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[Wolfgang_J._Kox,_Claudia_D._Spies]_Check-up_Ans(BookFi.org)

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Notfallmedizin

622 D-4.6 · Akutes Abdomen

D-4.4 Thoraxtrauma

K. Arden

Definition

Rippenserienfraktur = 2 benachbarte oder mindestens 3 Rippen sind frakturiert.

Klinik

Dyspnoe

Instabile Hämodynamik mit oberer Einflussstauung

Instabiler Thorax

Hautemphysem

Einseitig abgeschwächtes Atemgeräusch

Komplikationen

Spannungspneumothorax

Hämatothorax

Bronchusabriss

Aortenabriss

Herzbeuteltamponade

Zwerchfellruptur (CAVE: beim Legen einer linksseitigen Bülau-Drainage)

Therapie

Sauerstoffgabe

Volumensubstitution

Großzügige Indikation zur Intubation und Beatmung bei Schmerz/Polytrauma

Thoraxdrainage nach Probepunktion mit Kanüle immer oberhalb der Mamille! (CAVE: links: Zwerchfellruptur oder linker Ventrikel, rechts: Leber)

D-4.5 Bauchtrauma

K. Arden

Klinik

Häufig nur blande Symptomatik, insbesondere bei jüngeren Patienten

Schmerzintensität und Bauchumfang sind äußerst unsichere klinische Zeichen

Ursachen

Organrupturen

Gefäßrupturen

Ischämien

Komplikationen

Aortenruptur

Milzruptur

Sekundäre Organrupturen nach Tagen, Darmischämien mit Latenz

Therapie

Aggressive Volumenzufuhr bis zur Besserung von Bewusstsein und Schock

Intubation bei hämodynamischer Instabilität

Ausreichende Analgesie bevorzugt mit Nichtopioidanalgetika wie z. B. Metamizol 1–2 g i.v. (Nebenwirkung: Blutdruckabfall)

Zügiger Transport, keine Zeitverzögerung wegen überflüssiger Maßnahmen vor Ort!

D-4.6 Akutes Abdomen

K. Arden

Definition

Akute, klinisch behandlungsbedürftige Erkrankung mit abdominellen Schmerzen durch jedwede Erkrankung der Bauchorgane oder durch Organe mit abdomineller Projektion (Hinterwandinfarkt).

Klinik

Abdominalschmerz, Druckschmerz, Abwehrspannung, Übelkeit, Erbrechen, Ileus, Fieber, Exsikkose, Stuhlverhalt, Schockzeichen.

Ursachen

1.Abdominale Krankheitsbilder

–Koliken (Galle, Harnwege, auch Magen-Darm- Trakt, auch Salpinx)

–Pankreatitis

–Appendizitis, Cholezystitis

–Colitis ulcerosa mit toxischer Kolondilatation

–Organinfarkte (Milz, Darm, Nieren)

–Mesenterialarterienverschluss, Pfortaderthrombose

–Blutungen (intraoder retroperitoneal), z. B. akute gastrointestinale

–Mechanischer Ileus

D-4 · Traumatologische Notfälle

2.Extraabdominale Krankheitsbilder und Differenzialdiagnosen

–Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus, Porphyrie, Hyperlipoproteinämie, Urämie, Hypokaliämie, Hyponatriämie)

–Exogene Intoxikationen (Schwermetalle, pflanzliche Gifte, Pflanzenschutzmittel etc.)

–Herzinfarkt (insbesondere Hinterwandinfarkt)

–Basale Pneumonie, Pleuritis

–Lungenembolie

–Pneumothorax

Maßnahmen

Klinische Untersuchung mit Befunddokumentation

Differenzialdiagnosen erwägen

Schocktherapie mit Volumengabe

Analgesie mit Metamizol 1–2 g i.v.; wenn möglich, auf Opioide verzichten

Fallstricke

Engmaschige Verlaufsbeobachtungen sind unbedingt erforderlich, da jederzeit mit einer rapiden Verschlechterung des Patienten zu rechnen ist!

Schmerzerleichterung (»fauler Friede«) bei Mesenterialarterienverschluss ist ab ca. 6 h nach dem Ereignis (Wandnekrose) bis zum Einsetzen peritonitischer Zeichen nach

ca. 12 h typisch!

Es sind sowohl plötzliche Schmerzzunahme (z. B. Aortenruptur) als auch Schmerzabnahme (z. B. Gallenblasenruptur) als Zeichen einer Organruptur möglich!

