- •Vorwort
- •Thema 1 Vorgangspassiv
- •1.1 Bildung des Passivs
- •1.1.1 Passivbildung in Aufgaben
- •1.1.2 Passiv mit Modalverben
- •1.2 Lexikalische Einschränkungen
- •1.3 Ableitung aus dem Aktiv
- •1.4 Übersetzung des Passivs ins Ukrainische
- •1.5.1 Das zweigliedrige Passiv
- •1.5 Gebrauch des Passivs
- •1.5.2 Dreigliedrige passivische Satzkonstruktion
- •1.5.3 Subjektlose Passivkonstruktion
- •Thema 2 Zustandspassiv
- •Thema 3 Konkurrenzformen des Passivs (Passiv-Paraphrasen, Passivfeld)
- •Zusätzliche Aufgaben zur Selbstarbeit
- •1) Inventur im Ozean abgeschlossen
- •Viel mehr Leben im Meer
- •2) “Computer werden unsichtbarer”
- •3) Mit dem Aufzug aufs Feld
- •1) Das Buch lebt!
- •2) Überlebensfaktor der t-Zellen entdeckt
- •3) Erbrechtsreform verabschiedet
- •4) Wer bin ich, wenn ich online bin...?
- •Begriffsverzeichnis
- •Zusätzliche Literatur
1.5 Gebrauch des Passivs
Der Gebrauch des Passivs ist berechtigt:
1) wenn im Mittelpunkt der Vorgang selbst steht.
Beispiel: Im Frühling wird auf dem Felde gepflügt, geeggt, gesät.
2) wenn eine Person oder ein Gegenstand, denen etwas geschieht, besonders hervorgehoben werden soll:
Beispiel: Reinigungskräfte werden gesucht.
Das Subjekt ist Zielpunkt der Handlung (das Patiens).
3) wenn der Urheber (der Täter, der Handlungsträger, das Agens) der Handlung angegeben wird, er tritt im Satz als Objekt auf:
Beispiel: Alle Aufträge werden von ihr rechtzeitig erfüllt.
Demnach unterscheidet man drei Passivkonstruktionen:
1) Das dreigliedrige Passiv besteht aus drei Gliedern:
dem Subjekt (Zielpunkt der Handlung), dem Prädikat (Handlung) und dem präpositionalen Objekt (Träger der Handlung).
Beispiel: Die Mutter bäckt (der Tochter) den Kuchen. Der Kuchen wird (der Tochter) (von der Mutter) gebacken.
2) Das zweigliedrige Passiv besteht aus zwei Gliedern:
dem Subjekt (Zielpunkt der Handlung) und dem Prädikat (Handlung).
3) Das eingliedrige Passiv (die subjektlose Passivkonstruktlon, das unpersönliche Passiv). Durch Ausschaltung des Agens und des Patiens (bei transitiven Verben) rückt die Handlung in den Mittelpunkt.
1.5.1 Das zweigliedrige Passiv
Die Gebrauchsfrequenz des zweigliedrigen Passivs ist gegenüber dem dreigliedrigen Passiv ungefähr 4:1. Es zeugt davon, dass die Ausschaltung des Agens aus der Darstellung die wichtigste Funktion des Passivs ist (O. I. Moskalskaja, Grammatik der deutschen Gegenwartssprache). Die Ausschaltung des Agens hat verschiedene Ursachen: das Agens ist nicht bekannt, oder es ist allgemein bekannt, der Täter darf oder soll aus irgendeinem Grund nicht genannt werden u.a.
Die zweigliedrige Passivkonstruktion steht ihrer Bedeutung nach der Aktivkonstruktion, in der als Subjekt das Indefinitpronomen “man” fungiert, sehr nahe.
Beispiel: Man hat das Referat besprochen. ‑ Das Referat wurde besprochen.
Die Ausschaltung des Agens hilft eine bestimmte stilistische Wirkung erzielen: die Aufzählung einer Reihe von Handlungen betont die Dynamik der Ereignisse, stellt sie als einen Prozess dar.
Mit und ohne “es”:
In Passivsätzen, deren Subjekt nicht den bestimmten Artikel hat, steht häufig das Pronomen “es” als stellvertretendes Subjekt am Satzanfang.
Beispiel: Es wurden Fahnen geschwenkt. Es erscheint aber nie bei Subjekten mit bestimmtem Artikel.
Es steht nur am Anfang eines Hauptsatzes. Es steht nie in Nebensätzen und Fragen.
Fragen zur Selbstkontrolle:
1. In welchen Fällen gebraucht man Passiv?
2. Wie viele Typen der Passivkonstruktionen gibt es?
3. Wie sind die Ursachen der Ausschaltung des Agens aus dem Satz?
4. Was ist für die zweigliedrige Passivkonstruktion typisch?
Praktische Aufgaben zum Thema:
ÜBUNG 1. Analysieren Sie folgende Sätze: Muster: Immer wieder wurde seine Mutter in die Schule eingeladen. – Das Präteritum Passiv des Verbs “einladen” drückt eine Handlung in der Vergangenheit aus, die auf das Subjekt gerichtet ist. Das zweigliedrige Passiv.
