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Arbeitsbuch für Mediziner-2.docx
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7. Lektion Schleimhautschäden

Patienten, die eine Chemo- oder Strahlentherapie erhalten, erleiden teilweise massive Schleimhautschäden. Die Entzündungen und Ulzera sind sehr schmerzhaft und qualvoll. Doch mit konsequenter Prophylaxe kann man schwere Schäden vermeiden oder lindern.

Alle Schleimhäute im gesamten Gastrointestinal- und Urogenitaltrakt sowie die Bindehaut der Augen können durch Zytostatika und Bestrahlung Schaden erleiden. Häufig werden die Defekte unterschätzt, weil sie meist erst im Verlauf der Krebsbehandlung auftreten. Sie können dann aber äußerst schmerzhaft sein und die Lebensqualität der Patienten massiv beeinträchtigen.

Bei einer Tumorbehandlung ist die Entzündung des Mund-Rachen-Raums (Mukositis) für den Patienten besonders belastend. Beschränkt sie sich auf den Mund, spricht man von Stomatitis. Meint man ausdrücklich den Mund- und Rachenraum, handelt es sich um eine „orale Mukositis“. Sehr quälend für den Patienten sind auch die Schädigung der Dünndarmschleimhaut, die zu Enteritis und Diarrhö führt, sowie die Proktitis nach Bestrahlung im Rektum.

Nicht selten brechen Patienten die Krebstherapie wegen unerträglicher Schmerzen aufgrund von Schleimhautläsionen ab. Doch dies gelingt nur, wenn der Patient weiß, was er selbst dazu beitragen kann und wie wichtig die regelmäßige konsequente Prophylaxe, zum Beispiel mit Mundspülungen, ist. Klinik- und Hausärzte sind oft nicht die richtigen Ansprechpartner, wenn es um effiziente Vorbeugemaßnahmen geht. Ihr Augenmerk richtet sich auf das Überleben des Patienten; dabei rücken Nebenwirkungen, die eventuell erst später auftreten, in den Hintergrund.

Die Schleimhaut, Tunica mucosa oder kurz Mukosa, besteht aus einem Epithel und der darunter liegenden Bindegewebsschicht. Die Mundschleimhaut ist dünn und mehrschichtig und wird durch Drüsensekrete feucht gehalten. Die epithelialen Zellen erneuern sich ständig, die Lebensdauer der einzelnen Zelle beträgt 10 bis 14 Tage. Die Drüsenzellen, Produktionsorte des Mundspeichels, erneuern sich dagegen langsamer oder gar nicht mehr, wenn sie stark geschädigt werden. Entstehung und Verlauf der Mukositis auf zellulärer Ebene sind komplexe biologische Prozesse, die formal gesehen in fünf Phasen ablaufen:

Initiierung: Mit Beginn der Chemo- und Strahlentherapie kommt es zu einer Zell- und DNA-Schädigung im Epithelgewebe der Schleimhaut und der Submukosa. Verantwortlich dafür sind die entstehenden reaktiven Sauerstoffradikale (ROS).

Hochregulierung und Erzeugung von Messenger-Signalen: Neben der direkten Zellschädigung durch ROS kommt es zur Aktivierung von biologischen Kontrollmechanismen. Dazu zählt eine Gruppe von Transkriptionsfaktoren, von denen der Zellfaktor NF-κB (Nuclear Factor Kappa B) am bedeutendsten ist. Im Zytoplasma der Zelle ist NF-κB in der Regel nicht aktiv („schlafend“). Seine Aktivierung gilt als kritisches Signal für die Entstehung von Entzündungen und die Bildung von Effektorproteinen, zum Beispiel proinflammatorischen Zytokinen und Enzymen, die eine weitere Zellschädigung einleiten.

Signalübertragung und Amplifikation: Die Effektorproteine schädigen die Zellen einerseits direkt und verstärken zum anderen den Schadprozess durch Signalübertragung, zum Beispiel auf TNF-α, was wiederum den Zellfaktor NF-κB anregt.

Ulzeration und Inflammation: Die Folge dieses durch die Chemo- und Strahlenbehandlung ausgelösten biologischen Prozesses ist die Verletzung und Zerstörung der Mukosa. Im Mund wird dies als Ulkus sichtbar, die Verletzung reicht durch das Epithel bis in die Submukosa hinein. Die Ulzera können von fibrinösen, mit Bakterien und Viren infizierten Exsudaten bedeckt sein. Die Schleimhaut kann sich in Fetzen ablösen. Diese fortgeschrittene Phase der Mukositis ist mit massiven Schmerzen verbunden. Der Patient kann nicht mehr essen und kaum noch trinken.

Wundheilung: Die Heilung beginnt nach der Beendigung der Chemo- oder Strahlentherapie und ist verbunden mit der Neubildung der Leukozyten. Allerdings wird eine stark geschädigte Schleimhaut nicht mehr den ursprünglichen Zustand erreichen. Sie ist bei einer erneuten Krebsbehandlung immer anfälliger als eine nicht vorgeschädigte Schleimhaut. Die Effektorproteine schädigen die Zellen einerseits direkt und verstärken zum anderen den Schadprozess durch Signalübertragung, zum Beispiel auf TNF-α, was wiederum den Zellfaktor NF-κB anregt.

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