D-4.7 Beckenfraktur

K. Arden

Klinik

Instabilität oder Krepitation bei Kompression

Volumenmangelschock

Komplikationen

Akute vitale Gefährdung des Patienten durch assoziierte massive retroperitoneale Blutungen: Blutverlust von 5 l möglich!

Verletzung von Harnröhre und Harnblase

623 D-4.8

Therapie

Massiver Volumenersatz und schnellstmöglicher Transport in eine geeignete Klinik (RTH)

D-4.8 Extremitätenfraktur

K. Arden

Definition

Sichere Frakturzeichen: Fehlstellung (Deformität), Knochenreiben (Krepitation), abnorme Beweglichkeit, Sichtbarwerden von Weichteilverletzungen bzw. bei offener Fraktur von freien Knochenenden über der Frakturstelle.

Komplikationen

Nervenkompression mit Sensibilitätsstörung

Gefäßkompression mit Pulslosigkeit

Volumenmangelschock durch Blutverlust auch bei geschlossenen Frakturen:

–Oberarm: 1 l,

–Unterarm: 0,5 l,

–Oberschenkel: 2 l,

–Unterschenkel: 1 l

Maßnahmen

Vorsichtiger Repositionsversuch unter anschwellendem Zug über 2–3 min; absolute Indikation zur Reposition bei Sensibilitätsstörung oder Pulslosigkeit der Extremität

Schienung (Retention) mit aufblasbaren Schienen oder der Vakuummatratze

Sterile Wundabdeckung einer offenen Fraktur, Verband

Analgesie

D-4.9 Amputationen

K. Arden

Maßnahmen

Sterile Wundabdeckung oder Kompressionsverband

Stumpfhochlagerung

Volumengabe und Analgesie

Suchen und Transportieren aller Amputate, auch von Hautablederungen; Kühlung der Amputate, jedoch kein direkter Kontakt zu Eis (Amputat steril

Notfallmedizin

624 D-4.11 · Verbrennungen

in wasserdichten Beutel, diesen Beutel dann in Eiswasser lagern und transportieren)

Bei Blutung am Stumpf Kompression der prox. Arterie

D-4.10 Augenverletzungen

K. Arden

Stumpfe Augenverletzung

Definition

Augapfelprellungen bei Sportoder Arbeitsunfällen, Faustkampf usw.

Klinik

Verminderte Sehschärfe

Pupillenentrundung

Glaskörperblutungen

Komplikation

Bulbusruptur mit palpatorisch weichem Bulbus

Maßnahmen

Keine unnötigen Manipulationen!

Keine Tropfen oder Salben!

Anlegen eines Uhrglasverbandes oder einer Schutzschale

Bei deutlich erhöhtem Augeninnendruck ggf. Azetazolamid 500 mg i.v.

Kliniktransport

Perforierende Augenverletzung

Jede mechanische Augenverletzung ist im Zweifel wie eine Perforation zu behandeln!

Komplikation

Uveaoder Glaskörperprolaps

Maßnahmen

Fremdkörper belassen und ggf. stabilisieren

Starre Augenschutzschale wenn möglich

Keine Salben!

Augenverbrennung und -verätzung

Definition

Säureverätzungen (Koagulationsnekrosen) günstiger als Laugenverätzungen (Kolliquationsnekrosen).

Klinik

Schmerz und häufig Lidkrampf

Therapie

Spülung: mindestens 2000 ml mit jeglicher Flüssigkeit über > 30 min (auch bei Verbrennungen des Bulbus zur Unterbrechung der Wärmezufuhr!)

Bei Lidkrampf Lokalanästhetika einträufeln, ggf. Ketamin applizieren (bei Kindern)

Bei ungelöschtem Kalk Versuch einer Entfernung der Kalkkörner, ggf. Ölspülung (durch Wasser wird der Ablöschvorgang initialisiert, Temperatur dabei bis 100 C)

Suffiziente Analgesie

Schnellstmöglicher Transport (Augenklinik)

D-4.11 Verbrennungen

T. Schröder

Definition

Gewebeschädigung durch lokale Hitzeeinwirkung.

Als lokale Gewebsschädigung

Primäre lokale Gewebsschädigung durch direkte Hitzeeinwirkung

Sekundäre lokale Gewebsschädigung durch überhitztes umgebendes Gewebe (sog. »Nachbrennen«)

Lokale Freisetzung gewebsschädigender Mediatoren.