1. In diesem Bezirk werden neue Häuser gebaut, 2. Die Brücke wurde erst vor kurzem renoviert. 3. In dieser Industriestadt sind neue Grünanlagen angelegt worden. 4. Nachdem alle Hefte eingesammelt worden waren, verließ der Lehrer die Klasse. 5. In vielen Hochschulen werden die Fernstudenten zweimal im Jahr versammelt. 6. Während der Pause wird das Klassenzimmer gelüftet werden. 7. Beim Chateaubrind (die Speise) war zwar die Silberplatte gefüllt mit vielerlei winzigen Gemüsen, der Batzen Fleisch aber durch eine Scheibe Brot ersetzt worden (B. Wogatzki). 8. Ihr feuchter Mund spielt ihm ein gewinnendes Lächeln vor. Die Lippen sind mit sinnlichem Glanz versehen worden (Ebenda). 9. Er merkt deutlich, wie jede Reaktion überwacht wird (Ebenda). 10. Es wird, zumal auf Sitzungen, eine Ausdrucksweise von ihm erwartet (Ebenda). 11. Sein “Problem” ist gar nicht erwähnt worden (Ebenda).
ÜBUNG 2. Lesen Sie den folgenden Text. Beachten Sie den Gebrauch des Passivs. Geben Sie den Inhalt des Textes wieder, gebrauchen Sie dabei die zweigliedrige passivische Konstruktion.
Fürsorgliche Menschen leben glücklicher
Menschen können ihr Glück selbst in die Hand nehmen ‑ sie sind nicht die Sklaven ihrer Gene. Das hat eine Auswertung von Fragebögen Zehntausender Menschen aus 25 Jahren ergeben. Egoismus schadet demnach der eigenen Zufriedenheit. Andere Faktoren verbessern das Befinden.
Berlin – In den neunziger Jahren gab es einen Wandel in der Psychologie. Immer mehr Wissenschaftler glaubten, dass Zufriedenheit wesentlich vom Erbgut beeinflusst ist. Glück sei ein genetisch bedingter Charakterzug, der in der Kindheit geprägt wird und lebenslang weitgehend konstant bleibe. Eine neue Studie widerspricht nun der vorherrschenden Theorie: Jeder Mensch kann demnach sein Wohlbefinden durch private und berufliche Entscheidungen dauerhaft beeinflussen.
Eine gute Partnerschaft, soziales Engagement, Freundschaften – solche Faktoren sind einer deutschen Langzeitstudie zufolge der Schlüssel zu einem glücklichen Leben. Das berichten Forscher im Wissenschaftsmagazin “Proceedings of the National Academy of Sciences”.
Der Studie zufolge hängt Zufriedenheit weit weniger von den Genen ab als bisher vermutet. “Zu versuchen, glücklicher zu werden, galt lange Zeit als ebenso aussichtsreich wie zu versuchen, als Erwachsener noch größer zu werden”, sagt Gert Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). “Unsere Studie widerlegt dieses Bild”.
Christen und Muslime ähnlich
Die Forscher um Wagner werteten die weltweit größte Langzeitstudie zu Zufriedenheit aus. Darin beantworteten Zehntausende Bundesbürger über 25 Jahre Fragen zu ihrem Leben. Resultat: Wohlbefinden ist keineswegs ein stabiler Charakterzug, sondern hängt maßgeblich von den Lebensumständen ab. Wichtig sind vor allem fünf Bereiche: Partnerschaft, Lebensziele, soziale Kontakte, Lebensstil, Religiosität und das Verhältnis von Arbeit zu Freizeit.
Beispiel Partnerschaft: Wichtig ist der Studie zufolge vor allem die emotionale Stabilität des Partners. Die Beziehung etwa zu einem neurotischen Menschen dämpft demnach die Lebensfreude empfindlich.
Weiteres Resultat: Uneigennützige Menschen, die sich sozial oder politisch engagieren, leben glücklicher als Personen, die die eigene Karriere verfolgen und nach materiellen Zielen streben. Dies erklärt vielleicht, warum auch religiöse Menschen generell besser gestimmt waren – unabhängig davon ob es sich um Christen oder Muslime handelte.
Freunde machen froh
Weniger überraschend ist dagegen, dass soziale Kontakte die Lebensqualität steigern. “Menschen sind am zufriedensten, wenn sie von Freunden umgeben sind”, sagt der an der Untersuchung beteiligte Soziologe Bruce Headey von der Universität Melbourne. Die Ergebnisse unterstreichen laut Wagner, wie wichtig soziale Ziele für ein gutes Leben sind. “Und sie bestätigen, dass zu viel Egoismus und rein ökonomisches Wachstum einer Gesellschaft nicht guttun”, sagt er.
