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Züge, die alleine fahren
Es war der längste Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn: 75 Stunden lang fielen im November 2014 die Züge aus, weil die Lokführer nicht zur Arbeit gingen. Und das, nachdem sie schon im Oktober mehrere Male gestreikt hatten. Die Kunden der Bahn zeigen dafür kein Verständnis mehr und ärgern sich über die vielen ausgefallenen Züge. Aber könnte man auf Lokführer wirklich verzichten? In Großstädten wie New York, Paris, Peking oder Barcelona gibt es führerlose U-Bahnen schon lange. Und auch Nürnberg hat seit 2008 zwei U-Bahnlinien, die keine Lokführer brauchen. Der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg spart dadurch Personal. Außerdem sorgt das System „für deutlich mehr Sicherheit im täglichen Nahverkehr“, meint Elisabeth Seitzinger, Sprecherin des VGN. Die Bahnen erkennen zum Beispiel, ob etwas die Türen behindert oder Gegenstände auf den Schienen liegen. Auch den Nürnberger Fahrgästen gefällt inzwischen die U-Bahn ohne Lokführer. „Wir haben sogar Touristen, die extra deswegen nach Nürnberg kommen“, sagt Seitzinger. Matthias Klingner, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme, glaubt, dass sich diese neue Technik in der U-Bahn durchsetzen wird. Doch das gilt seiner Ansicht nach nicht für den überirdischen Schienenverkehr. Denn hier kann es passieren, dass Menschen einfach auf die Gleise laufen. Und die Geschwindigkeit der Züge ist oft höher. Klingner erklärt: „Potenzielle Gefahren für den Menschen kann man in der U-Bahn deutlich besser abschirmen, weil sie unterirdisch verläuft. Es gibt keinen freien Zugang zu den Gleisen.“ Technisch wären Züge ohne Fahrer also möglich, aber nicht für alle Strecken geeignet. Auch ist die Automatisierung wenig befahrener Strecken zu teuer. Darum wird es auch in Zukunft Lokführer geben. Und das ist gut: Denn ohne Lokführer könnte niemand einem verspäteten Fahrgast noch einmal die Türen aufmachen.
Glossar Lokführer, -/Lokführerin, -nen – die Person, die den Zug fährt Fahrgast, -gäste (m.) – eine Person, die ein Verkehrsmittel benutzt führerlos – ohne Fahrer aus|fallen – nicht stattfinden; hier: nicht fahren auf etwas verzichten – etwas freiwillig nicht nutzen Verkehrsverbund, -e (m.) – die Organisation, die den öffentlichen Verkehr regelt Personal (n., nur Singular) – die Mitarbeiter einer Firma Nahverkehr (m., nur Singular)– die öffentlichen Verkehrsmittel einer bestimmten Region Sprecher, -/Sprecherin, -nen – die Person, die eine Organisation in der Öffentlichkeit (besonders in der Presse) vertritt Schiene, -n (f.) – die Stange aus Metall, auf der Züge fahren extra – nur; allein Infrastruktur, -en (f.) – alle notwendigen Anlagen für eine bestimmte Tätigkeit (hier: z. B. Verkehrswege, damit Züge fahren können) sich durch|setzen – hier: üblich werden; überall normal werden überirdisch – so, dass etwas über der Erde ist (Gegensatz: unterirdisch) potenziell – möglich etwas ab|schirmen – dafür sorgen, dass etwas keinen Kontakt mit etwas anderem hat verlaufen – hier: in eine bestimmte Richtung gehen (in diesem Fall: unter der Erde sein) Zugang, -gänge (m.) – hier: die Möglichkeit, an etwas heranzugehen Automatisierung, -en (f.) – der Prozess, der dafür sorgt, dass etwas selbstständig läuft befahren – so, dass eine Strecke von einem Verkehrsmittel genutzt wird Fragen zum Text 1. Welche Aussage steht im Text? a) Durch die Automatisierung der U-Bahn braucht man weniger Mitarbeiter. b) Die Fahrgäste in Nürnberg haben noch zu viel Angst vor den Zügen ohne Fahrer. c) Nürnberg war die erste Stadt weltweit mit führerlosen U-Bahnen. 2. Was sagt Elisabeth Seitzinger? a) Die Automatisierung kostet sehr viel Geld. b) Die führerlosen Bahnen sind nicht gefährlich. c) Die automatisierten Bahnen kommen nie zu spät. 3. Was glaubt Matthias Klingner? a) Es ist technisch unmöglich, alle U-Bahnen zu automatisieren. b) In vielen deutschen Städten sind bereits alle U-Bahnen automatisiert. c) Es werden irgendwann alle U-Bahnen automatisiert sein. 4. Wobei handelt es sich nicht um eine Komparativform? a) sicher b) besser c) mehr 5. In welchem Satz kommt sowohl eine Komparativform als auch eine Superlativform vor? a) Überirdische Züge haben oft eine höhere Geschwindigkeit als U-Bahnen. b) In dem längsten Streik der Geschichte der Bahn sind mehr Züge ausgefallen als sonst.
c) Am sichersten sind automatisierte Bahnen bisher unterirdisch Aufgabe 7. Leseverstehen. Lesen Sie den Text gründlich. Gehen Sie dann zu den Fragen und wählen Sie die richtige Antwort.