Als Verbrennungskrankheit

Systemische Auswirkungen der lokalen Verbrennung durch Mediatorfreisetzung (z. B. Zytokine, Proteinasen)

Generalisierter Kapillarschaden; erhöhte Kapillarpermeabilität

Entwicklung eines interstitiellen Ödems

D-4 · Traumatologische Notfälle

Intravasaler Flüssigkeitsmangel

Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC)

Organschädigung, z. B. Lunge, Niere: Multiorganversagen

Hypovolämischer Schock

Flüssigkeitsverluste über die Wunde

Flüssigkeitsverluste in das Interstitium

Rauchgasvergiftung

Inhalationstrauma und/oder Vergiftung bei Feuer in geschlossenen Räumen

Heiße Gase: Direkte thermische Atemwegsund Lungenschädigung

Reizgase: Atemwegsschwellung und Lungenödem

Unvollständige Verbrennung: Kohlenmonoxidvergiftung

Kunststoffverbrennung: Zyanidvergiftung; eine klinisch relevante Zyanidvergiftung im Rahmen einer Verbrennung ist jedoch selten

Symptomatik

Einteilung nach Verbrennungsgrad

Grad I: Rötung, Schmerz

Grad II a: Blasen, Schmerz

Grad II b: Hautkolorit wird blass, Schmerz nimmt ab, Zerstörung des Stratum germinativum

Grad III: Weiße bis bräunliche Färbung, lederartige Konsistenz, thrombosierte Gefäße; Schmerzhaftigkeit ist aufgehoben, alle Hautschichten betroffen

Grad IV: Verkohlung, Zerstörung unter der Haut liegender Strukturen

Abschätzung der betroffenen Oberfläche: Neuner-Regel nach Wallace

Kopf:

9%

Je Arm:

9%

Rumpf vorn:

2 P 9%

Rumpf hinten:

2 P 9%

Beine:

je 2 P 9%

Hals, Perineum, Genitale:

1%

Bei Kindern unter 10 Jahre für jedes Jahr < 10: Kopf: +1%, jedes Bein: –1/2%.

In jedem Alter gilt: Die Handfläche entspricht 1% der Körperoberfläche.

625 D-4.11

Lokale Symptome

Schmerzen (Verbrennungen I. und II. Grades)

Hautrötung

Blasenbildung

Hautablösung

Verkohlung

Allgemeinsymptome

Tachykardie

Hypotension (durch Schock) oder Hypertension (durch starke Schmerzen)

Atemnot: Bronchospasmus und/oder Stridor bei Inhalationstrauma und Verbrennung der Atemwege

Störung der Thoraxexkursionen bei zirkulären Verbrennungen des Thorax

Therapie

Kühlung

Prinzip: Schmerzlinderung und Verminderung des Nachbrennens durch frühzeitige lokale Kühlung: Kaltes Wasser ca. 10–20 min über verbrannte Hautareale fließen lassen

Alternativ wiederholt wassergetränkte Kompressen auflegen

CAVE

Hypothermie, insbesondere bei Kindern!

Zu intensive und zu lang andauernde Kühlung vermeiden!

Analgesie

Opioide, z. B. Morphin 5–10 mg i.v., alternativ Ketamin 20–40 mg i.v

Gegebenenfalls Narkose: Stets als Intubationsnarkose mit kontrollierter Beatmung: Narkoseeinleitung: z. B. Etomidate 0,15–0,3 mg/kgKG (15–30 mg) i.v.; Ketamin 1–2 mg/kgKG (50–200 mg) i.v.

Narkoseaufrechterhaltung: Mehrere Möglichkeiten, z. B. Opioid-Benzodiazepin-Kombinationsnarkose: Fentanyl 1–4 g/kgKG alle 10–30 min i.v. plus Diazepam oder Midazolam 0,1 mg/kgKG alle 10–30 min i.v.

Ketamin-Benzodiazepin-Kombinationsnarkose (indiziert besonders im Schock): Ketamin 1 mg/kgKG alle 10–15 min plus Diazepam oder Midazolam 0,1 mg/kgKG alle 10–15 min i.v.

