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[Wolfgang_J._Kox,_Claudia_D._Spies]_Check-up_Ans(BookFi.org)

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☆

Notfallmedizin

644 D-7.1 · Kinderreanimation

Eine suffiziente Maskenbeatmung ist genauso effektiv wie eine Beatmung über einen Endotrachealtubus.

Tubusgröße

Errechnet

Tubusgröße = (Alter/4) + 4

Geschätzt

Kleinfinger des Kindes entspricht ungefähr dem Tubus-ID (Tuben 0,5 mm kleiner und größer sollten bereitliegen!)

Gefäßzugänge

Möglichkeiten

1.Peripher

2.Zentralvenös

(unter Reanimationsbedingungen unpraktikabel)

3.Intraossär

Wenn nach 90 s die periphere Venenpunktion erfolglos ist, sollte der intraossäre Zugangsweg gewählt werden.

Intraossäre Punktion

Die Intraossäre Punktion zeigt Abb. D-7.

Abb. D-7. Intraossäre Punktion

Punktionsort proximale Tibia, 1 cm distal und medial der Tuberositas tibiae; Punktion im Winkel von 45 weg von der Epiphysenfuge

Schneller und sicherer Notfallzugang für Medikamente und Volumen

Erfolgsrate bei Kindern bis 3 Jahre > 85%, aber bei Kindern und sogar Erwachsenen immer noch 50% (Punktionsort hier direkt oberhalb des medialen Malleolus)

Zeichen der korrekten Lage: Widerstandsverlust bei Punktion, federnde Fixation im Knochen, Infusion läuft frei, kein Extravasat (Extremität wird nicht dick), eine Aspiration von Knochenmark muss nicht in jedem Fall möglich sein

Komplikationen wie Osteomyelitis, Kompartmentsyndrom, Frakturen, Störung des Knochenwachstums, Fettund Knochenmarkembolien steigen mit Zunahme der Liegedauer; die intraossäre Nadel muss daher so schnell wie möglich durch einen i.v.-Zugang ersetzt werden

Medikamente

Sauerstoff

Adrenalin

Verbesserung der koronaren Durchblutung und zerebralen Perfusion durch periphere Vasokonstriktion

Erhöhung der myokardialen Kontraktilität

Senkung der Defibrillationsschwelle

Dosierung

–1. Gabe: 0,01 mg/kgKG (=10 g/kgKG) i.v./i.o. oder 0,1 mg/kgKG (= 100 g/kgKG) endotracheal

–Jede weitere Gabe mit 0,1 mg/kgKG (= 100 g/kgKG)

Atropin

Therapie von Bradykardien/Asystolie nach Ausschluss einer Hypoxie

Dosierung: 0,02 mg/kgKG (minimale Dosis 0,1 mg) i.v.

Amiodaron

Behandlung supraventrikulärer und ventrikulärer Tachykardien; therapierefraktäres Kammerflimmern

Dosierung: 5 mg/kgKG (»loading-dose«) i.v. bis zu einer Tagesdosis von 15 mg/kgKG

645 D-7.1

D-7 · Spezielle pädiatrische Notfälle

Abb. D-8. ACLS-Algorithmus Kinder

Natriumbikarbonat

Gabe erwägen bei gesicherter metabolischer Azidose, Hyperkaliämie, Intoxikation mit trizyklischen Antidepressiva

CAVE

Erhöhte respiratorische Azidose, verminderte O2-Abgabe durch Verschiebung der O2-Bin- dungskurve durch Überpufferung.

Dosierung: 1 ml/kgKG 8,4%ige Lösung (Neugeborene 1 : 1 verdünnt)

Lidocain

Behandlung ventrikulärer Tachykardien; schockrefraktäres Kammerflimmern

Dosierung: 1 mg/kgKG

Die erweiterten Reanimationsmaßnahmen (ACLS-Algo- rithmus) zeigt Abb. D-8.

