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4 Internet-Leitfaden.doc
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1. Vorbemerkung

Internet und kein Ende … - aber über den Mehrwert des Mediums sind die Anwender noch immer geteilter Meinung. Fundgrube oder Chaos, Faszination oder Horror, Tempo oder Zeitverschwendung, letzter Schrei oder Déjà-vu, Brücke oder Graben - kurz: Segen oder Fluch für die Menschheit?

   Die Gesellschaftsdebatte ist in vollem Gange. Eins aber ist sicher: Aus unserem Alltag ist das Internet nicht mehr wegzudenken. Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wie wir mit diesem Medium arbeiten wollen. Aus Interesse an dieser Entwicklung haben sich mehrere DAAD-Lektorinnen im Herbst 2000 zur AG Internet zusammengefunden: Wir wollten Ideen sammeln, für uns erste Antworten finden und für unsere Kollegen konkrete und praxisnahe Vorschläge erarbeiten. Was dabei herausgekommen ist, haben wir in diesem Leitfaden zusammengefasst. Er ist gedacht als pragmatische Hilfestellung für Lektoren, die in Frankreich DaF unterrichten und das Internet in diesem spezifischen Kontext nutzen möchten.

   Für uns ist das Internet eine bequeme Möglichkeit, aus der Distanz an aktuelle Informationen zu kommen, sie ggf. für den Unterricht nutzbar zu machen, oder auf bereits didaktisiertes Material zurückzugreifen. Auch für andere Aspekte unseres Tätigkeitsbereiches (Studienberatung, Weiterbildung, eigenes wissenschaftliches Arbeiten, Austausch mit Kollegen) ist der online-Anschluss einfach zeitgemäß.

   Für Studenten ist das Internet attraktiv als authentisches Medium der Zielkultur. Neben den diversen Recherchemöglichkeiten (Referate, Praktikumsplätze) stehen ihnen jetzt - auch außerhalb des Unterrichts - Kommunikations- und Selbstlernangebote zur Verfügung.

   Gerade wenn wir uns als Vertreter der jungen Lehrergeneration verstehen, sollten wir dieses Potenzial auf keinen Fall unausgeschöpft lassen. Jeder von uns nutzt bereits die neuen Medien, und es kann nur in unserem Interesse sein, auch an den Universitäten die bestehenden Strukturen schrittweise mit mehr Leben zu füllen. Wir hoffen, dass dieser Leitfaden Euch dabei helfen kann.

Zum Thema DaF-Didaktik und Internet häufen sich inzwischen die Aufsätze. Wir möchten daher hier nur in Stichworten die didaktischen Möglichkeiten (und Grenzen) aufzeigen, die das Internet für das Fremdsprachenlernen und -lehren bietet:

  • Das Fremdsprachenlernen wird multimedial, das heißt viele Sinne werden angesprochen, dadurch steigt die Verarbeitungstiefe und somit die Behaltensleistung.

  • Das Internet bietet eine Fülle von Texten (in Audio-, Video- und Schriftform), das heißt der Fremdsprachenunterricht gewinnt an Authentizität.

  • Die Arbeit mit dem Internet birgt hervorragende Möglichkeiten für den Projektunterricht.

  • Das Internet bietet vielfältige Möglichkeiten zur Vernetzung, zur Kommunikation mit anderen Lernern und Lehrern, mit Muttersprachlern (e-Tandem, e-mail-Austausch, Chats etc.)

  • Das Internet trägt zur Individualisierung des Lernens bei, das Lernen entspricht dem neueren kognitiv-konstruktivistisch geprägten Lernbegriff.

Alles in allem kann das Internet also eine reiche Lernumgebung sein, die das Lernen mit Werkstattcharakter fördert und auch die Möglichkeit bietet, Arbeitsergebnisse zu veröffentlichen. Für die Lehrer und Lerner bedeutet dies zunächst eine Motivationssteigerung. Allerdings können hier auch Hürden auftauchen: 

  • In der Praxis gilt es organisatorische Schwierigkeiten zu überwinden: technische Ausstattung, persönliche Vorkenntnisse des Kursleiters und der Teilnehmer.

  • Es ist unerlässlich, den Ablauf und die Arbeitsaufträge genau vorzubereiten (am besten erfahrungsgemäß immer noch getippt auf Kopien).

  • Tote Links, die den Lerner in Sackgassen führen, und die Uferlosigkeit des Mediums („lost in cyberspace“) können die anfängliche Motivation auch ins Gegenteil umschlagen lassen. Deshalb sollte man selektiv und gesteuert mit dem Medium arbeiten.

  • Man sollte sich die Zeit nehmen, die Seiten im Voraus auf ihre Glaubwürdigkeit und Repräsentativität zu prüfen.

 

Wie sehen nun die konkreten Verhältnisse vor Ort aus? Um die gegenwärtige Situation einschätzen zu können, haben wir im Frühsommer 2001 eine Umfrage bei den DAAD-Lektoren in Frankreich durchgeführt. Die 42 Antworten ergaben folgendes Stimmungsbild:

Die überwiegende Mehrheit der Lektoren verfügt über einen unbeschränkten Internet-Zugang, der auch zur Recherche und bei 50% zum Kontakt mit Studenten genutzt wird. Immerhin ein Drittel verwendet das Internet im Kurs.

   An 12 Universitäten wird das Internet bereits im oder außerhalb des Unterrichts genutzt. Bei der Hälfte bis zwei Dritteln der Studenten kann man grundsätzlich mit Vorkenntnissen in der Computer- und Internetnutzung rechnen (Tendenz steigend). Für die Kursplanung stellt sich also das Problem, wie man mit den unterschiedlichen Vorkenntnissen umgeht, denn ca. ein Drittel der Teilnehmer hat eben keinerlei Vorwissen! Je nachdem und entsprechend den Lernzielen (freie Arbeit oder gezielte Arbeit auf vorgegebenen Internetseiten) empfiehlt sich eine Einführungsstunde zu Terminologie, Technik und Recherchemöglichkeiten.

Wer einen Internetkurs plant, sollte im Vorfeld die folgende Checkliste durchgehen:

a) für die Arbeit am Computer im Kurs:

  • Ist der Computerraum (an 95% der Unis vorhanden) für die Kursstärke groß genug? An einem Arbeitsplatz sollten nicht mehr als zwei Studenten sitzen.

  • Ist die Übertragungsgeschwindigkeit auch dann ausreichend, wenn alle Computer gleichzeitig im Netz sind?

  • Wann muss der Raum reserviert werden? Oft ist das nur für einzelne Sitzungen, nicht aber für ein ganzes Semester möglich.

b) für die Arbeit im Internet außerhalb des Kurses (Referatvorbereitung, Hausaufgaben):

  • Man kann nicht davon ausgehen, dass die Studenten privat mit Computer, geschweige denn mit Internetzugang ausgestattet sind. Ein Zugang an der Uni ist aber bei 95% möglich, die Einrichtung einer e-mail-Adresse bei 80%. An wen müssen die Studenten sich dafür wenden?

  • Sind die Wartezeiten vor den Computerräumen zumutbar? Bei einem Drittel der Unis übersteigen sie eine halbe Stunde.

Offensichtlich sind die technischen Voraussetzungen derzeit oft noch nicht optimal, aber mit etwas Vorplanung gibt es an den meisten Universitäten bereits gute Möglichkeiten, um mit Studenten im Internet zu arbeiten.