Allerdings schränken die Forscher ihre Resultate etwas ein: Zwar beeinflusse die Lebenssituation die Zufriedenheit, aber umgekehrt wirke sich die Stimmung eines Menschen auch auf seine Entscheidungen aus: So falle es etwa depressiven Menschen schwer, soziale Kontakte zu pflegen oder regelmäßig Sport zu treiben.
Dennoch stimmt das Resultat die Forscher optimistisch: “Wir sind keine reinen Sklaven unserer Gene und frühkindheitlicher Prägung”, betont Wagner. “Das sollte allen zu denken geben, die uns weismachen wollen, alles sei genetisch determiniert” /Spiegel.de 05.10.2010/.
ÜBUNG 3. Suchen Sie in der Zeitung Notizen, wo zweigliedrige passivische Sätze vorkommen. Erzählen Sie diese Texte nach.
ÜBUNG 4. Merken Sie sich die gebräuchlichsten Redensarten.
1. Sie werden verlangt (erwartet, gebeten). 2. Er wird geachtet (geliebt, bemitleidet). 3. Ich bin eingeladen (herzlich empfangen, den Gästen vorgestellt) worden. 4. Er wurde ausgelacht (geprügelt, verhöhnt). 5. Ich will nicht getröstet (bemitleidet, daran erinnert) werden. 6. Ich werde aufgerufen. 7. Wir wurden gestört (getrennt). 8. Er wird zurückerwartet. 9. An mich wird die Frage gerichtet.
ÜBUNG 5. Übersetzen Sie ins Deutsche:
1. Тебе просять до телефону. 2. Тебе просять тут не палити. 3. Припини мене висміювати. Мене ще ніколи так не висміювали. 4. Його представили гостям. 6. ЇЇ поважають і люблять. 6. Я не хочу, щоби мені про це нагадували. 7. Я з нетерпінням чекаю, коли мене покличуть. 8. Нажаль нашу бесіду перервали. 9. Зроби радіо тихіше, щоби не заважати сусідам.
ÜBUNG 6. Beantworten Sie folgende Fragen, die mit dem unbestimmt-persönlichen “man” gebildet sind, mit Hilfe von passivischen Sätzen.
Beispiel: Was trinkt man in England? (Tee) ‑ In England wird Tее getrunken.
1. Was singt man in Polen? (viele Volkslieder). 2. Was isst man in den arabischen Ländern? (Reis). 3. Welche Bodenschätze fördert man in Russland? (Kohle, Erdöl). 4. Welche Feiertage begeht man in der BDR? (Neujahr, Weihnachten). 5. Was schreibt man zum Jahreswechsel? (Glückwunschkarten). 6. Was verkauft man in der Buchhandlung? (schöngeistige Literatur). 7. Was behandelt man in dieser Klinik? (Hals-, Nasen- und Ohrenleiden). 8. Was erzeugt man aus Braunkohle? (Energie, Benzin, Gas, Koks, Plaste).
ÜBUNG 7. Setzen Sie das Verb in die entsprechende Form des Passivs:
1. Im Kino führt man einen neuen Film vor. 2. Auf der Konferenz hielt man viele inhaltsreiche Vorträge. 3. Man schmückt die Häuser. 4. Man übersetzte den Roman ins Russische. 4. Man schreibt die Substantive im Deutschen groß. 5. Man unterstreicht einige Wörter und Nebensätze. 6. Man bildet Beispiele, man beantwortet die Fragen.
ÜBUNG 8. Übersetzen Sie ins Deutsche:
1. Діти виховуються у школі і вдома. 2. Заняття з літератури проводяться на німецькій мові. 3. На занятті були опитані 4 студента. 4. Домашнє завдання написано на дошці. 5. Після того як речення було написано, дошка була витерта. 6. Після того як тарілка була вимита, вона була витерта. 7. Обидві квартири були відремонтовані у строк. 8. Його зпитали про професію і адресу. 9. Ця будівля була зруйнована під час війни. 10. Тут створили хороші умови для роботи. 11. Після того як екзамен був сданий, ми поїхали додому. 12. Лист будет написаний завтра. 13. Про розклад буде повідомлено вам завтра. 14. Де буде готуватися обід? 15. Коли диктант написаний, текст читається ще раз. 16. Суха білизна прасується, складається і кладеться до шафи. 17. Температуру треба вимірювати кожного дня. 18. На стіл ставляться 2 тарілки, коло них кладуться ножи та виделки. 19. Коли розбита ваза? 20. Вуголь добувається у ФРН під Лейпцигом, Галле, Котбуссі. 21. Вперше Лейпцигський ярмарок був згаданий в документах у 1165 році. 22. Нажаль нашу бесіду перервали. 23. Мені подарували букет квітів.