Obsolet

Kalzium

–Keine Verbesserung des Outcomes

–Reperfusionsschaden durch Akkumulation im Zytoplasma

Notfallmedizin

646 D-7.2 · Krupp-Syndrom (Epiglottitis/stenosierende Laryngotracheitis)

–Ausnahmen: gesicherte Hypokalzämie, Hyperkaliämie, Intoxikation mit Kalziumkanalblockern

Glukose

–Nur bei gesicherter Hypoglykämie (engmaschige Kontrollen!)

–Wenn, dann Applikation als Glukoseinfusion

–Hyperglykämie verschlechtert neurologisches Outcome

Orciprenalin

–Verschlechterung des Outcome durch Abfall des peripheren Widerstandes ( 2-Wirkung)

Literatur

Helm M, Brechinski W, Lampl L, Frey W, Bock KH (1996) Intraosseous puncture in preclinical emergency medicine. Experiences of an air rescue service. Anaesthesist 45 (12): 1196–1202

D-7.2 Krupp-Syndrom (Epiglottitis/

stenosierende Laryngotracheitis)

Differenzialdiagnose

Die Differenzialdiagnostik kann schwierig sein; s. auch Tabelle.

Notfallmaßnahmen bei Epiglottitis

Keine Laryngoskopie

Keine Racheninspektion oder andere Manipulationen wie Absaugen oder Legen von venösen Zugängen

Sitzender Transport auf dem Schoß der Mutter

O2-Inhalation, ggf. vorsichtige assistierte Maskenbeatmung (fast immer möglich)

Nur im äußersten Notfall bei Totalverlegung der Atemwege und Unmöglichkeit der Maskenbeatmung ist ein Intubationsversuch gerechtfertigt. Die Intubation bei Epiglottitis ist außerordentlich schwierig und bedingt durch die Manipulation selbst ein weiteres Zuschwellen

der Atemwege! Als Ultima Ratio bleibt dann nur noch die Notfallkoniotomie.

Notfallmaßnahmen bei Laryngotracheitis

Fiebersenkende Maßnahmen (z. B. Paracetamol-Supp.)

O2-Gabe

Differenzialdiagnose Krupp

 

Charakteristika

 

 

Epiglottitis

 

Laryngo-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

tracheititis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Risiko

 

 

Lebens-

 

 

Meist harmlos

 

 

 

 

bedrohlich!

 

 

 

 

Erreger

 

 

Bakterien (v. a.

 

 

Viren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Haemophilus

 

 

 

 

 

 

 

influenzae)

 

 

 

Alter

 

 

3–6 Jahre

 

3–12 Jahre

 

 

 

Beginn

 

Hochakut

 

Protrahiert

 

 

Atmung

 

 

Langsam, ruhig

 

Schnell,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

angestrengt

Stridor

 

 

Leise,

 

Inund

 

 

 

 

 

 

 

inspiratorisch

 

 

exspiratorisch

 

Husten

 

 

Kaum

 

 

Bellender

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Husten

 

Allgemein-

 

 

Schwerkrank, ru-

 

 

Kaum

 

 

 

 

 

zustand und

 

 

hig, sitzend, At-

 

 

beeinträchtigt

 

Verhalten

 

 

mung

 

 

(Kinder laufen

 

 

 

 

konzentriert

 

 

umher, evtl.

 

 

 

 

 

 

 

Agitiertheit)

 

Fieber

 

 

Hoch

 

 

Mäßig bis

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

fehlend

Stimme

 

 

Kloßige, leise

 

 

Heiserkeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sprache

 

 

 

 

Sonstiges

 

 

Speichelfluss,

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schluck-

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

beschwerden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anfeuchtung der Atemluft

Beruhigung des Kindes und der Eltern

Adrenalin-Inhalation (2–5 ml unverdünntes Adrenalin über Düsenvernebler)

Glucocorticoidgabe (100 mg Prednisolon rektal)

Bei Unklarheiten (unklare Differenzialdiagnose zur Epiglottits) Klinikeinweisung

D-7 · Spezielle pädiatrische Notfälle

D-7.3 Fremdkörperaspiration

Altersgipfel: Kinder zwischen 1 und 3 Jahren

Häufigster Fremdkörper sind Erdnüsse

Bei Kindern sind linker und rechter Bronchialbaum gleich häufig betroffen

Symptomatik

Initialer Hustenanfall (Anamnese)

Stridor, bei trachealer Lokalisation ggf. »Flopp«-Geräusch

Atemnot

Zyanose (selten)

Diagnostik

Auskultation

CAVE

Bei 40% der Patienten kein pathologischer Untersuchungsbefund!

