[Wolfgang_J._Kox,_Claudia_D._Spies]_Check-up_Ans(BookFi.org)
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Intensivmedizin
414 B-2.7 · Abdominalchirurgie
Aufgeschobene Dringlichkeit: Dickdarmileus, akute Cholezystitis etc.
Bei relativen Kontraindikationen, wie z. B. kardiopulmonaler Dekompensation, kann es notwendig werden, den Eingriff zu verschieben. Hier sollte der Zustand des Patienten präoperativ stabilisiert und verbessert werden: Volumentherapie, Verbesserung der Oxygenierung, Ausgleich von Störungen im Wasser-Elektrolyt-Haushalt,
Optimierung der Gerinnungssituation etc.
Peritonitis
Definition
Die Peritonitis ist charakterisiert durch ein lokales Krankheitsgeschehen und durch eine extraperitoneale Allgemeinreaktion im Sinne einer Sepsis
Neben der Kausaltherapie wird eine allgemeine Intensivtherapie mit Unterstützung oder Ersatz insuffizienter Organsysteme durchgeführt
Kausaltherapie
Die Kausaltherapie besteht in der chirurgischen Beseitigung der primären Infektionsquelle und der lokalen Sanierung der Bauchhöhle
Einzeitiges Vorgehen
Herdsanierung durch eine einmalige Operation möglich: z. B. Stressgallenblase
Fokussanierung durch Drainagesysteme
Infektiöses Material wird dauerhaft über eine Ultraschalloder CT-gestützt platzierte Drainage nach außen abgeleitet
Fokussanierung und Drainage durch Kompartimentbildung
Bei der infizierten Pankreasnekrose wird das Retroperitoneum unter Umgehung der Bauchhöhle nach außen drainiert
Fokussanierung und Peritonitistherapie durch geplante Relaparotomie
Bei der diffusen Peritonitis ist ein aggressives Vorgehen notwendig
Chirurgische Primärtherapie: Fokussanierung (Versorgung der eigentlichen Peritonitisursache)
Anschließend erfolgt die Therapie der Peritonitis durch mechanisches Reinigen der Bauchhöhle: avitales Gewebe wird reseziert, ein Débridement wird durchgeführt, und das Abdomen wird ausgiebig gespült
Ist die Fokussanierung nicht sicher oder die Bauchhöhle stark kontaminiert, wird zur Vermeidung einer Re-Infektion in einem festgelegten Zeitintervall (meist 24–48 h) eine Relaparotomie mit erneutem Débridement und erneuter Spülung durchgeführt
Nach 48 h kann sich eine Kontrollrelaparotomie anschließen, um nochmals zu kontrollieren, ob der Primärfokus saniert und alles infektiöse Material aus dem Bauchraum entfernt worden ist
Ileus (intestinale Passagestörung)
Funktioneller Ileus
Störung der Darmpassage primär durch eine Darmparese oder -paralyse
Allgemeine Ursachen:
–Metabolisch (K+-Mangel, Urämie, Diabetes)
–Reflektorisch (z. B. bei Myokardinfarkt, Gallenoder Nierenkolik)
Intraabdominelle Ursachen:
–Blutung
–Infektion
–Ischämie
Retroperitoneale Ursachen:
–Blutung
–Infektion
–Reflektorisch
Jeder mechanische Ileus, der nicht rechtzeitig behandelt wird, mündet terminal in eine Paralyse
Mechanischer Ileus
Verwachsungen nach vorausgegangenen Laparotomien, Inkarzerationen einer Hernie
Spastische Motilitätsstörung
Ist selten; kann z. B. durch eine Bleiintoxikation oder durch eine akute intermittierende Porphyrie hervorgerufen werden
Folgezustände mit Verschiebungen im Wasserund Elektrolythaushalt unterscheiden sich nicht vom funktionellen oder mechanischen Ileus
B-2 · Besonderheiten bei der Behandlung nach Fachgebieten
Diagnose und Therapie
Hauptsymptom des mechanischen Ileus ist die Hyperperistaltik
Durch Hypokaliämie oder reflektorisch kann der Darm allerdings in seiner Motorik so eingeschränkt sein, dass die Phase der Hyperperistaltik gar nicht oder nur sehr kurz in Erscheinung tritt
Röntgen: wiederholte Röntgenübersichtsaufnahmen des Abdomens im Stehen können beim mobilen Patienten hilfreich sein, um zwischen einem mechanischen und einem paralytischen Ileus zu differenzieren:
–Eine Spiegelbildung im Dünnund Dickdarm spricht für eine Paralyse
–Sind isolierte Spiegel im Dünnoder Dickdarm nachweisbar, liegt am ehesten ein mechanisches Hindernis vor
Noch aussagefähiger ist eine Röntgenaufnahme mit Kontrastmittel. Wenn das Kontrastmittel das Kolon nach einer Aufnahmeserie erreicht, kann ein kompletter mechanischer Dünndarmileus ausgeschlossen werden
Therapie (s. auch B-7.4 »Obstipation«):