Notfallmedizin

626 D-4.12· Unterkühlung

Verband

Abdeckung verbrannter Körperareale (nach der Kühlungsbehandlung) mit steriler Folie (z. B. Metalline-Tücher)

Volumentherapie (nach der Parkland-Formel)

4 ml P KG P % verbrannter KOF in 24 h

–Davon die erste Hälfte in den ersten 8 h: näherungsweise 1000 ml im Strahl

–Dann 1000 ml/h

Zusätzlich Deckung des Basisbedarfes: 30–40 ml/kgKG/Tag

Tatsächliche Infusionsmenge vom aktuellen Volumenstatus (Urinausscheidung, ZVD, PCWP) und der Kreislaufsituation (z. B. Hypotension) abhängig machen

Überinfusion vermeiden: Ödemverstärkung

Zu geringe Infusionsmengen vermeiden: Hypoperfusion, Schock

Faustregel: Anhalt für präklinische Infusionsmenge bei Patienten mit schwerer Verbrennung innerhalb der 1. Stunde nach Verbrennung im Schock:

20 ml/kgKG Vollelektrolytlösung, z. B. Ringer-Laktat (kreislaufangepasst u. U. mehr infundieren – Kinder)

Eine adäquate Infusionstherapie ist neben der Atemwegssicherung die entscheidende präklinische Maßnahme!

Wahl der Infusionslösung

Kristalloide: Vollelektrolytlösung, z. B. RingerLaktat; Volumenersatzlösung der 1. Wahl

Kolloide wie HAES, Dextrane oder Gelatine können insbesondere im schweren hypovolämischen Schock und bei zusätzlichen Volumenverlusten, z. B. durch begleitendes Trauma, eingesetzt werden

Kolloidale Volumenersatzmittel sind in der initialen Volumentherapie von Verbrennungen meist nicht erforderlich; jedoch nicht kontraindiziert!

Katecholamintherapie

Nur bei infusionstherapierefraktärer Hypotension (schwerer Schock) indiziert: z. B. Akrinor 0,5–2 ml i.v. oder Adrenalin 0,02–0,5 g/kgKG/min

An die Begleitverletzungen denken

Frakturen (Wirbelsäulenverletzung nach rettendem Sprung aus dem Fenster)

Barotraumen nach Explosionen

Inhalationstraumen nach Zimmerbränden

Therapie der Rauchgasinhalation

Inhalative Kortikosteroide, die Wirksamkeit zur Vermeidung eines toxischen Lungenödems konnte nicht nachgewiesen werden

Bronchospasmolytika: z. B. Fenoterol 2 Hübe p.i. bei Bedarf

Theophyllin 200–400 mg i.v.

Sauerstoffgabe

Prognose

Wenn eine Summe aus Alter und prozentualer Ausdehnung der Verbrennungsfläche > 100 resultiert: schlechte Prognose pro ad vitam

Bei > 80 besteht Lebensgefahr

Einweisung in eine Spezialklinik bei Verbrennungen > 10% KOF oder Verbrennungen an Gesicht, Händen und Genitalien

D-4.12 Unterkühlung

T. Schröder

Hypothermiestadien

I: Erregungssteigerung und Gegenregulation

II: Erregungsabnahme, Lähmung und »Kältenekrose«

III: »Vita minima« (Scheintod)

IV: Finalstadium mit Kälteschwellung des Gehirns

Gegenregulation

Kältezittern

Kreislaufzentralisation

Afterdrop

Weitere Abnahme der Körperkerntemperatur trotz Erwärmung der Peripherie. Die Kreislaufzentralisation führt bei Wiedererwärmung von außen durch Öffnung peripherer Blutgefäße zu einer weiteren Abnahme der Körperkerntemperatur, Umlagern und heftiges Bewegen

D-4 · Traumatologische Notfälle

können zur Umverteilung kalter Blutpools und zu einer weiteren Abnahme der Körperkerntemperatur führen.

Therapie

Weiteren Wärmeverlust verhindern

Afterdrop reduzieren:

–Schnelle Erwärmung vom Körperkern aus

–Langsame Erwärmung von der Körperperipherie aus

Zur Wärmeapplikation seitliche Thoraxwand bevorzugen; hier wird dem Körperkern am schnellsten Wärme zugeführt

627 D-4.12

Innere Erwärmung

Magenspülung

CAVHD, CVVHD (Dialyseverfahren)

EKZ (extrakorporale Zirkulation = Herz-Lungen- Maschine)

Spezieller zentraler Venenkatheter mit Wärmetauschersystem

D-5

Schock

S. Marz, T. Schröder

D-5.1 Hämorrhagischer/hypovolämischer Schock 630

D-5.2 Kardiogener Schock 630

D-5.3 Anaphylaktischer Schock 631

D-5.4 Septischer Schock 631

D-5.5 Neurogener Schock 632

Notfallmedizin

630 D-5.2 · Kardiogener Schock

Allgemeine Definition

Durch eine Mikrozirkulationsstörung bedingtes Missverhältnis zwischen Sauerstoffangebot und -bedarf der Organe und Gewebe, das zunächst zu funktionellen, dann auch zu morphologischen Organveränderungen (sog. Schockorgane) führt.