Thoraxröntgenaufnahme (in Inund Exspiration)

Bronchoskopie

647 D-7.3

Notfallmaßnahmen bei Erstickungsgefahr

Direkte Laryngoskopie: Wenn der Fremdkörper vor der Glottis sichtbar ist, ist evtl. eine Extraktion möglich

Heimlich-Manöver oder beim Säugling Schläge zwischen die Schulterblätter

Bei trachealem Fremdkörper Intubation und Vorschieben in einen Hauptbronchus

Notfallmaßnahmen ohne Erstickungsgefahr

Sitzender Transport unter Sauerstoffgabe in die Klinik

Jeder Verdacht auf eine Fremdkörperaspiration muss stationär abgeklärt werden!

Literatur

Nicolai T (1999) Airwaymanagement bei Kindern in Notfallsituationen. Notfall & Rettungsmedizin 2: 212–215

D-8

Notfälle

in der Schwangerschaft

D-8.1 Schwangerschaftsinduzierter Hypertonus (SIH),

Präeklampsie, Eklampsie 650

D-8.2 Wehen 650

Notfallmedizin

650 D-8.2 · Wehen

D-8.1 Schwangerschaftsinduzierter

Hypertonus (SIH),

Präeklampsie, Eklampsie

Begriffe

Gestose = Gestationstoxikose: durch Schwangerschaft begünstigte Erkrankungen

Hypertonus: prognostisch entscheidender Faktor der meisten Gestosen

Präeklampsie: zusätzlich Proteinurie, Unruhe, Kopfschmerz, Augenflimmern, Sehstörungen, Hyperreflexie, Bauchkrämpfe

Eklampsie: tonisch-klonische Anfälle, u. U. Hirnödem (verminderte Plazentaperfusion!)

HELLP-Syndrom:

–Hämolyse

–»elevated liver-enzymes«

–»low platelets«:

Sonderform der Gestose im letzten Schwangerschaftsdrittel; Entwicklung innerhalb von Stunden mit Leberkapselschmerz (Hämatome!), Thrombozytopenie, Hämolyse, massivem Transaminasenanstieg und ANV möglich.

Komplikationen

Blutung

Schock

Herzversagen

Lungenödem

Akutes Nierenversagen

Hirnödem

Maßnahmen

Magnesium hochdosiert: initial 2–4 g langsam i.v., dann 2 g/h kontinuierlich

Benzodiazepine bei eklamptischem Anfall, möglichst keine zusätzlichen Antikonvulsiva

Antihypertensivagabe schrittweise und nur bei massiv erhöhten Blutdruckwerten: Ziel: Blutdruck diastolisch nicht unter 90 mmHg; CAVE: hypotoniebedingte Minderperfusion des Uterus!

Dihydralazin 5–12,5 mg langsam i.v.

Alternativ: Urapidil in 10-mg-Boli i.v.

Kliniktransport bei Verdacht auf SIH, Präeklampsie, Eklampsie oder HELLP-Syndrom

D-8.2 Wehen

Begriffe

Austreibungsphase: Dauer 1/2–3 h

Pressphase: Presswehen alle 2 min, Dauer < 1/2 h bis zur Geburt

Maßnahmen

Linksseitenlagerung zur Verhinderung eines Vena- cava-Kompressionssyndroms

Mutterpass: Geburtsunmögliche Lage? Dann immer Kliniktransport, Nottokolyse

Kliniktransport oder Nachalarmierung des »Storchenwagens«

In der Regel kein Transport (mehr) indiziert bei unmittelbar bevorstehender Geburt:

–Wehenabstand < 3 min

–Kindlicher Kopf in der Scheide sichtbar

Tokolyse

Restriktive Indikationsstellung im Rettungsdienst!