Liegt ein mechanisches Hindernis vor, besteht die Therapie in der chirurgischen Intervention. Bei einem funktionellen oder paralytischen Ileus kann ein konservativer Behandlungsversuch unternommen werden
Intensivtherapie nach großen viszeralchirurgischen Eingriffen
Überwachung und Monitoring
Wichtig sind 3 Teilaspekte der postoperativen Überwachung:
–Beachtung der präexistenten Grundleiden des Patienten
–Beachtung von operationsbezogenen Daten: Ausmaß und Dauer des Eingriffs, intraoperative Besonderheiten mit sich daraus ergebenden Konsequenzen
–Als Summe dieser Punkte der zu erwartende postoperative Verlauf
Klinische Untersuchung: Abdomen, Thorax, Bewusstseinslage
Kontinuierliches Monitoring der Vitalfunktionen
Labordiagnostik: Blutbild, Gerinnung, Harnstoff, Kreatinin, Elektrolyte, Bilirubin, ASAT, ALAT
415 B-2.7
Bei Aufnahme von intubierten Patienten: Thoraxröntgenaufnahme
Lage der Drainagen vom Operateur erfragen
Ziel der postoperativen Überwachung ist die frühzeitige Erfassung von postoperativen Komplikationen, bevor sekundäre Organversagen eintreten.
Weiterführende Diagnostik:
Bei jedem Abweichen vom erwarteten postoperativen Verlauf ist eine weiterführende Diagnostik notwendig. Dies bezieht sich auf sämtliche Teilaspekte der intensivmedizinischen Betreuung: z. B. die Klärung der Ursachen, wenn sich ein Patient kardial, pulmonal oder renal verschlechtert, ohne dass vordergründig die Ursache für eine Verschlechterung bekannt ist
Bei einem gestörten postoperativen Verlauf ist in der frühen postoperativen Phase immer an eine chirurgische Komplikation zu denken, ein frühzeitiges interdisziplinäres Vorgehen sollte immer angestrebt werden.
Komplikationen
Der normale postoperative Verlauf bei den einzelnen Operationen muss bekannt sein
Die Befunde und der postoperative Verlauf müssen neben der Operation auch die präoperativ bekannten Begleiterkrankungen des Patienten berücksichtigen. Nur so kann zwischen einem chirurgischen Problem und einer neu aufgetretenen Komplikation unterschieden werden
Besonderheiten in der Abdominalchirurgie
Patienten mit deutlich eingeschränkten pulmonalen und kardialen Reserven profitieren von einer postoperativen intensiven Überwachung
Leberchirurgie:
Nachblutungen, Leberabszesse, Durchblutungsstörungen der Leber, Leberversagen
Pankreaschirurgie:
Nachblutungen, Infektionen, Fistelbildung
Aortenchirurgie:
Darmischämie, Entzündungen der Prothese, Blutungen
Notfalleingriffe:
Schwere Infektionen und nekrotisierende Gangrän
Intensivmedizin
416 B-2.7 · Abdominalchirurgie
Gallenblase:
Die Gallenblase kann bei Intensivpatienten einen Sepsisfokus darstellen. Eine akute Entzündung kann durch eine Sepsis eine hohe Mortalität erlangen
Peritonitis:
Bei kritisch-kranken Patienten häufig offene Bäuche mit täglichen Lavagen
Operationen am Dünndarm:
Die Fistelbildung hat eine hohe Letalität
Die drei wichtigsten Komplikationen nach einem viszeralchirurgischen Eingriff sind:
–Sepsis
–Nachblutung
–Postoperativer Ileus
Anastomoseninsuffizienz:
Nach Resektionen am Gastrointestinaltrakt ist bei einem prolongierten postoperativen Verlauf die Anastomoseninsuffizienz die wahrscheinlichste Komplikation. Zur Diagnosesicherung wird versucht, einen Farbstoff oder ein wasserlösliches Kontrastmittel in einer Zieldrainage nachzuweisen. Gegebenenfalls kann die Drainageflüssigkeit auch einer laborchemischen Untersuchung unterzogen werden. Bei zugänglichen Stellen können Anastomosen auch direkt oder endoskopisch auf ihre Suffizienz und ihre Vitalität hin untersucht werden
Weitere apparative Untersuchungsmöglichkeiten sind Ultraschalluntersuchungen oder Endosonographie. Die Sonographie und die Computertomographie eignen sich als Untersuchungsmethoden nach Eingriffen an parenchymatösen Organen, nach denen es zum Austritt organspezifischer Flüssigkeit mit sekundärer intraabdominaler Abszedierung kommt
Als Ultima ratio bei unklarem postoperativem Befund und kritischem Zustand des Patienten empfiehlt sich die diagnostische Relaparotomie
Postoperative Blutungen:
