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Лисак для 3 курса, Теорграмматика, лекции.doc
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3. Der komplexe Satz bei h. Brinkmann und in den “Grundzugen"

Zur Ergänzung wollen wir noch die Darstellung des komplexen Satzes in H. BRINKMANNs Buch „Die deutsche Sprache. Gestalt und Leistung" und diejenige im Buch ,,Grundzüge einer deutschen Grammatik" behandeln.

Den komplexen Satz betrachtet H.BRINKMANN als ein multifinites Gebilde, d. h. ein Gebilde, das mindestens zwei Personalformen des Verbs enthalt /Brinkmann 1971, 607/. Er unterscheidet drei Bildungsweisen der multifiniten Sätze: REIHEN, ENTFALTEN und BEZIEHEN /Brinkmann 1971, 619/.

Als REIHEN bezeichnet er die Bildung der parataktischen Sätze, vgl. ihretraditionelle Bezeichnung SATZREIHE. ENTFALTEN und BEZIEHEN werden zur Bildung der hypotaktischen Sätze benutzt.

Das ENTFALTEN besteht darin, daß ,,Glieder oder Gliedteile eines Satzes Satzgestalt" erhalten. Als Glieder sieht er Subjekt, Objekt und Prädikativ, als Gliedteil das Attribut an. Nach seiner Ansicht sind es also Subjekt-, Prädikativ-, Objekt- und Attributsatze, die durch ENTFALTEN entstehen und ,,einseitig" vom übergeordneten Satzteil abhängen /Brinkmann 1971, 674/.

Beim BEZIEHEN treten nach H. BRINKMANNs Meinung ,,unabhängige Sachverhalte in eine Beziehung zueinander, in der sie sich wechselseitig bestimmen" /Brinkmann 1971, 674/. Anders gesagt stehen die diese Sachverhalte bezeichnenden finiten Konstruktionen in Zuordnungsbeziehung zueinander. Durch BEZIEHEN werden nach H. BRINKMANNs Ansicht vier Grundbeziehungen zwischen den Sachverhalten hergestellt: 1) kausale Beziehung; 2) konditionale Beziehung; 3) gegensatzliche Beziehung; 4) Entsprechung /Brinkmann 1971, 675/.

Im Buch ,,GRUNDZÜGE EINER DEUTSCHEN GRAMMATIK" wird der zusammengesetzte Satz ebenfalls als Ausdrucksform einer Sachverhaltsverknüpfung angesehen. Zum Unterschied von H.BRINKMANN wird hier von vier Hauptarten der Beziehungsherstellung gehandelt. Es sind:

1. Die Bezeichnung der Sachverhältsverknüpfung als ihr NEBENEINANDER. Die Verknüpfung wird entweder konjunktionslos oder konjunktional vorgenommen. Dadurch entstehen parataktische Gebilde /Grundzuge 1981, 777/:

Peter ist nicht zu Hause, er ist zu einem Freund gegangen.

Peter ist zu einem Freund gegangen, und er ist nicht zu Hause.

2. Die Bezeichnung einer MARKIERTEN Beziehung zwischen zwei Sachverhalten. Die Verknüpfung kann quasikoordinativ mit Hilfe von Pronominaladverbien hergestellt werden:

Peter hat verschlafen, deshalb hat er sich zur Stunde verspätet.

Die Sachverhalte können aber mit Hilfe von subordinierenden Konjunktionen verbunden werden. Dabei entstehen Satzgefüge mit Adverbialsatzen: Peter hat sich zur Stunde verspätet, weil er verschlafen hat /Grundzüge 1981,778f./.

3. Die Bezeichnung eines Sachverhaltes als BESTANDTEIL EINES ANDEREN SACHVERHALTS. Die Sachverhalte können quasikoordinativ miteinander verknüpft werden, und es entsteht ein quasikoordinativer Satz: Peter ist ein Schlaukopf das ist allen doch Angst bekannt. Die Sachverhalte können auch subordinativ verbunden werden, dann kommt ein Satzgefüge zustande, das einen Subjektsatz oder einen Objektsatz oder beides enthalt: Daß Peter ein Schlaukopf ist, ist allen doch Angst bekannt. Alle wissen Angst, dass Peter ein Schlaukopf ist. In solchen Fallen spielen die Valenzeigenschaften des finiten Verbs oder des Prädikatsausdrucks im Hauptsatz eine große Rolle /Grundzuge 1981, 778-779/.

4. Die Kennzeichnung eines Individuums DURCH EINEN SACHVERHALT erfolgt in Form eines Attributsatzes: Peter, der gewissenhaft ist, war als erster zur Stelle /Grundzuge 1981, 779/.

Der Vorzug dieser Darstellung der zusammengesetzten Sätze besteht darin, daß die systeminternen Zusammenhänge zwischen Koordination, Quasi-Koordination und Subordination dabei nicht verwischt werden und dass sie als variante Realisierungen bestimmter semantischer Beziehungen deutlich ausgewiesen werden.

Ein aus zwei finiten Konstruktionen bestehender Satz ist in struktureller Hinsicht der einfächste Fall der möglichen Strukturen. Unter Anwendung derselben oder verschiedener Verknüpfungsarten können mehrere finite Konstruktionen zu einem komplexen Ganzen zusammengefaßt werden. Es können z.B. multifinite parataktische Sätze gebildet werden. Es ist auch möglich, komplexe Sätze mit mehreren auf verschiedene Weise subordinativ verknüpften Satzteilen zu konstruieren. Zum Aufbau eines syntaktischen Ganzen können gleichzeitig Koordination bzw. Quasi-Koordination und Subordination angewandt werden. Das Gebilde letzten Typus wird häufig PERIODE genannt, vgl: /Jung 1980, 43/, /Duden-Grammatik 1984, 667/.