Notfalls:

–Fenoterol (Partusisten intrapartal Injektionslösungskonzentrat) 25 g/ml i.v. (CAVE: Partusis- ten-Infusionslösungskonzentrat: 50 g/ml)

–Fenoterolspray 2 Hübe à 0,2 mg per inhalationem (Wirksamkeit umstritten)

Geburt

Maßnahmen zur Geburtsunterstützung abhängig von der Erfahrung des Notarztes

Bei Verfügbarkeit: mit Hebamme besetzten »Storchenwagen« unbedingt hinzurufen!

D-9

Intoxikationen

S. Marz

D-9.1 Allgemeines Vorgehen 652

D-9.2 Alkohol 652

D-9.3 Alkylphosphate (organische Phosphorsäureester:

E 605, Nervenkampfstoffe) 654

D-9.4 Kohlenmonoxidvergiftung (CO-Vergiftung) 654

D-9.5 Paracetamolvergiftung 655

Notfallmedizin

652 D-9.2 · Alkohol

D-9.1 Allgemeines Vorgehen

Sicherung der Vitalfunktionen: Bewusstseinslage, Atmung, Kreislauf

Anamnese/Fremdanamnese

Asservierung von Material zur toxikologischen Untersuchung: Tabletten, Speisereste, Magenspülflüssigkeit, Urin, Blut

Primäre Giftelimination

Induziertes Erbrechen

Mittel der Wahl ist Ipecacuanhasirup, Dosierung:

–Erwachsene: 30 ml

–Kinder 1–3 Jahre: 20 ml

–Kinder > 3 Jahre: 30 ml

Jeweils mit 100–200 ml Wasser oder Tee trinken lassen

Alternativen: Apomorphin i.m./s.c. (CAVE: Nicht geeignet für Kinder unter 1 Jahr, bei Asthma bronchiale, Wirkungsverstärkung von zentral dämpfenden Substanzen möglich)

Hypertone NaCl-Lösung ist möglich, gilt aber in der Literatur als obsolet (CAVE: Kontraindiziert bei Kindern, da Gefahr der Natriumintoxikation; diese ist auch bei Erwachsenen möglich)

Kontraindikationen:

–Eingeschränkte Bewusstseinslage (CAVE: Kann sich v. a. bei Vergiftungen mit Benzodiazepinen, Clomethiazol, trizyklischen Antidepressiva erst sehr rasant entwickeln!)

–Ingestion von Säuren, Laugen, Schaumbildnern, Benzin

Magenspülung

Bei eingeschränktem Bewusstsein erst nach der Intubation

Kontraindiziert bei Säuren/Laugeningestion: Perforationsgefahr!

Durchführung:

–Große Magensonde oral

–Mit lauwarmem Leitungswasser spülen, bis das Spülwasser klar ist, mindestens 10 l

–Aus erster Portion ggf. Asservierung von Spülflüssigkeit zur toxikologischen Untersuchung

Der Trend geht zzt. hin zur primären Adsorbenziengabe (Aktivkohle), da die Effizienz mit der des induzierten Erbrechens/Magenspülung vergleichbar ist.

Bei vital bedrohlichen Intoxikationen sollten jedoch immer beide Methoden angewandt werden.

Giftbindung durch Gabe von Adsorbenzien

Aktivkohle 0,5–1 g/kgKG p.o. oder über die Magensonde

Glaubersalz (= Na2SO4) 20 g zur Beschleunigung der Darmpassage

Gabe ggf. alle 4 h wiederholen (1/2 Dosis)

Sekundäre Giftelimination

Beschleunigung der Elimination

Forcierte Diurese

Unterbrechung des enterohepatischen Kreislaufs mit Austauscherharzen

Hämodialyse/Hämoperfusion

Eventuell Austauschtransfusion oder Plasmapherese je nach aufgenommener Substanz

Wenn möglich, immer Rücksprache mit der Giftzentrale.

Spezifische Antidottherapie

Antidote sind Pharmaka, die den Giftstoff chemisch oder physikalisch inaktivieren oder die Giftwirkung am Rezeptor oder im Gewebe aufheben.