Der Zeitpunkt einer Blutung erlaubt Rückschlüsse auf deren Ursache: Innerhalb der ersten 24 h handelt es sich in der Regel um extraluminale Blutungen, die durch eine ungenügende Blutstillung im Operationsgebiet verursacht worden sind, im späteren postoperativen Verlauf sind Arrosionsblutungen durch Drainagen oder z. B. ein Tumoreinbruch die wahrscheinlichere Ursache. In der frühen postoperativen Phase können Blutungen auch durch Gerinnungsstörungen verursacht werden. Ursache ist
hier meist ein mangelnder Ersatz von Gerinnungsfaktoren nach größeren Verlusten
Die Behandlung einer postoperativen Blutung sollte kausal erfolgen: Eine chirurgische Blutung sollte chirurgisch versorgt werden, eine Blutung aufgrund von Gerinnungsstörungen sollte durch eine Optimierung der Gerinnungssituation behandelt werden
Abdominelles Kompartimentsyndrom; Therapie: Dekompression
Sepsis
Fieber und Leukozytose finden sich häufig nach abdominellen Eingriffen. Ein frühes Warnzeichen für eine beginnende Sepsis kann eine trotz ausreichender Volumentherapie und Schmerzmedikation anhaltende Tachykardie sein. Nach dem 4. oder 5. postoperativen Tag sollten sich die Schmerzen bei einem normalen postoperativen Verlauf auf ein erträgliches Niveau reduziert haben
Ein weiteres Warnzeichen ist schwierige Entwöhnung vom Respirator oder eine grenzwertige pulmonale Funktion nach der Extubation. Gelingt die Entwöhnung von der Beatmung nach dem 4. oder 5. Tag nicht, kann ein erhöhter Sauerstoffbedarf oder ein Lungenversagen im Rahmen einer Sepsis die Ursache sein
Hyperglykämie kann ein weiteres Warnzeichen für eine beginnende Sepsis sein
Flüssigkeitshaushalt:
In den ersten Tagen nach einem elektiven abdominellen Eingriff haben die Patienten (durch die Sequestrierung in den dritten Raum) häufig eine positive Flüssigkeitsbilanz. Im Verlauf des 3. oder 4. postoperativen Tages sollte die Bilanz langsam ausgeglichen sein und im weiteren Verlauf negativ werden. Hat der Patient einen anhaltend hohen Flüssigkeitsbedarf, kann dies auf ein septisches Geschehen hindeuten
Ileus:
Ein postoperativer paralytischer Ileus bildet sich meistens nach dem 5.–7. Tag nach dem Eingriff zurück. Ein prolongierter Ileus kann auf einen intraabdominellen septischen Fokus hinweisen
Literatur
Bartels H, Barthlen W, Siewert JR (1992) Therapieergebnisse der programmierten Relaparotomie bei der diffusen Peritonitis. Chirurgie 63: 174–184
417 B-2.8
B-2 · Besonderheiten bei der Behandlung nach Fachgebieten
Bartels H, Siewert JR (1991) Diagnostisches Vorgehen bei postoperativen Komplikationen in der Visceralchirurgie. Langenbecks Arch Chir Suppl: 130–134
Berger H, Pratschke E, Grab J, Winter T (1989) Perkutane Drainagebehandlung von Abszessen und liquiden Retentionen nach abdominellen Eingriffen. Chirurg 60: 873–877
Freischlag J, Busutill RW (1983) The value of postoperative fever evaluation. Surgery 94: 358
Gottlieb JE, Menasche PI, Cruz E (1986) Gastrointestinal complications in critically ill patients: The intensivists overview. Am J Gastroenterol 81: 227
Grabner JN, Schulte WJ, Condon RE et al. (1982) Relationship of duration of postoperative ileus to extent and site of operative dissection. Surgery 31: 141
Grund KE (1982) Behandlung funktioneller Ileusformen: Sympathikolyse und Stimulation. Dtsch Med Wochenschr 107: 209–213 Hedderich G, Wexler M, McLean APH et al. (1986) The septic abdomen: open management with Marlex mesh with a zipper. Surgery 36: 182
Hinsdale JG, Jaffe BM (1985) Reoperation for intra-abdominal sepsis. Am Surg 51: 149
Hölscher A (1992) Sonographie im postoperativen Verlauf (Bauch und Thorax). Chirurg 63: 606–611
Huddy SP, Joyce WP, Pepper JR (1991) Gastrointestinal complications in 4473 patients who underwent cardiopulmonary bypass surgery. Br-J-Surg 78 (3): 293–296
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B-2.8 Pädiatrische Intensivmedizin
M. Kastrup, I. Rundshagen
Die pädiatrische Intensivmedizin ist von der der Erwachsenen abgetrennt. Es kann dennoch vorkommen, dass auf einer allgemeinen Intensivstation Kinder betreut werden müssen. Im Folgenden werden deshalb die Besonderheiten der pädiatrischen Intensivmedizin dargestellt.
