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- •Text 3. Weihnachten
- •Die Weihnachtsgeschichte Gottes Sohn kommt in die Welt
- •Text 4. Das Weihnachtsfest in seinen vielfältigen Funktionen und Aspekten
- •Text 5. Karneval
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- •Das Standesamt kann warten
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- •Text 2. Religion und Kirchen in Deutschland
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- •Religionen für ein Europa ohne Rassismus (Auszug)
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- •Von Jeanette Otto
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- •Von Jürgen Baumert
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- •Von Georg Blume, Thomas Kleine-Brockhoff & Ivo Marusczyk
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- •Teil II berufsausbildung
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- •Text 5: Jugend heute – Sprache und Werte
- •Von Wilhelm Siemers
- •Text 6: Blogs – die neue Gedankenfreiheit
- •Quellenverzeichnis
Text 3. Weihnachten
Herkunft des Namens
"Ze den wihen nahten" hieß auf Hochdeutsch "zu den Heiligen Nächten". Welch ein Zauber geht von diesen Wörtern aus, mit dem wir das mit dem „Heilig Abend“ eingeleitete Fest der Geburt Christi bezeichnen.
Festlegung des Datums für Weihnachten
Der 25. Dezember, der Tag der Sonnenwende war in vielen Kulturen ein besonders wichtiger Tag. Im vorderasiatischen Mithraskult wurde an diesem Tag die Geburt des Lichtgottes gefeiert. Bei den Ägyptern wurde mit dem Isiskult die Geburt des Horus auf diesen Tag gelegt. Die Römer begingen ihre feierlichen Saturnalien zu Ehren des Gottes Saturn, des unbesiegbaren Sonnengottes, an diesem Tag. Die Germanen feierten im norddeutschen Raum bis hinauf nach Skandinavien ihr Mittwinterfest oder Julfest, zugleich ein Toten- und Fruchtbarkeitsfest. Um diese Feste rankt sich allerlei Geisterglauben, der sich in der Tradition, gerade in abgelegenen Gegenden z.B. in den Alpen, bis heute gehalten hat. Da in Rom sowohl das asiatische und ägyptische als auch das römische Fest mit großem Pomp gefeiert wurden, versuchte Papst Hyppolit bereits um 217 all diese Kulte damit zu beseitigen, indem er das Fest der Geburt Christi auf diesen Tag, den 25. Dezember, verlegte. Man verwies darauf, dass schon das Alte Testament den erwarteten Erlöser als "Sonne der Gerechtigkeit" (Mal 3,20) bezeichnet. Außerdem habe sich Christus selbst das "Licht der Welt" (Joh. 8,12) genannt, der als das "Wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet" (Joh.1,9), in diese Welt gekommen sei. Mit der Datierung des Weihnachtsfestes auf das Fest des "Unbesiegbaren Sonnengottes" gaben die Christen den Heiden zu verstehen: Die Sonne ist gut, und wir freuen uns ihres immer neuen Sieges nicht weniger als ihr. Aber sie hat ja keine Macht aus sich selbst, sondern sie hat nur Kraft, weil Gott sie erschaffen hat. So kündet sie uns von dem wahren Licht, von Gott, dem Schöpfer aller Dinge. Deshalb feiern wir an Weihnachten das Kommen des wahren Gottes. Den Urquell allen Lichtes, nicht aber sein Werk, die Sonne, die kraftlos wäre ohne ihn. Das ist der Sinn von Weihnachten: Es ist der Geburtstag Christi, die Wintersonnenwende der Weltgeschichte, die uns in allen Auf- und Niedergängen der Geschichte die Gewissheit gibt, das die dunklen Mächte der Finsternis keine endgültige Macht besitzen.
Durchsetzen konnte es aber erst Papst Liberius 354. Zum Dogma, Glaubenssatz, wurde es auf dem 2. Konzil von Konstantinopel 381 unter Kaiser Theodosius erklärt.
Im 7. und 8. Jahrhundert setzte sich der Brauch, das Fest am 25. Dezember zu feiern auch in Deutschland durch. Die Mainzer Synode erklärt 813 diesen Tag offiziell zum "festum nativitas Christi". Mit ihm begann damals das Kalenderjahr. Der erste Januar wurde erst ca. 800 Jahre später mit Einführung des Gregorianischen Kalenders zum Jahresbeginn. Im Verlaufe der Christianisierung der Menschheit hat das Weihnachtsfest dann seine heutige weltweite Verbreitung gefunden. Der christliche Weihnachtsfestkreis beginnt mit der vierwöchigen Vorbereitungszeit des Advents und reicht in den katholischen Bereichen bis zum 6.1. (Dreikönig). Die Griechisch-Orthodoxen feiern die Geburt Jesu erst am 6.1., die Armenier am 18./19. 1.