Frühestmögliche Antidotgabe bei Alkylphosphaten, Zyaniden, CO (s. auch Tabelle).

In den Abschnitten D-9.2 bis D-9.5 werden einige ausgewählte Intoxikationen behandelt. Die Auswahl erfolgte nach Kriterien der Häufigkeit und nach der Relevanz der therapeutischen Entscheidungen.

D-9.2 Alkohol

Die Alkoholintoxikation ist die häufigste Intoxikation.

CAVE

Die schwere Alkoholintoxikation ist ein lebensbedrohlicher Zustand.

653 D-9.2

D-9 · Intoxikationen

Antidotschema

Gift

 

Antidot

 

Dosierung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alkyl-

 

Atropin,

 

2–20 mg i.v. (Titration),

 

 

 

 

 

phosphate

 

Obidoxim

 

3–4 mg/kgKG i.v.

 

 

 

 

(nur innerhalb

 

 

 

 

der ersten 8 h)

 

 

 

 

 

Zyanide

 

4-DMAP,

 

250 mg

 

 

Na-Thiosulfat

 

(3–4 mg/kgKG)

 

 

 

 

nach Gabe von

 

 

 

 

4-DMAP 50–100 mg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

i.v.; Wiederholung

 

 

 

 

möglich

Kohlen-

 

Sauerstoff

 

FIO2: 1,0

monoxid

 

 

 

 

Atropin

 

Physiostig-

 

1–2 mg i.v., Wieder-

 

 

min

 

holung möglich

Benzo-

 

Flumazenil

 

0,5–3 mg i.v.

 

 

 

 

 

diazepine

 

 

 

(langsam titrieren)

Opioide

 

Naloxon

 

5–40 g/kgKG

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(titrieren)

 

 

 

 

 

Paracetamol

Digitalispräparate

N-Acetyl- cystein

Digitalisantitoxin

Initial: 150 mg/kgKG

in 200 ml Glukose 5% in 15 min; 50 mg/kgKG

in 4 h, dann 100 mg/ kgKG in 20 h

Nach Rücksprache

mit Giftzentrum:

ca. 6 Flaschen à 80 mg

 

 

 

 

 

 

 

 

Methanol

 

Ethanol

 

Initial 0,5 g/kgKG

 

 

 

 

 

 

Ethanol 10% über

 

 

 

 

 

 

30 min,

 

 

 

 

 

 

 

dann 0,25 g/kgKG/h

 

 

 

 

 

 

 

 

Symptomatik

Typischer Foetor alcoholicus (CAVE: nicht durch alle Alkoholsorten: z. B. Gin)

Abhängigkeit der Symptomatik von der Plasmakonzentration

–< 0,5 Promille: Euphorie, Enthemmung, Hyperventilation

–0,5–2 Promille: Vermindertes Reaktionsvermögen, z. T. Aggressivität, Dysarthrie, Ataxie

–2–4 Promille: Bewusstlosigkeit, Analgesie, Erbrechen (Aspirationsgefahr!), Harnund Stuhlinkontinenz

–> 4 Promille: Tiefes Koma mit Areflexie, Herz- Kreislauf-Versagen, Hypothermie (Vasodilatation!), Atemstillstand

Diese Einteilung gilt nur für sog. »Nichtalkoholiker« (bei Alkoholikern sind Werte > 3 Promille ohne Symptomatik keine Seltenheit)

Variation durch verschiedene Faktoren (Alter, Geschlecht, Nahrungsaufnahme etc.) ist möglich

Differenzialdiagnose

Neurologische Erkrankungen (z. B. intrakranielle Blutungen)

Endokrin-metabolische Störungen (Hypooder Hyperglykämie)

Andere Intoxikationen

Mischintoxikationen, v. a. mit Benzodiazepinen und Clomethiazol sind häufig!

Diagnostik

Kontrolle des Alkoholspiegels (korreliert der Spiegel mit dem Zustand des Patienten?)