Intubation
Die meisten Kinder werden geplant nasotracheal intubiert. Im Notfall kann auch eine orotracheale Intubation durchgeführt werden. Vorteile der nasotrachealen Lage sind die sichere Fixierung des Tubus, die erleichterte perorale Nahrungsaufnahme und Mundpflege
Bei Kindern unter 6 Jahren werden in der Regel Tuben ohne aufblasbaren Cuff verwendet. Bei richtig
gewählter Größe ist ein ausreichender Abschluss des Tubus gewährleistet. Faustregel: Wenn bei einem Beatmungsdruck von 20–25 cm H2O ein Luftaustritt zu hören ist, ist die Tubusgröße ideal
Es sollte besonders auf die richtige Tiefe bei der Platzierung des Tubus geachtet werden. Eine zu tiefe Intubation führt zur endobronchialen Tubuslage mit der Folge von Atelektasen oder Barotraumen (interstitielles Emphysem, Pneumothorax)
Wie bei Erwachsenen wird die Tubuslage durch Auskultation, Palpation und Inspektion der symmetrischen Thoraxexkursionen überprüft. Eine Thoraxröntgenaufnahme wird zur Lagekontrolle nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden (CAVE: Strahlenbelastung)
Beatmung
Für die Beatmung von pädiatrischen Patienten werden entweder adaptierte Erwachsenengeräte (sofern diese für diesen Einsatz zugelassen sind und über entsprechend kleine Schläuche verfügen, CAVE: Totraumventilation) oder spezielle Babyrespiratoren eingesetzt (z. B. Babylog, Fa. Dräger)
Wie bei Erwachsenen werden die kleinen Patienten meist druckbegrenzt beatmet. Wichtig ist die sorgfältige Einstellung der Grenzen, weil die Gefahr eines Barotraumas bei Kindern wesentlich größer ist
Entsprechend der höheren spontanen Atemfrequenz werden Kinder mit einer höheren Atemfrequenz beatmet: Jenseits des Neugeborenenalters mit 30–40/min und Schulkinder mit 10–20/min
Monitoring
Ein sicheres Monitoring ist essenziell
Sobald die kritische Phase überwunden ist, sollte das Monitoring nichtinvasiv durchgeführt werden
Zentrales Nervensystem
ZNS: Engmaschige Erfassung des neurologischen Status und kindgerechte Erfassung der Sedierung und des Alters
Bildgebende Untersuchungen haben einen ähnlichen Stellenwert wie bei Erwachsenen. Zusätzlich bietet sich die Ultraschalluntersuchung durch die noch offene Fontanelle an
Intensivmedizin
418 B-2.8 · Pädiatrische Intensivmedizin
Herz-Kreislauf-System
Tachykardien:
Sind meist Folge eines verminderten Herzminutenvolumens. Es ist selten notwendig, die Frequenz medikamentös zu senken. Wichtig ist es, die Ursache für die Tachykardie zu erkennen und zu behandeln (Schmerzen? Hypovolämie? Hypoventilation? Azidose? Krämpfe? Sepsis? Perikarderguss? etc.)
Bradykardien:
Bei Bradykardien unter 80/min sollte die Frequenz bei Säuglingen auf 120–150/min und bei älteren Kindern auf 90–120/min angehoben werden (positiv chronotrope Pharmaka oder Schrittmacher)
Herzrhythmusstörungen sind, außer bei Kindern mit Vitien und nach Elektrounfällen, eine Seltenheit
Blutdruck:
Wird bei kritisch kranken Kindern, wie bei Erwachsenen, invasiv gemessen
ZVD:
Wichtig zur Steuerung der kardialen Medikation und zur Abschätzung des Flüssigkeitsbedarfs
(s. auch A-6.5 »Kinderherzchirurgische Eingriffe«)
Pulmonaliskatheter:
Für Kinder meist nicht verfügbar: transthorakale Echokardiographie kann ähnliche Befunde in der Hand des Geübten liefern
HZV:
Wird ebenfalls meist echokardiographisch abgeschätzt. Ansonsten werden klinische Parameter zur Berurteilung des Volumenstatus und der kardialen Pumpfunktion herangezogen: Perfusion der Extremitäten, Diurese etc.