Zur Theologie des Weihnachtsfestes:
Wenn die frühe Christenheit vom "Anfang" der "Frohen Botschaft von Jesus Christo" sprach, so meinte sie den Beginn seines öffentlichen Wirkens. Erst später fragte die Kirche nach dem 'Ursprung Jesu in Gott', also nach seiner Geburt, seiner Kindheit und Jugend. Diese Frage wurde im Licht des Osterereignisses gestellt und beantwortet. Die dabei berichteten Ereignisse gehören nicht mehr zur 'apostolischen Autopsie'. Sie sind Glaubenszeugnisse, Christusbekenntnisse der jungen Kirche. Dabei leitet Lukas und Matthäus nicht primär ein biographisches Interesse. Die Fachliteratur spricht von einer 'homologetischen Geschichtsschreibung' (von gr. homologeo = zusagen, zusichern, frei heraussagen, bekennen). Dabei steht die Geburtsgeschichte Jesu zusammen mit der Tempelgeschichte im Mittelpunkt. Diese Geburt ist prophetisch angekündigt und direkt vorausgesagt, wobei das Schema: Verheißung - Erfüllung die Kindheitserzählungen strukturiert. Ein Nebenmotiv ist die Verbindung mit den Erzählungen von der Geburt des Täufers; dabei wird primär die Zuordnung beider, erst sekundär das 'Überbietungsmotiv' deutlich.
Da in Christus die Zeit der Erfüllung und Vollendung anbricht, übernehmen die Hagiographen (Autoren der Lebensbeschreibung) die Stilmittel der Apokalyptik. Die Engel als endzeitliche Gottesboten sind hier vor allem zu nennen. So wird das Weihnachtsevangelium gleichsam von zwei Scheinwerfern angestrahlt: dem (im Licht milderen) der Prophetie und dem helleren, leuchtenderen der apokalyptischen Erfüllung.
Im Evangelium des Lukas (in dem der größte Teil der Kindergeschichten Jesu beschrieben ist) fällt auf, mit wie kargen Worten die Geburt des Herrn beschrieben wird und wie breit der Evangelist die Verkündigung an die Hirten und deren Kommen darstellt. Matthäus erwähnt die Geburt nur in einem Nebensatz und wendet sich dann dem Stern der Offenbarung und dem Kommen der Magier zu. Wichtig war das Aufleuchten der Herrlichkeit Gottes, die im Kind sichtbar ist, vor den Juden und Heiden. Selbst die Weltmacht Rom (und damit alle irdische Macht) muss in den Dienst des Kindes treten. (Lukas 2,1-3 "Es begab sich aber zu der Zeit ...") Mit der Geburt Jesu soll verdeutlicht werden, dass dieses Kind wahrer Gott und wahrer Mensch in einer unauflöslichen Verbindung ist.
(nach „Der Weg“).
Texterläuterungen
Mithraskult: Mithras ist ein altpersischer Gott des Lichts, der auch unter den Staatsgöttern des mesopotamischen Reichs um 1400 v.Chr. Mitanni genannt wurde.
Isiskult: Isis ist in der ägyptischen Mythologie Schwester und Gemahlin des Osiris, von dem sie Horus als Sohn zur Welt brachte. Sie galt auch als Göttin der Toten.
Acht Tage vor dem 25. Dezember wurden im alten Rom die Saturnalien - das Fest zu Ehren des Gottes Saturn - begannen.
Autopsie ist die Untersuchung des Körpers nach dem Tod.
Apokalypse ist eine thematisch bestimmte Gattung der religiösen Literatur, die Gottesgericht, Weltuntergang und Zeitenwende in den Mittelpunkt stellt.
Johannes der Täufer ist eine der zentralen Figuren des Christentums, er verkündete die nahe Ankunft des Messias. Seine Bedeutung und seine Leistung in den Evangelien beschränkt sich im Wesentlichen auf die Taufe Jesu am Fluss Jordan.
Verkündung ist das nachdrückliche Kundtun eines wichtigen Sachverhalts, das Wort wird auch im Zusammenhang mit Prophezeiungen verwendet.
Merken Sie sich:
Deklination von "Jesus [Christus]" Die Flexionsformen lauten im Genitiv Jesu [Christi], im Dativ Jesu [Christo], im Akkusativ Jesum [Christum] und im Vokativ Jesu [Christe]. Der Name bleibt allerdings, außer im Genitiv, heute meist unflektiert: mit/für Jesus [Christus]. Keine Flexion tritt ein, wenn Herr vorausgeht: das Leiden des/unseres Herrn Jesus (nicht mehr: Herrn Jesu); der Glaube an den/unseren Herrn Jesus (nicht mehr: Herrn Jesum).
Aus: Duden 9, "Richtiges und gutes Deutsch", zit. n. Duden-Newsletter vom 5. April 2007
