D-2.1 Empfehlungen zur Behandlung des Akuten Koronarsyndroms
C. von Heymann
Akutes Koronarsyndrom (ACS)
Definition ACS
Instabile Angina pectoris, nichttransmuraler und transmuraler Myokardinfarkt.
Ursachen
Rupturierte arteriosklerotische Plaque mit konsekutivem partiellen oder totalem thrombotischen Verschluss einer Koronararterie mit der Folge eines reduzierten oder unterbrochenen Blutflusses in den zugehörigen Stromgebieten und nachfolgenden Myokardzellnekrosen
Diagnose
Klinische Beschwerdesymptomatik
Schmerz mit typischer Lokalisation und Ausstrahlung als Leitsymptom
Luftnot
Blässe
Übelkeit, Erbrechen
Hypotonie (Schocksymptom?)
EKG
ST-Streckenhebung
ST-Streckensenkung
CAVE: Linksschenkelblock!
Troponinschnelltest
Ziel der Akuttherapie
Reduktion und Begrenzung des Infarktareals
Prävention schwerwiegender kardialer Komplikationen
Frühzeitige Rhythmisierung bei Auftreten von tachykarden Rhythmusstörungen (Defibrillation)
Kreislaufstabilisierung
Schmerzbekämpfung
Therapie des akuten Koronarsyndroms
Sauerstoff (Nasensonde, Maske)
Aufsetzen des Patienten
Lösen beengender Kleidung
Die Therapie mit Vasodilatanzien und -Blockern orientiert sich an hämodynamischen Parametern (Blutdruck syst > 90 mmHg, Herzfrequenz
> 60/min)!
Vasodilatanzien
Nitroglycerin sublingual (3 Hübe = 1,2 mg)
Auch wenn Nitroglycerin ein häufig benutztes Vasodilatous in der Behandlung des akuten Koronarsyndroms darstellt, besteht keine Evidenz für eine Routinetherapie (Klasse II b, Empfehlungsgrad A)
Nitroglycerin 0,1–2,0 g/kgKG/min i.v.
Nitroprussid-Natrium 0,05–2,0 g/kgKG/min i.v. unter engmaschiger Blutdruckkontrolle
-Blockade
z. B. 3–15 mg Metoprolol i.v.
Wenn keine Kontraindikationen vorliegen, ist die Gabe eines -Blockers aufgrund einer nachgewiesenen Mortalitätsreduktion (4,3 vs. 3,7% bis Tag 7) (Klasse II b, Empfehlungsgrad A) von höchster Priorität!
Katecholamine bei hämodynamischer Instabilität (Blutdruck systolisch < 90 mmHg, Herzfrequenz < 60/min)
Dobutamin: 5–15 g/kgKG/min
Adrenalin: 0,05–0,2 g/kgKG/min
Analgetika
z. B. Morphin 2–10 mg i.v. (fraktioniert und titrierend, niemals i.m.-Injektionen)
Antikoagulation
ASS 250–500 mg i.v. (Bolus)
Heparin 5000 IE i.v. (Bolus)
Alternativ: »low molecular weight heparine« (LMWH), z. B. Dalteparin oder Enoxaparin s.c.
LMWH haben sich bislang nur in der Therapie des akuten Koronarsyndroms und dem Non-Q-wave- Infarkt dem unfraktionierten Heparin (UFH) überlegen gezeigt.