Temperatur:
Analog bei Erwachsenen, schnelle Schwankungen möglich, bei Kindern besonders auf Auskühlung achten
Diurese:
Wichtiger Parameter in der klinischen Routine
Echokardiographie:
Wichtiges nichtinvasives Bedside-Verfahren
Atmung und pulmonale Funktion
Apnoealarm:
Eine Apnoe kann bei Neugeborenen und Säuglingen durch z. B. eine Sepsis, eine Hirnblutung oder eine Meningitis bedingt sein. Wichtig ist das frühzeitige Erkennen von Apnoephasen, da meist der Atemstillstand vor dem Herzstillstand auftritt. Bewährt
hat sich die Impedanzmessung über die EKGElektroden
Pulsoxymetrie:
Nichtinvasives Verfahren, bei Kindern allerdings häufig Bewegungsartefakte, bei Herzvitien sollten die Werte immer mit einer invasiven Sättigungsbestimmung verglichen werden
Transkutaner CO2-Partialdruck:
Indirekte Überwachung des Atemminutenvolumens. Die Sonde hat eine Heiztemperatur von 42 C und muss, um Verbrennungen zu vermeiden, regelmäßig an einer anderen Hautstelle angebracht werden. Ebenso regelmäßig muss eine Kalibrierung durchgeführt werden
Blutgasanalyse
Sie liefert, wie beim Erwachsenen, Informationen über Lungenfunktion, Kreislauf und Metabolismus
Bei guter peripherer Durchblutung (normalem Herzminutenvolumen) und sorgfältiger Hyperämisierung kann auch Kapillarblut dazu verwendet werden
Elektrolytund Flüssigkeitshaushalt
Kinder neigen aufgrund des erhöhten Wassergehaltes im Interstitium stärker als Erwachsene zur Ödembildung
Der Flüssigkeitsumsatz ist, bezogen auf das Gewicht, größer als beim Erwachsenen
Kleine Fehler in der Flüssigkeitszufuhr können schwere Folgen haben
Der Flüssigkeitsbedarf muss dem Krankheitsbild des Kindes angepasst werden: Intubierte Kinder benötigen weniger Flüssigkeit, bei Fieber muss die Zufuhr von Flüssigkeit entsprechend erhöht werden
Durch Durchfall und Erbrechen können rasche Volumenverluste auftreten und zu einer Dekompensation führen
Die Flüssigkeitstherapie wird durch Bilanzierung der Einund Ausfuhr, der Stuhlmenge, der Verluste über Drainagen und durch tägliche Bestimmung des Körpergewichts überwacht
419 B-2.8
B-2 · Besonderheiten bei der Behandlung nach Fachgebieten
Ernährung
Sie erfolgt vorzugsweise enteral über eine Magensonde oder peroral
Nach einem Versuch mit Elektrolytlösung erfolgt der schrittweise Aufbau bis zur normalen altersentsprechenden Ernährung
Ausnahmen: Kinder mit Magen-Darm-Operationen oder -Erkrankungen, anstehende Inoder Extubation oder Narkose
Kinder benötigen – bezogen auf das Gewicht – eine höhere Kalorien-, Eiweißund Fettzufuhr als Erwachsene
Eine parenterale Ernährung muss den erhöhten Kalorienbedarf berücksichtigen. Das Legen und die Pflege des hierzu benötigten zentralen Venenkatheters kann u. U. zu vermehrten Komplikationen führen: Thrombosen, Embolien, Gefäßperforationen, Entzündungen und Sepsis.
Bei zentralen Venenkathetern bei »Herzkindern« ist die Indikation zur Heparinisierung gegeben
Glukose:
Diabetische Entgleisungen sind sehr selten. Eine Hyperglykämie (infusionsbedingt) muss selten mit
Insulin behandelt werden: Meist reicht es aus, die Glukosezufuhr zu verringern. Hypoglykämien sind relativ häufig und sollten sofort behandelt werden
Niereninsuffizienz
Prävention, Diagnostik und Behandlung erfolgen analog zur Vorgehensweise bei Erwachsenen
In der postoperativen Phase wird bei Kindern die Peritonealdialyse bevorzugt. Sie ist leichter als eine Hämodialyse/-filtration durchführbar (technisch einfacher und hämodynamische Stabilität etc.)