Der hypoglykämische Schock ist daher im strengen Sinne der Definition kein Schock, da die vitale Gefährdung hierbei nicht durch ein Missverhältnis in der Sauerstoffversorgung, sondern aufgrund eines Substratmangels im Gehirn bedingt wird. Ebenso ist der Terminus »psychogener Schock« medizinisch nicht korrekt. Umgangssprachlich ist damit eine psychische Belastungsreaktion gemeint, die nie zu einer Kreislaufinsuffizienz mit Organversagen führt.

Die Prognose des Schocks (Organdysfunktion? Multiorganversagen? Tod?) hängt von der Geschwindigkeit und der Effizienz der therapeutischen Maßnahmen ab.

D-5.1 Hämorrhagischer/hypovolämischer

Schock

Ursachen

Trauma

Gastrointestinale Blutungen

Aortenaneurysmaruptur

Schwere Exsikkose (Gastroenteritis v. a. bei Kindern oder älteren Menschen)

Pathomechanismus

Abfall des Herzzeitvolumens durch absolute Verminderung des zirkulierenden Blutvolumens

Anamnese

Unfallhergang: Verletzungsmuster

Vorerkrankungen: Teerstuhl, Hämatemesis, abdominelle, thorakale Schmerzen

Arzneimitteleinnahme

Symptome

Hypotonie

Tachykardie

Blässe, Marmorierung, Kaltschweißigkeit

Bewusstseinsstörung oder -verlust (wie bei allen Schockformen)

Verminderte Diurese

Maßnahmen

Gegebenenfalls Blutstillung

Schocklagerung

Gabe von Sauerstoff

Großlumiger Zugang und großzügige Volumensubstitution (> 2 l)

Schnellstmöglicher (schonender) Kliniktransport zur kausalen Behandlung (Operation, Endoskopie)

D-5.2 Kardiogener Schock

Ursachen

Kardial:

–Myokardinfarkt

–Dekompensierte Herzinsuffizienz

–Herzrhythmusstörungen

–Vitien

–Kardiomyopathien

–Myokarditis

–Herzbeuteltamponade

Extrakardial:

–Lungenembolie

–Spannungspneumothorax

Die häufigste Ursache ist der Myokardinfarkt. Ein kardiogener Schock tritt ein, wenn mehr als 40% der Herzmuskelmasse betroffen ist.

Pathomechanismus

Abfall des Herzzeitvolumens durch direkte kardiale Funktionseinschränkung.

Anamnese

Oft häusliche Umgebung

Meist vorbestehende kardiale Erkrankungen

Medikamentenanamnese: Nitrate, ACE-Hemmer, Diuretika, Digitalis, Antiarrhythmika, -Blocker

Herzschrittmacher, interner Defibrillator (ICD)

Voroperationen

Symptome

Blässe, Akrozyanose

Kaltschweißigkeit

Halsveneneinflussstauung (wichtigstes differenzialdiagnostisches Kriterium gegenüber anderen Schockformen)

D-5 · Schock

Herzrhythmusstörungen: Tachykardie, Bradykardie, Arrhythmie

Hypotonie

Dyspnoe, bei Lungenödem »brodelnde« Atmung

Bewusstseinseinschränkungen, evtl. Desorientiertheit und Unruhe (wie bei allen Schockformen)

Verminderte Diurese

Maßnahmen

Sauerstoffgabe

Basisdiagnostik: Blutdruckmessung, EKG, Pulsoxymetrie

Halbsitzende Position

Katecholamine

Nitrate erst nach Kreislaufstabilisierung (Blutdruck >100 mmHg) in Kombination mit Katecholaminen

Diuretika (40–120 mg Furosemid i.v.)