Kontrolle des Blutzuckers obligat (Alkohol hemmt Glukoneogenese, daher sind schwere Hypoglykämien möglich)

Klinische Untersuchung: auf Verletzungen im Rahmen von alkoholbedingten Stürzen achten (CAVE: v. a. Schädelverletzungen: subdurale Hämatome!) Verschleierung der neurologischen Symptomatik durch den Alkohol; Ausnüchterung unter engmaschiger neurologischer Kontrolle, im Zweifelsfall cCT

An Mischintoxikationen denken, ggf. weiterführende toxikologische Untersuchungen

Messung der Körperkerntemperatur

Therapeutische Besonderheiten der schweren Alkoholintoxikation

Magenspülung (Alkohole sind gut wasserlöslich)

Gegebenenfalls Hämodialyse

Notfallmedizin

654 D-9.4 · Kohlenmonoxidvergiftung (CO-Vergiftung)

D-9.3 Alkylphosphate (organische

Phosphorsäureester: E 605,

Nervenkampfstoffe)

Symptomatik

Endogene Acetylcholinvergiftung durch irreversible Hemmung der Cholinesterase

Cholinerges Syndrom mit

–Miosis

–Hypersekretion (Bronchialsekretion, Lungenödem, Tränenund Speichelfluss, Schweißsekretion)

–Bronchospasmus

–Bradykardie bis hin zur Asystolie

–Diarrhö und Erbrechen

–Erregungszustände, Krämpfe, Koma

Diagnose

Anamnese (Suizid?)

Typisches Umfeld (Weinberg, etc.)

Blaue Warnfarbe und typischer Geruch (Knoblauch)

Achtung: Kontaktgift: Handschuhe tragen, keine Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung

Inhalative und orale Aufnahme sind ebenfalls möglich

Therapie

Titrierte Atropingabe, bester Kontrollparameter ist eine abnehmende Bronchialsekretion

Nach Atropingabe (> 10 min) in der Frühphase bis 24 h nach Ingestion Obidoxim (Enzymreaktivator durch Dephosphorylierung der Azetylcholinesterase)

KI: Vergiftung mit Carbamatinsektiziden (irreversible Hemmung der Azetylcholinesterase, keine sog. Alterung)

Symptomatische Therapie der Krampfanfälle

Gegebenenfalls Hämoperfusion versuchen

CAVE

Ein sofortiger Therapiebeginn ist prognoseentscheidend.

D-9.4 Kohlenmonoxidvergiftung

(CO-Vergiftung)

Häufigste akzidentelle Vergiftung

Farbund geruchloses Gas

CO hat eine hohe Affinität zum Hämoglobin

(300-mal stärker als O2) und verdrängt O2 reversibel aus der Fe+-Bindung

Weitere Effekte: Verschiebung der O2-Bindungskur- ve und Hemmung der Enzyme der Atmungskette (Zytochromoxidase)

Die Symptomatik resultiert aus Gewebshypoxie und Azidose

CAVE

Die Symptomatik ist vielfältig und unspezifisch und bereitet deshalb differenzialdiagnostisch oft Schwierigkeiten.

Symptomatik

Besonders betroffen sind obligat aerobe Organe mit hoher Stoffwechselaktivität

Kardial: Angina pectoris, akute Herzinsuffizienz neurologisch: Kopfschmerzen bis Bewusstlosigkeit

Im klassischen Fall kirschrote Hautfarbe bzw. »Totenflecken« (wird aber in der Praxis eher selten beobachtet: Voraussetzung sind hohe akute CO-Konzentrationen)

Ursachen

Ofenheizung

Brände (neben Zyaniden und Reizgasen)

Autoabgase (Suizide)

Früher Stadtgas (Erdgas enthält fast kein CO)

Zur Vermeidung weiterer Unfälle möglicherweise mit Todesfolge ist eine Ursachenforschung unerlässlich!

Diagnose

Sofort Blutentnahme zur Bestimmung des CO-Hb-Gehaltes

Weiterführende Diagnostik:

–Nierenversagen?

–EKG: Myokardischämie?

–Rhythmusstörungen?

–Thoraxröntgenaufnahme: Lungenödem?

–Neurologische Untersuchung: Hirnödem?