Literatur
Pollack MM, Getson PR, Ruttimann UE et al. (1987) Efficiency of intensive care. A comparative analysis of eight pediatric intensive care units. JAMA 258 (11): 1481–1486
Wilkinson JD, Pollack MM, Glass NL et al. (1987) Mortality associated with multiple organ system failure and sepsis in pediatric intensive care unit. J Pediatr 111 (3): 324–328
Glass NL, Pollack MA, Ruttimann UE (1986) Pediatric intensive care: who, why, and how much. Crit Care Med 14 (3): 222–226 Pollack MM, Ruttimann UE, Glass NL et al. (1985) Monitoring patients in pediatric intensive care. Pediatrics 76 (5): 719–724
B-3
Zentrales Nervensystem
B-3.1 |
Analgosedierung und Entzugssyndrom 422 |
B-3.2 Zerebrale Ischämie 432
B-3.3 Subarachnoidalblutung 433
B-3.4 Status epilepticus 437
B-3.5 Der Umgang mit nicht einwilligungsfähigen
Patienten 441
B-3.6 |
Forcierter Opiatentzug in Narkose (FOEN) 442 |
B-3.7 Enzephalopathie 444
Intensivmedizin
422 B-3.1 · Analgosedierung und Entzugssyndrom
B-3.1 Analgosedierung
und Entzugssyndrom
D. Krahne, K. Bäsell, C. Spies
Dieses Kapitel der SOPs basiert auf den einstimmig verabschiedeten S2 Leitlinien zur Analgesie und Sedierung in der Intensivmedizin (11/04) der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI).
Durch eine effiziente Analgesie und Sedierung werden eine Toleranz der intensivmedizinischen Behandlung erreicht, vegetative Stressreaktionen des Patienten (Angstund Unruhezustände) gedämpft und negative Auswirkungen für den Organismus begrenzt. Sympathikusaktivierung mit einem Anstieg der Katecholaminund Kortisolproduktion kann zu unerwünschten Reaktionen wie einem Anstieg des Sauerstoffverbrauchs, dem gehäuften Auftreten von Dysrhythmien bis hin zu myokardialen Ischämien und Infarkten führen. Andererseits kann eine Überdosierung von Analgosedativa ebenfalls zu kardialer Instabilität sowie zu einer erhöhten Inzidenz von nosokomialen Infektionen mit konsekutiv verlängerter Intubationsund Beatmungsdauer führen.
Abgesehen von den medizinisch begründbaren Notwendigkeiten einer Analgosedierung ergibt sich den medizinisch Tätigen die ethische Verpflichtung, das Bewusstsein des Patienten vor möglicherweise schädigenden und schmerzhaften therapeutischen Maßnahmen zu schützen.
Die Analgosedierung kann als kontrollierte Dämpfung der Bewusstseinslage und effektive Ausschaltung des Schmerzempfindens bezeichnet werden [8, 12]. Sie sollte keine Fortführung einer Allgemeinanästhesie sein.
Ziele der Analgosedierung
Anxiolyse
Analgesie
Amnesie
Toleranz invasiver Behandlungsverfahren sowie intensiver Pflegemaßnahmen
Verminderung des O2-Verbrauchs
Schnelle neurologische Beurteilbarkeit
Erhaltung einer zirkadianen Rhythmik
Evidente Nachteile einer Analgosedierung
Atemdepression
Immobilisierung des Patienten
Monitoring des Sedierungsgrades – Ramsay-Sedation
Scale
Sedie- |
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Klinisches Bild |
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rungsgrad |
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R1 |
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Patient ist wach, ängstlich, agitiert |
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und/oder ruhelos |
R2 |
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Patient ist wach, orientiert, kooperativ |
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und ruhig (Beatmungstoleranz) |
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R3 |
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Patient ist bedingt ansprechbar, reagiert |
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nur auf Aufforderungen |
R4 |
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Patient ist nicht wach, Reaktionen auf |
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laute Ansprache oder Beklopfen der |
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Nasenwurzel sind lebhaft |
R5 |
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Patient ist nicht wach, träge Reaktionen |
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auf laute Ansprache oder Beklopfen der |
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Nasenwurzel |
R6 |
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Patient ist nicht wach, keine Reaktionen |
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auf laute Ansprache oder Beklopfen der |
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Nasenwurzel |
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Unterschiedliche substanzspezifische Nebenwirkungen
Neben indirekten vegetativen Reaktionen (Tränenfluss, Pupillenweite, Herzfrequenz, Blutdruck, Atemfrequenz) ist eine sorgfältige Überwachung des Sedierungslevels mit Hilfe von Scoringsystemen unerlässlich, um unangemessene Überdosierungen mit erhöhtem Nebenwirkungsrisiko zu vermeiden. Praktikabel erscheint die routinemäßige Anwendung der Ramsay-Sedation Scale (RSS). Die Tabelle zeigt das Monitoring des Sedierungsgrades nach dem RSS.