Gegebenenfalls antiarrhythmische Therapie (z. B. Kardioversion bei absoluter Tachyarrhythmie oder ventrikulärer Tachykardie); medikamentöse (Atropin, Orciprenalin, Katecholamine, Amiodaron etc.) Frequenzstimulation oder passagerer externer Schrittmacher bei Bradykardien

Behandlung der Grundkrankheit (z. B. spezifische Infarkttherapie, PTCA, Thoraxdrainagen)

Da alle Antiarrhythmika negativ inotrop sind, ist deren Einsatz im kardiogenen Schock in der Regel kontraindiziert. Bei vital bedrohlichen primären Rhythmusstörungen kann eine medikamentöse antiarrhythmische Therapie sinnvoll sein, sollte aber immer sorgfältig überdacht werden.

D-5.3 Anaphylaktischer Schock

631 D-5.4

durch vasoaktive Substanzen wie Histamin, Prostaglandine und Serotonin (Vasodilatation, Bronchospasmus, erhöhte Gefäßpermeabilität)

Die Antigenmenge ist unbedeutend: Es gilt das »Alles-oder-Nichts-Gesetz«.

Anamnese

Enger zeitlicher Zusammenhang zur auslösenden Ursache

Allergieanamnese?

Allergiepass?

Symptome

Hypotonie

Tachykardie

Flush (fleckige Hautrötungen)

Urtikaria bzw. allergisches Exanthem, Juckreiz

Bronchospasmus

Quincke-Ödem (massive Gesichtsund Zungenschwellung mit Erstickungsgefahr)

Bewusstseinsstörung oder -verlust (wie bei allen Schockformen)

Maßnahmen

Stoppen der Antigenzufuhr

Schocklagerung

Gabe von Sauerstoff

Adrenalin i.v.: titriert nach Wirkung 0,05–0,1 mg, ggf. mehrfach wiederholen, ggf. kontinuierlich i.v.

Volumengabe: zügig, mindestens 1 l

Antihistaminika: H1-Blocker (4–8 mg Dimetinden) und H2-Blocker (50–100 mg Ranitidin) i.v.

Glukokortikoide (500–1000 mg Methylprednisolon)

Ursachen

Medikamente (Antibiotika, Kontrastmittel)

Nahrungsmittel

Insektenstiche (Bienen)

Latex u. a.

Pathomechanismus

IgE-vermittelte Antigen-Antikörper-Reaktion vom Soforttyp nach Sensibilisierung des Organismus: Relative (Vasodilatation) und absolute (Extravasation) Verminderung des zirkulierenden Blutvolumens

D-5.4 Septischer Schock

Ursachen

Bakteriämie bei vorbestehender, meist bekannter Infektion

Resistenzminderung (Neoplasien, insbesondere Leukämien, Zytostatikatherapie, HIV)

Hochvirulente Erreger, z. B. Meningokokken

Pathomechanismus

Störung der peripheren Zirkulation durch Endotoxine von Mikroorganismen durch Freisetzung

632 D-5.5 · Neurogener Schock

von Mediatoren wie TNF, Interleukin-1 und -6, u. a. relativer (Vasodilatation) und absoluter Volumenmangel (Kapillarleck)

Anamnese

In der Notfallmedizin sehr selten

Meist vorbestehende Infektion

Anamnese: Hinweise für eingeschränkte Immunabwehr?

Symptome

Fieber, Schüttelfrost

Hypotonie

Tachykardie

Leukozytose

Bewusstseinsstörung oder -verlust (wie bei allen Schockformen)

Verlauf in 2 Phasen:

–Hyperdyname Frühphase mit erhöhtem Herzzeitvolumen, Haut trocken, warm (»gesundes« Aussehen)

–Hypodyname Spätphase mit erniedrigtem Herzminutenvolumen, Haut blass, kaltschweißig

Maßnahmen

Volumensubstitution

Katecholamine (Noradrenalin)

Wenn möglich, kausale intensivmedizinische Therapie: Antibiotika, operative Sanierung eines septischen Fokus, hämodynamische Optimierung

D-5.5 Neurogener Schock

Ursachen

Spinales Trauma

Pathomechanismus

Versagen der peripheren Zirkulation durch Sympathikusausfall: relative Vasodilatation

Anamnese

Unfallhergang: Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung

Querschnittssymptomatik mit neurologischen Ausfällen

Symptome

Hypotonie

Tachykardie, u. U. Bradykardie

Bewusstseinsstörung oder -verlust (wie bei allen Schockformen)

Maßnahmen

Volumensubstitution

Katecholamine

CAVE

Schocklagerung ohne Lageveränderung der Wirbelsäule.

Notfallmedizin