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☆

IX. Die Neulanderschliessung

Die Neulanderschliessung von 1954 war eine weitere Offensive gegen die Natur. Neben Kasachstan wurden Sibirien sowie das Ural- und das Wolgagebiet davon betroffen. Das Neuland-Programm wurde von der Notwendigkeit diktiert, die Getreideproduktion in der Sowjetunion extensiv zu erhöhen. Zur Erfüllung des Programms kamen 150 000 Menschen aus Russland, der Ukraine, Weissrussland und Moldawien in die kasachische Steppe.

Bis 1960 wurden in der UdSSR Millionen Hektar Brachland urbargemacht. Zwei Drittel davon fielen auf Kasachstan. Die übereilte und schlecht durchdachte Urbarmachung der Steppe hatte schlimme ökologische Folgen: Die Humusschicht geht immer noch durch Winderosion verloren, die Vegetation wird zerstört, die Grundwasservorräte gehen zurück, die Versalzung der Ackerflächen nimmt zu. Die landwirtschaftlichen Flächen sind mit hoher Konzentration giftiger Chemikalien wie Pestizide und Düngemittel belastet.

In der Nähe des Sees Lob Nor im autonomen Rayon Xingjiang-Uigur der Volksrepublik China befindet sich eins der fünf Kernwaffentestgelände der Erde. Die zwei ersten Tests am Lob Nor fanden am 16. Oktober 1963 (5 Kilotonnen) und am 14. Mai 1964 (20 Kilotonnen) statt. Im Juni 1967 testeten die Chinesen ihre erste Wasserstoffbombe. Seit Ende 1980 werden am Lob Nor nur unterirdische Versuche durchgeführt.

Das Testgelände liegt nur 700 km von Almaty entfernt, so dass die Bevölkerung der kasachischen ehemaligen Hauptstadt nach jeder nuklearen Explosion im Nachbarland von gesundheitsschädlicher Emission betroffen wird. Die radioaktiv verseuchten Niederschläge der chinesischen nuklearen Tests fallen auch auf Südkasachstan, Ostsibirien, Kirgisien und auf die Mongolei. Die jüngsten Atomtests fanden am 8. Juni und am 29. Juli 1996 statt und lösten in Kasachstan und Kirgisien zahlreiche Bürgerprotestaktionen aus.

X. Müll und Abgase

Müll und Abgase bringt der Anschluss der Republik Kasachstan an die moderne Welt mit sich.

Die Masseneinfuhr von Gebrauchtwagen, vor allem aus Japan und Deutschland, haben eine extrem hohe Schadstoffemission zur Folge. Almaty und andere Grossstädte Kasachstans leiden unter dem Smog. Es gehört zum Alltag, wenn man leere Plastikflaschen und Bierdosen sofort nach dem Konsumieren einfach auf den Boden wirft.

Trotz hoher Umweltbelastung ist das Umweltbewusstsein im neuen unabhängigen Staat nur sehr schwach ausgeprägt. Landesweit organisierte «Grüne» sind nicht existens. Selbst in den Regionen mit hoher Strahlenbelastung, wie in Semipalatinsk oder in Shambul, die durch die petrochemische Industrie stark komtaminiert sind, gibt es keine wirksam organisierten öffentlichen Initiativen. Politische Apathie und Schicksalsergebenheit sowie die abstumpfende und zeit-raubende tägliche Monotonie des Durchwurstelns sind augenfällige Erklärungen für die allgemeine Bürgerpassivität.

Die Beseitigung der Umweltschäden in Kasachstan bedarf internationaler Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten China, Russland, Kirgisien, Usbekistan und Turkmenistan. Das ökologisch verwüstete Land braucht wirksame Umwelt-schutzprogramme. Der durch eine tiefe Wirtschaftskrise ermüdete Staat verschiebt die Lösung dieser Probleme auf die nächste Generation. Niemand weiss, ob diese Zeit überhaupt kommen wird. Insch allah (wenn Gott es will), wie es in Zentralasien fatalistisch heisst.

Heute kann sich das arme Kasachstan saubere Luft und reines Wasser einfach noch nicht leisten.

«Die Nutzung der reichen Bodenschätze in Kasachstan bringt heute durch den Export vor allem von Erdöl, Erdgas und Kohle viel Geld ins Land.

So haben wir die Hoffnung, dass Kasachstan seine grossen Umweltprobleme lösen wird» (U. Rothgangel).

TESTs für komplexe staatliche

zwischenprüfung (МАБ ТЕСТЕРІ,

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