Der Einsatz objektiver Messmethoden (z. B. bispektraler Index, akustisch evozierte Potenziale) sollte bei tiefst sedierten bzw. neuromuskulär blockierten Patienten angestrebt werden.
Ein erschwerender Umstand der bedarfsgesteuerten Analgesie ist die ungenügende Quantifizierbarkeit der Schmerzen des Intensivpatienten. Ein Vorteil bei wachen, kooperativen Patienten (R2) ist, dass die Option besteht, die Analgesie mittels der Visuellen Analog Skala (VAS) zu ermitteln. Bei der Beurteilung der Analgesie sind wir bei nicht wachen Patienten auf die Interpretation klinischer Zeichen und persönliche Erfahrungen angewiesen, die bei der Interferenz von Bewusstseins-
423 B-3.1
B-3 · Zentrales Nervensystem
Behavioral-Pain-Scale
Item |
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Beschreibung |
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Gesichts- |
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entspannt |
ausdruck |
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teilweise angespannt |
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stark angespannt |
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Grimmassieren |
Obere |
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keine Bewegung |
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Extremität |
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teilweise Bewegung |
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Anziehen mit Bewegung der |
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Finger |
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ständiges Anziehen |
Adaptation |
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Tolerieren |
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an Beat- |
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seltenes Husten |
mungs- |
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Kämpfen mit Beatmungsgerät |
gerät |
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kontrollierte Beatmung nicht |
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möglich |
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Punkte |
1 |
2 |
3 |
4 |
1 |
2 |
3 |
4 |
1 |
2 |
3 |
4 |
ausschaltung und Schmerzempfinden der spezifischen Ermittlung des jeweiligen Bedarfs an Sedativa und Analgetika im Wege stehen. Empfohlen werden kann die Behavioral Pain Scale (BPS), die es ermöglicht, auch bei tiefer sedierten Patienten eine Quantifizierung der Schmerzintensität vorzunehmen.
Richtlinien zur Analgosedierung
Sedierungsprinzipien
Analgosedierung statt Narkose (in der Regel RSS 2; VAS ?3)!
Grundsätzlich sollte ein RSS von 2 angestrebt werden. Indikationen für eine tiefe Sedierung (RSS 5–6) sind inadäquate Ventilation mit Schwierigkeiten bei der mechanischen Ventilation, Hirndrucksymptomatik mit drohender Einklemmung, Senkung des O2-Verbrauchs bei Hypoxiegefahr
Getrennte Verabreichung von sedierender und analgetischer Medikation zur Vermeidung einer fixen Medikamentenkombination, die keine bedarfsgesteuerte Dosierung erlaubt
Tägliche Evaluation der Notwendigkeit von Analgosedierung und des Bedarfes an sedierender und analgetischer Medikation mit entsprechender Dosisanpassung
Ausschleichendes Absetzen der Medikation nach langfristiger Analgosedierung
Geeignete Konzepte
Kurzzeitanalgosedierung (wenige Stunden postoperativ)
Propofol (bis 4 mg/kg/h) oder bolusweise Applikation von Midazolam zur Sedierung und
Piritramid (3–5 mg) intermittierend zur Analgesie oder
Remifentanil (0,1–0,2 g/kg/min)
Mittelfristige Analgosedierung (24–48 h)
Propofol (bis 4 mg/kg/h) und Sufentanil (0,15–0,7 g/kgKG/h)
Midazolam (3–10 mg/h) und Sufentanil (0,15–0,7 g/kgKG/h)
Langfristige Analgosedierung (> 48 h)
Midazolam (3–10 mg/h) und Fentanyl (0,05–0,1 mg/h)
Midazolam (3–10 mg/h) und Ketamin (0,4–3,0 mg/kgKG/h)
Propofol (bis 4 mg/kg/h) und Ketamin (0,4–3,0 mg/kgKG/h)
Clonidin als Monotherapie Perfusor: 0,3–1,3 g/kg/h oder
Kombinationstherapie (Sedativum plus Clonidin oder Opioid plus Clonidin in der oben genannten Dosierung oder Therapie aus Sedativa, Opioiden und Clonidin).
