunders» genannt. Als Wirtschaftsminister unter dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer und später als Bundeskanzler (1963–1966) setzte Erhard auf die Kräfte des Marktes, hielt einem ungezügelten Kapitalismus jedoch immer die humane Komponente entgegen. In seine Amtszeit fällt ein beispielloser wirtschaftlicher Aufschwung im Westen Deutschlands.

Der Wirtschafts-Experte Ludwig Erhard wurde 1947 beauftragt, die von Staatsschulden ruinierte „Reichsmark“ zu reformieren. Am 21.4.48 war es soweit. Am 20. Juni 1948 wurde die Deutsche Mark (DM) als neue Währung eingeführt und damit wurde der Inflation ein Ende gemacht. Die Deutschen verloren 80% ihres nahezu wertlos gewordenen Geldvermögens und bekamen dafür die „Deutsche Mark“. Jeder Deutsche erhielt als Startkapital 40 Mark. Das restliche Geld wurde zum Kurs 1 zu 10 umgestellt. Das war ein schmerzhafter Währungsschnitt. Die Folge war eine rapide Preissteigerung. Die Laden füllten sich jedoch über Nacht mit Waren, denn für das Inflationsgeld wollten die Kaufleute ihre Waren nicht verkaufen. Im November 1948 kündigte Ludwig Erhard ein Jedermannprogramm an. Damit wurde die Produktion von Jedermannwaren, d. h. von billigen Waren, gestartet. Erhard versprach «Wohlstand für alle».

Erhard verkündete an jenem Tag zugleich das Ende der „Zwangsbewirtschaftung“ (Warenbezugs-Scheine usw.). Manche fürchteten, dass ein freier Markt in Zeiten des Mangels nicht funktioniert, andere wollten eine sozialistische Staatswirtschaft, die Großindustrie hätte gern an den Monopol-Strukturen der Vergangenheit festgehalten. Doch das Ex­periment klappte. So wurde Erhard zum Vater des Wirtschaftswunders und der sozialen Marktwirtschaft.

Die ungleiche Verteilung des Reichtums und die Kluft zwischen Arm und Reich wurden nicht abgeschafft, andererseits erreichte die westdeutsche Wirtschaft jährliche Wachstumsraten von rund 8 Prozent. Diese Entwicklung hielt in den gesamten fünfziger Jahren an. Das Durchschnittseinkommen der Arbeiter zwischen 1950–1962 stieg um 250 Prozent. Die Grundlage der Politik Erhards bestand darin, dass der Staat nur indirekt in die Wirtschaft eingriff, in erster Linie um die wachstumsfördernden Faktoren, insbesondere Investitionen, zu fördern. Für den Begründer der sozialen Marktwirtschaft war Liberalisierung, d. h. mehr wirtschaftliche Freiheit, die eigentliche Wohlstandsformel. Damit schuf er die Grundlagen für das deutsche Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit.

Aufgabe 12. Lesen Sie den Text.