Zusammenstellung gebräuchlicher
Substanzklassen und ihrer Vertreter
Benzodiazepine
Wirkungen
Anxiolytisch – antikonvulsiv – zentral relaxierend sedierend/hypnotisch
Dosis-Wirkungs-Beziehung in niedrigem Dosisbereich; Amnesie (bei schneller Anflutung im ZNS)
Bemerkungen/Indikationen
Langzeitsedierung
Große therapeutische Breite
Abhängigkeitspotenzial (auch in therapeutischer Dosierung) und Gefahr des akuten Entzugs
»Ceiling-Effekt« (nach Sättigung der GABA-Rezep- toren führt eine Erhöhung der Dosis nur noch zur Verstärkung der Nebenwirkungen)
Intensivmedizin
424 B-3.1 · Analgosedierung und Entzugssyndrom
Häufig aktive Metaboliten mit längerer HWZ als Grundsubstanz (Kumulationsgefahr!)
Erheblich verlängerte HWZ im Alter (Diazepam bis zu 200%)
Paradoxe Erregung (hohes Alter, Kinder)
CAVE: Intraarterielle Injektion
Dosierung
Perfusor: 45 (90) mg Midazolam/45 ml NaCl 0,9% = 1 (2) mg/ml
Dosis: 2–10 (–15) mg/h (maximal 30 mg/h)
Propofol
Wirkungen
Sedativ-hypnotisch, keine Analgesie
Bemerkungen/Indikation
Kurzzeitsedierung: Induktion eines Tag-Nacht- Rhythmus in der Weaningphase
Gut steuerbar aufgrund kurzer Halbwertszeit mit kurzer Aufwachzeit (10–20 min)
Keine analgetische Wirksamkeit
Keine Kumulation
Keine aktiven Metaboliten
Kein Einfluss auf Magen-Darm-Motilität
Keine Histaminliberation
Blutdruckabfall durch peripheren Widerstandsverlust
Anstieg von Triglyceriden, Amylase, Lipase bei Langzeitsedierung (> 24 h) möglich (10 bzw. 20%ige Fettemulsion!) – Kontrolle und Mitbilanzierung!
Kontamination möglich
Dosierung
(1,5)–2–(4) mg/kgKG/h als Erhaltungsdosis (ggf. initialer Bolus von 1 mg/kgKG)
Dosisbegrenzung, da Gefahr des Propofolinfusionssyndroms (insbesondere bei Kindern) bei prolongierter Anwendung (> 48 h) (mögliche Symptome: Herzrhythmusstörungen, Herzversagen, Rhabdomyolyse, schwere metabolische Azidose, ANV) [23]
bei Auftreten von Symptomen des Propofolinfusionssyndrom, auch bei geringerer Dosierung, muss die Infusion sofort gestoppt werden. Alternativ können Benzodiazepine eingesetzt werden
Barbiturate
Wirkungen
Ausschließlich hypnotisch
Bemerkungen/Indikationen
Die Reduktion des Hirnstoffwechsels durch Senkung des Sauerstoffund Glukoseverbrauchs führte zum favorisierten Einsatz der Barbiturate bei neurochirurgischen und neurotraumatologischen Indikationen
Vorteil der Sedierung mit Methohexital: gute Steuerbarkeit
Hirndrucksenkender Effekt
Vergleichsweise geringere Nebenwirkungen auf das Gastrointestinum
Atemdepression
Kardiovaskuläre Depression (Herzzeitvolumen und Blutdruck erniedrigt)
Histaminfreisetzung
Enzyminduktion in der Leber: Dosissteigerung
»Antianalgetischer« Effekt
Gefäßreizung – obligater zentralvenöser Zugang
Kontraindikationen:
Hepatische Porphyrie, Asthma bronchiale, Leberversagen, katecholaminrefraktäre kardiozirkulatorische Insuffizienz
Die höhere Lipophilie von Methohexital im Vergleich zu Thiopental bewirkt kürzere Halbwertszeiten, somit eine bessere Steuerbarkeit der Sedierungstiefe und hat dadurch Thiopental aus den intensivmedizinischen Sedierungskonzepten verdrängt
Durch den oben genannten hyperalgetischen Effekt ist in der Regel die Kombination mit einem Opioid erforderlich
Dosierung
Methohexital-Perfusor: 500 mg 50 ml NaCl 0,9% (10 mg/ml)
Dosis: »loading dose« von 1–2 mg/kgKG – weiter durch kontinuierliche Gabe von 20–50 mg/h
Phenobarbital: (orale Langzeitsedierung von Kindern) – Aufsättigung 10 mg/kgKG/Tag
(am 1. Tag verteilt auf 2–3 ED) – 5 mg/kgKG/Tag (verteilt auf 2 ED) Perfusor: 25–50 mg/h bei angestrebter »burst suppression« im EEG
(in Deutschland nicht im Handel)
